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7. Februar 2012 12:19
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FLORA-Juryreise mit Stefan Vögel

Auf Flora-Juryreise mit Stefan Vögel.

Herr Vögel, wir waren diese Woche zusammen mit der Jury des Flora Blumen- und Gartenbewerbs unterwegs. Schildern Sie uns Ihre Eindrücke.
Mein erster Eindruck war, dass es offensichtlich Welten gibt, die mit meiner Welt überhaupt nichts zu tun haben. Aber mir gefällt es, dass sich Menschen über ihre Gärten freuen. Ich habe für mich festgestellt, dass es in den Gärten Dinge gibt, von denen ich keine Ahnung habe.

Haben Sie gemerkt, dass die Gartenbesitzer bei unseren Besuchen sehr angespannt gewirkt haben?
Aber die waren nicht deshalb angespannt, weil ich oder wir dabei waren, sondern das hatte mit der Jury zu tun. Das hoffe ich zumindest.

Wir haben drei Gärten in Thüringen besichtigt. Welcher hat Ihnen am besten gefallen?
Mein Favorit war der Familiengarten. Er hatte für mich eindeutig am meisten Leben. Da gab es einen Swimmingpool und Kaninchen. Und auch der Bagger hat mich gar nicht gestört. Ich dachte zuerst, er gehört zum Ensemble dazu.

Tatsächlich?
Ja. Der Vater eines Schulkollegen hat früher  bei Kaiser Bagger gearbeitet. Und bei denen stand auch immer ein Bagger im Garten. Deshalb habe ich mir auch in diesem Fall gedacht, der Bagger gehört einfach zum Garten dazu.

So ein geschniegelter Garten wäre nichts für Sie?
Nein. Bei Gärten, die so herausgeputzt worden sind,  habe ich das Gefühl, dass ein Fußabdruck fast schon zerstörerisch wirken würde. So ein Garten wäre nichts für mich.

Haben Sie nicht das Bedürfnis einen großen Garten ihr Eigen zu nennen?
Nein. Das wäre nichts für mich. Ich bin in Gurtis aufgewachsen und das war früher für mich ein riesengroßer, von der Außenwelt fast abgeschotteter Garten. Das hat mir gereicht.

Gartenarbeit soll aber richtig entspannend sein?
Das mag auf andere zutreffen, aber nicht auf mich. Eine halbe Stunde Gartenarbeit täglich wäre mir schon zu viel. Ich gehe lieber joggen. Anderen gibt das weniger und sie freuen sich stattdessen über Wasserspiele und die Miniaturkirche im Garten.

Ihr Garten ist demnach nicht preisverdächtig?
Schauen Sie! Wenn ich keine Frau, aber ein Haus mit Garten hätte, dann wäre ich entweder so reich, dass sich jemand anderer um die Gartenarbeit kümmern würde oder ich würde den Garten einfach zubetonieren.

Ihren Worten entnehme ich, dass Sie noch nicht die Reife hätten, um Jurymitglied des Flora Blumen- und Gartenbewerbs zu werden.
Also ich würde mir richtig schwer tun, ein Urteil abzugeben. Vor allem auch, weil die Gärten so unterschiedlich gestaltet sind. Da gibt es Gärten, in denen die Menschen wirklich leben und andere sind wiederum so gestylt, dass man sie, ähnlich wie bei einem Bild, eigentlich nur anschauen kann. Diese Gärten sind natürlich auch schön, aber sie erfüllen einen anderen Zweck. Die stolzen Besitzer wollen damit ihren Nachbarn zeigen, was für einen tollen Garten sie haben.

Das sind aber meistens Gartenbesitzer, die man selten bei einem Gläschen Bier im Freien sieht.
Diese Einschätzung teile ich. Größere Feste, bei denen am nächsten Tag die leeren Bierkisten im Garten stehen, finden dort sicher nicht statt. Aber das will ich diesen Gartenbesitzern gar nicht vorhalten. Die erfreuen sich einfach schlichtweg daran, ihren Garten selbst zu bewundern. Für mich wäre das zu viel Arbeit.

Das heißt, wir werden den Stefan Vögel in nächster Zeit nicht bei der Gartenarbeit beobachten können?
Nur gezwungenermaßen. Ich habe zum Beispiel diese Woche für meine Kinder einen Sandkasten gebaut. Mit Vliesboden. Und die Holzbretter habe ich selbst mit einem Akkuschrauber zusammengebaut.

Waren Sie danach stolz auf Ihr Werk und haben sich ein Bierchen genehmigt?
Wir haben uns zusammen mit unseren Nachbarn ein Fläschchen Sekt genehmigt und haben auf den neuen Sandkasten angestoßen.

Und sind heuer weitere Großtaten in Ihrem Garten geplant?
Nein. Jedes Jahr kommt etwas Neues dazu. Letztes Jahr habe ich zum Beispiel eine Schaukel aufgestellt.

Und was sind Ihre gärtnerischen Visionen 2011?
Ein Pavillon würde mir schon gefallen. Aber wir haben zu wenig Platz und draußen rennen die Kinder herum und schreien nur. Da hätte ich wiederum keine Möglichkeit, um in Ruhe zu schreiben. Der Pavillon hätte also nur den Zweck, ihn anzuschauen.

Das Gespräch führte Frank Andres.