Fliegende Funken

Fetzige Ballettmusik von Charles Gounod und der Radetzkymarsch bildeten den Abschluss des Konzerts des Jugendsinfonieorchesters Dornbirn.

Barbara Camenzind

Mit einem Klangbogen zwischen nordischer Farbenpracht und Wiener Leichtfüßigkeit vergnügte das Jugendsinfonieorchester Dornbirn am Silvestervorabend sein großes Publikum. Dass die Werke des Norwegers Edvard Grieg und des Finnen Jean Sibelius wenig mit der üblichen neujahrslaunigen Walzerseligkeit zu tun hatten, wirkte ebenso erfrischend wie die jungen Talente, die dafür auf der Bühne ihr Bestes gaben.

Quasi als „Altjahresschreck“ tauchte zuerst lautmalerisch authentisch dargestellt der norwegische Geist auf, den Grieg „In der Halle des Bergkönigs“ den Fagotten zugesprochen hatte. Doch Maestro Guntram Simma beließ es nicht bei Griegs berühmter Orchestersuite zu Henrik Ibsens „Peer Gynt“: Mit dem „Symphonischen Tanz Nr. 1 in G-Dur“ setzte er noch einen drauf und zauberte musikalische Nordlichter in den Saal. Klangschön und souverän folgten ihm seine „Simmaphoniker“. Sie waren den großen Bögen gewachsen. Deshalb vermutlich, weil die Kompositionen im Programm nicht jedermann bekannt sein konnten und ein schönes Konzert durch eine gute Conférence an Charme gewinnt, führte eine fixe junge Stimme aus den zweiten Geigen durch den Abend. Launig forderte sie „die Großen“ auf, die Solistin auch ja gut zu begleiten, was diese bei Mozarts Rondo aus dem Flötenkonzert KV 313 auch unverzüglich taten. In kleiner Besetzung waren die akuraten Phrasierungen luftig und leicht und boten der 17-jährigen Solistin Vanessa Gasser einen passenden Rahmen. Diese überzeugte durch feinziselierte Koloraturen und eine sehr selbstbewusste Tongebung.

Fernweh geweckt

Bei Jean Sibelius’ Frühlingslied wurde es allen ihm Saal warm ums Herz. Maestro und Musiker wurden dem Klangfarbenmaler gerecht, vielleicht wurde da und dort sogar ein bisschen Fernweh nach den Weiten der finnischen Seenlandschaft geweckt. „Achtung, anschnallen“, vermerkte die kleine Conférencière: Mit der „Valse Chevaleresque“ schuf sich der polyglotte Finne seine Version eines Wiener Walzers. Ob er dabei die Kunstfertigkeit des lipizzanischen Pferdeballetts vor Augen hatte, sei dahingestellt. Auf jeden Fall präsentierte sich das charmante Stück als wendungsreicher Parcours: Maestro Simma tat gut daran, seine Pferdchen im Zaum zu halten. Dass sie sich da und dort bei Übergängen vergaloppierten, sah man ihnen nach. Man wächst schließlich an Herausforderungen. Volles Rohr hieß es dann bei Suomis sinfonischer Hymne: „Finlandia“ ist das Paradestück für Blechbläser. Verdienter Applaus führte in die Pause. In aufgeräumter Stimmung erwartete das Orchester sein Publikum zurück: Die leichtfüßige Ouvertüre zu Franz von Suppés „Pique Dame“ weckte erste Champagnerlaune, und selbstverständlich wurde bei der hervorragend gezupften Pizzicato-Polka der Strauß-Brüder das obligate „Prosit Neujahr“ serviert.

Mit heiterem Ernst und ­großer Konzentration spielte sich die zwölfjährige Solistin Hannah Amann in die Herzen der Zuhörenden. Daniel van Goens Scherzo für Violoncello und Orchester entpuppte sich als galantes Kabinettstückchen. Als echter Knaller fegte die Polka „Auf der Jagd“ von Johann Strauß Sohn schnell die letzten trüben Altjahresgedanken aus dem Saal. Die Celli, aus Kanonen mit Papierschlangen beschossen, sorgten für große Heiterkeit. Wenn nicht aus Wien, wäre es Kitsch: Carl Michael Ziehrers „Weana Madln“ mit der betörenden Pfeifpassage ließ einen am ­Ende fast etwas sentimental werden, so musikantisch schön erklang es vom Podium. Nichts da. Mit fetziger Ballettmusik von Charles Gounod und dem obligaten Radetzkymarsch als Zugaben wurde man mit fliegenden Funken in die Silvesternacht befördert. Bravo.

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