Stunde des Herzens

Das höchste Gut: Kindern Zeit schenken

Mädchen und Buben Zeit schenken, deren Herzenswünsche erfüllen und helfen. Das und mehr hat sich das Team des Vereins „Stunde des Herzens“ auf seine Fahnen geschrieben.

Dunja Gachowetz

Heimelig ist die Küche im Wohnhaus von Ines und Joe Fritsche in Bürserberg. Auf dem hölzernen Tisch stehen verschiedene Getränke und süße Naschereien bereit. Janine Wüschner, Stephan Winder, Gaby Presnik-Martin und Dieter Reimers unterhalten sich angeregt. Kreuz und quer wird miteinander geredet, die unterschiedlichsten Themen besprochen. Baby Elisa, das erste Kind von Janine und Stephan, schläft friedlich in den Armen seiner Mutter. Auf den ersten Blick wirkt es so, als hätten sich Freunde an einem Freitagnachmittag zu einem gemütlichen Kaffee-Tratsch getroffen. Aber in Wirklichkeit ist es auch ein Treffen der Vorstandsmitglieder des Vereins „Stunde des Herzens“. „Das läuft bei uns immer so ab. Wir haben ja kein Büro oder Vereinslokal. Daher treffen wir uns meistens bei Joe und Ines zuhause“, sagt Stephan, Vize-Obmann des Vereins.

Seit nunmehr elf Jahren setzen sich die Frauen und Männer unermüdlich für die gute Sache ein und versuchen, notleidenden oder schwerkranken Kindern Träume zu erfüllen. Oder sozial schwächer gestellten Familien bei der Finanzierung beispielsweise von Rollstühlen für ihren Nachwuchs unter die Arme zu greifen. Aber bereits vor der offiziellen Gründung des Vereins im Jahr 2003 stellte das Team seine Freizeit für jene Mädchen und Buben zur Verfügung, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens standen. „Den ersten Kinderflugtag in Hohenems haben wir vor 13 Jahren durchgeführt, das erste Wintercamp auf der Tschengla vor mittlerweile 15 Jahren. Den Flugtag organisieren wir gemeinsam mit dem Rundflugteam Flugplatz Hohenems. Beim Wintercamp werden wir seit Beginn vom Husky Tony unterstützt“, erzählt Joe. Aber noch viele andere Aktionen werden von den ehrenamtlichen Mitgliedern organisiert und durchgeführt. Oberste Priorität hat dabei immer das Credo: Kindern Zeit schenken. „Unsere Hilfe und Unterstützung haben wir auf drei Säulen gestellt. Eben Zeit schenken, dann finanzielle Unterstützung und drittens Sach- und Lebensmittelspenden. Das Ganze zu 100 Prozent ehrenamtlich, transparent und alle Spenden werden eins zu eins weitergegeben. Gerade der letzte Punkt bringt uns neben treuen Gönnern, deren Vertrauen wir gewinnen konnten, auch immer wieder neue Leute, die unsere Ideologie teilen“, erklärt Stephan. Mittlerweile haben die Mitglieder ein gutes Sponsorennetz gesponnen und viele Gleichgesinnte, die ihr Tun unterstützen. „Spendengelder werden meistens direkt an die Familien überwiesen. Gelangt Geld auf unser Konto, wird es gleich weitergeleitet. Dadurch ist der Kontostand oft um null, aber das gehört sich auch so“, meint Joe. Gerade am Anfang war es dadurch und weil das Netzwerk noch nicht so groß war schwierig, solche „Zeit schenken“-Events wie das Wintercamp zu finanzieren. So mussten die Mitglieder auch schon mal in den eigenen „Sack“ greifen, um die Unkosten decken zu können.

Jeder kann Talente einbringen

Aber nicht nur die Kontakte zu den Sponsoren werden gepflegt, sondern auch jene zu den Familien, die vom Verein unterstützt werden. „Viele Familien werden von uns schon jahrelang betreut. Der persönliche Kontakt ist uns ein Herzensanliegen. So können wir auch ganz gezielt helfen“, erklärt Joe. Derzeit werden rund 500 Familien aus dem ganzen Land von den Mitgliedern auf unterschiedlichste Weise unterstützt. Über weitere helfende Hände ist das Team stets froh. „Mithelfen können alle. Jeder Mensch hat unterschiedliche Fähigkeiten und Talente, die man gezielt bei uns einbringen kann“, sagt Joe.

Das Tun des Vereins wird auch von Prominenten unterstützt. DTM-Rennfahrer Timo Scheider, der ehemalige Skirennläufer Marc Girardelli, Musiker Thomas Pegram, Snowboard-Ass Markus Schairer oder der Pro7- Moderator Jumbo Schreiner sind nur einige der „Stunde des Herzens“-Botschafter. Wie gelingt es, diese Leute für den Verein zu begeistern? „Die sind uns zugelaufen“, sagt Stephan und lacht herzhaft. Eigentlich bringt er es damit auf den Punkt. Denn viele Botschafter wurden durch Zufälle rekrutiert. So hat der Obmann Timo Scheider beim Training auf der Tschengla kennengelernt. Joe hat den Rennfahrer zu sich nach Hause eingeladen und ihm erklärt, welche Ziele er mit dem Verein verfolgt. „Timo war gleich von der Sache begeistert. Er hat damals ein Cart-Charity-Event organisiert. Bei diesem konnte man Startplätze inklusive prominenter Teammitglieder ersteigern, unter anderem auch mit Jumbo“, erzählt der Bürserberger. Bei solchen Wohltätigkeits- und Spendensammelaktionen sind immer betroffene Mädchen und Buben dabei. „Wir wollen den Leuten zeigen, für wen wir Geld sammeln und wem wir helfen. Wie auch schon gesagt, ist uns Transparenz wichtig. Jede Geldspende wird sofort eins zu eins an die Bedürftigen weitergegeben. Natürlich gibt es Familien, die lieber anonym bleiben wollen, was wir selbstverständlich akzeptieren. Sehr vielen fällt es schwer, Hilfe und Unterstützung anzunehmen“, weiß Joe.

Schlagermusik ist beliebt

Als Jumbo Schreiner dann bei der Veranstaltung die betroffenen Kinder kennengelernt und von ihren Schicksalen gehört hat, war der große Mann sichtlich gerührt. Joe wusste: „Das ist unser Mann, der wird unser Botschafter.“ Seitdem hilft der Moderator tatkräftig mit, schwerkranken Kindern ihre Herzenswünsche zu erfüllen. Dazu gehören auch Konzertebesuche. „Man mag gar nicht glauben, wie viele Kinder Schlagermusik mögen. Viele wünschen sich, einmal Helene Fischer, Hansi Hinterseer, Nik P. oder die Amigos live zu sehen. Und wir versuchen, ihnen das zu ermöglichen“, sagt Joe. Um diese Träume wahr werden zu lassen, haben die Vereinsmitglieder einen Joker im Ärmel. Und zwar, dass Gründungsmitglied Gaby mit Nik P. verheiratet ist. „Ist sie dann mit den Stars unterwegs, versucht Gaby immer, signierte CDs oder Autogramme zu ergattern. Das hilft uns wirklich sehr und die Kinder freuen sich riesig darüber“, erzählt Joe. Aber auch auf die Geschwister der kranken Kinder wird nicht vergessen. „Auch denen schenken wir gerne Zeit, weil die oft zu kurz kommen und sich jeder fast nur aufs kranke Geschwis­terlein konzentriert.“

Manchmal sind die Mitglieder Anfeindungen ausgesetzt, wieso sie beispielsweise auch türkischen oder nicht „Vorarl­berg Familien“ helfen oder genau dieses oder jenes Kind unterstützt haben, wo doch die Eltern ein neuwertiges Auto in der Garage stehen haben. „Aber ich mach keinen Unterschied. Viele der Kritiker kennen nicht die wahre Krankengeschichte beziehungsweise wissen gar nicht, dass beispielsweise ein Pflegebett 4000 Euro kos­tet. Von einem barrierefreien Hausumbau gar nicht zu sprechen. Da zählt jeder Cent und da ist es mir egal, welches Auto bei der Familie in der Garage steht. Das Einzige, was zählt, das ist das Wohl des Kindes“, hält der Bürserberger seinen Kritikern entgegen. Hinzu kommt, dass zuvor schon überprüft wird, ob die Familien Unterstützung benötigen. „Und Hilfe heißt bei uns eben auch ,Zeit schenken‘“, betont Joe. Er weiß: Not hat viele unterschiedliche Gesichter. Konkurrenzdenken ist ihm ebenso fremd. Darum werden Synergien genutzt und mit anderen Organisationen, wie etwa dem Verein „Geben für Leben“ von Susanne Marosch oder „Tischlein deck dich“ von Elmar Stüttler, zusammengearbeitet. Schließlich geht es um das Wohl der Menschen, denen das Glück eben nicht immer hold ist.

Kontakt

Obmann: Joe Fritsche

Telefon: 0699 11 666 862

Adresse: Tschapina 13

6707 Bürserberg

E-Mail: info@herz.or.at

Website: Auf www.herz.or.at finden Interessierte Informationen zu weiteren Projekten, Spendenmöglichkeiten oder Videos

Facebook: www.facebook.com/Stunde.des.Herzens

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