„Die meisten Wälder stehen zu dem, was sie angestellt haben“

Richterliches Pauschallob für geständige Straftäter aus dem Bregenzerwald. Einer von ihnen gab Tankbetrügereien unumwunden zu.

Seff Dünser

Das Lob des Richters galt natürlich nicht den Straftaten selbst, sondern nur dem Umgang der Straftäter damit. „Wie es sich für einen Wälder gehört“, habe der Angeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt, sagte Strafrichter Wilfried Marte bei der Hauptverhandlung am Landesgericht Feldkirch. „Die meisten Wälder stehen zu dem, was sie angestellt haben“, gab der Richter seine Erfahrungen mit Angeklagten aus dem Bregenzerwald wieder.

2385 Euro Gesamtschaden

Der angeklagte Bregenzerwälder hatte sich schuldig zum Vorwurf des gewerbsmäßigen Betrugs bekannt. Der 28-Jährige hatte zahlreiche Tankbetrügereien mit einem Gesamtschaden von 2385 Euro begangen. Dafür wurde der unbescholtene Angestellte zu einer teilbedingten Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt – 360 Tagessätze zu je fünf Euro. Davon beträgt der unbedingte Teil 900 Euro. Das Urteil wurde schon in der Verhandlung rechtskräftig. Denn der Angeklagte und Staatsanwalt Heinz Rusch waren damit einverstanden.

Für das Verbrechen des gewerbsmäßigen Betrugs mit einem Schaden von weniger als 3000 Euro sieht das Strafgesetzbuch einen Strafrahmen von sechs Monaten bis fünf Jahren Gefängnis vor. Der Richter machte von der Möglichkeit Gebrauch, anstelle einer Freiheitsstrafe eine Geldstrafe zu verhängen. Dabei entsprechen 360 Tagessätze der Mindeststrafe von sechs Haftmonaten. Dass gewerbsmäßig vorgegangen worden sei, „liegt auf der Hand“, meinte der Richter, weil in „so vielen Fällen“ betrogen worden sei.

Keinen guten Ruf

„Sie haben keinen guten Ruf im Wald“, sagte der Richter zum Angeklagten. Denn zwischen 1. November 2012 und 27. September 2013 hatte der Beschuldigte Betreiber von mehreren Tankstellen im Bregenzerwald betrogen. Er hatte in vielen Fällen mit einem Tankchip Treibstoff bezogen, ohne dafür zu bezahlen. Auch Reifen hatte er sich in Betrugsabsicht geben lassen.

Verteidigt wurde der Angeklagte von einem Bregenzerwälder Rechtsanwalt. Markus Fink aus Bezau sagte, sein Mandant habe die Tankbetrügereien „aus Geldnot begangen“. Er habe die Rechnungen nicht bezahlen können. Inzwischen sei aber teilweise bereits eine Wiedergutmachung vorgenommen worden.

Zur Schadengutmachung wies der Richter den Verurteilten darauf hin, dass irrtümlich ein falscher, namensgleicher Tankstellenbetreiber im Gerichtsakt als Privatbeteiligter geführt werde, also als anspruchsberechtigtes Opfer.

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