interview

„Vorarlberg ist für uns ein hartes Pflaster“

Ein zweistelliges Ergebnis erhofft sich Bernhard Rösch, Bundesobmann der Freiheitlichen Arbeitnehmer, für seine Fraktion bei der Arbeiterkammerwahl.

Was muss sich aus Ihrer Sicht für die Arbeitnehmer in Österreich verbessern?

Bernhard Rösch: Es ist in den vergangenen Jahren sehr viel Sozialabbau betrieben worden. Umso wichtiger ist es, dass bei Lohnerhöhungen sowohl die Inflation als auch die Steigerung der Produktionsrate berücksichtigt werden. Die Pensionen müssen derart gestaltet sein, dass ältere Menschen damit ein Auslangen finden. Vor allem im Bereich des Lohndumpings sollte die Arbeiterkammer wesentlich mehr Ecken und Kanten zeigen. Und sich auch einmal gegen die Regierung stellen. Denn in Österreich wird die falsche Wirtschaftspolitik betrieben.

Was sind Ihre konkreten Vorschläge?

Rösch: Eine unserer zentralen Grundforderungen ist ein Mindestlohn von 1600 Euro brutto. Das hört sich nach viel an, schlussendlich sind das aber nur 1160 Euro netto. Und wenn man sich die Kosten für das Wohnen oder die Mobilität ansieht, ist das nicht zu hoch gegriffen. Außerdem soll stärker kontrolliert werden, dass die Kollektivverträge eingehalten werden. Und etwa bei Schwarzarbeit auf Baustellen nicht einfach weggeschaut wird.

Im vergangenen Jahr wurde seitens der FPÖ eine Initiative zur Einführung eines Teilkrankenstandes in Österreich gestartet. Wie groß sind die Chancen, dass es diesen in nächster Zeit geben wird?

Rösch: Das bringt mich ein bisschen zum Schmunzeln. Denn wir haben in Wien laut über diesen Teilkrankenstand nachgedacht. Und Dwora Stein (Anm.: Vizepräsidentin der Wiener Arbeiterkammer und Mitglied der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter) hat uns vorgeworfen, wir würden damit das soziale System gefährden. Interessant daran ist jedoch, dass mittlerweile einige dieser Vorschläge im Dienstrecht der roten Gemeinde Wien drinnen sind. Auch wenn sie ein wenig anders tituliert sind. Aber das ist Politik: Wenn die Freiheitlichen etwas Gescheites sagen, wird das erst als Unsinn abgetan. Dann wird es durchgedacht, bis es schließlich doch zum Gesetz wird.

Die Freiheitlichen Arbeitnehmer in Vorarlberg verzichten im Wahlkampf auf Plakate. Wie beurteilen Sie dies?

Rösch: Es ist ein gutes Zeichen an die Arbeitnehmer, dass auch wir sparsam sind. In Vorarlberg gab es ja schon Zusagen der anderen Fraktionen, dass niemand plakatiert. Nur sind halt dann schlussendlich alle außer den Freiheitlichen umgefallen.

Die FPÖ ist bei Wahlen teilweise sehr erfolgreich. Bei den Freiheitlichen Arbeitnehmern hält sich der Erfolg noch in Grenzen. Woran liegt das?

Rösch: Es ist eine Frage der Mobilisierung. Die Zwangsvertretung durch die Arbeiterkammer verträgt sich für viele unserer Sympathisanten nicht mit den freiheitlichen Grundgedanken. Darum gehen sie dann auch nicht zur Wahl, und wir müssen ihnen aufzeigen, warum sie doch wählen sollen.

Was wäre aus Ihrer Sicht ein gutes Ergebnis bei den Arbeiterkammerwahlen?

Rösch: Obwohl Vorarlberg für uns ein hartes Pflaster ist, wollen wir zweistellig werden (Anm.: Ergebnis AK-Wahl 2009: 5,98 Prozent). Dadurch, dass wir nicht plakatieren, haben wir einen Nachteil gegenüber den anderen Fraktionen. Aber wir werden dennoch zeigen, dass wir die ambitionierteren Vorschläge haben.

Michael Steinlechner

Zur Person

Bernhard Rösch (50) sitzt seit 2010 für die FPÖ im Wiener Gemeinderat und Landtag. Seit 2008 ist er außerdem Bundesobmann der Freiheitlichen Arbeitnehmer und Mitglied im Bundesvorstand der FPÖ.

Rösch ist Witwer und hat drei Kinder. 1983 war er nieder­österreichischer Landesmeis­ter im Boxen (Halbschwergewicht).

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.