„Rettung“ für Freilandeier?

Sennhof-Chef Gebhard Flatz hofft, dass sich hinsichtlich Regelungen bald etwas tut.  klaus hartinger

Sennhof-Chef Gebhard Flatz hofft, dass sich hinsichtlich Regelungen bald etwas tut.
klaus hartinger

Nach über zwölf Wochen Stallpflicht können Freilandeier nur noch der unter Bezeichnung Bodenhaltung verkauft werden. Bereits sechs Vorarlberger Betriebe sind betroffen. Eine Ausnahmeregelung könnte aber bald Entspannung bringen.

Von Melanie Fetz

Anfang Jahr sahen die Besitzer heimischer Geflügelbetriebe die Stallpflicht für Hennen und Co. noch recht gelassen. Inzwischen hat sich die Stimmung aber beträchtlich geändert. Denn seit gestern dürfen bereits sechs Vorarlberger Betriebe ihre Eier nicht mehr als Freilandeier vermarkten. Und sollte die Stallpflicht am 4. April noch immer aufrecht sein, wären nach jetzigem Stand alle 17 gewerblichen Freilandbetriebe im Land von der Regelung betroffen.

„Das ist natürlich eine äußerst unglückliche Angelegenheit“, ärgert sich unter anderem Gebhard Flatz, Chef des Sennhofs in Rankweil, und fügt hinzu: „Die Rahmenbedingungen stimmen überhaupt nicht. Betriebe, die ein paar Kilometer rechts oder links von unserem Hof oder in der Schweiz angesiedelt sind, dürfen ihre Eier weiterhin als Freilandeier verkaufen. So etwas nenne ich Wettbewerbsverzerrung.“

Vorübergehend erlaubt. Die EU-Verordnung zum Thema Vermarktungsnormen erlaubt es den Produzenten, Eier selbst dann als Freilandeier zu verkaufen, wenn Tiere vorübergehend wegen sonstiger Vorschriften im Stall gehalten werden müssen. Allerdings nur zwölf Wochen lang. Danach müssen diese als Eier aus Bodenhaltung deklariert werden.

In Teilen Vorarlbergs war wegen des erhöhten Geflügelpest-Risikos bereits im November 2016 die Stallpflicht für Hausgeflügel verordnet worden. Zunächst in den Bodensee-Gemeinden, später auch ent­lang des Alpenrheins. Am 10. Jänner wurde die Stallpflicht schließlich österreichweit verhängt.

So mussten am 3. Februar die ersten beiden Vorarlberger Betriebe ihr Geschäft mit Freilandeiern vorübergehend einstellen. Gestern endete für weitere vier Produzenten die Zwölf-Wochen-Frist. Am 4. April wären Betriebe in ganz Österreich betroffen. „Und das auch noch genau in der Hauptsaison“, gibt Flatz zu bedenken. Denn in acht Wochen steht das Osterfest an. Seiner Meinung nach sollte sowieso dringend über neue Regelungen nachgedacht werden.

Klare Vorgaben gibt es jedenfalls, was die Kennzeichnung der Eier betrifft. Auch im Hinblick auf die aktuelle Situation. „Besonders der Karton muss deutlich gekennzeichnet werden“, erklärt Bernhard Zainer, Leiter der Amtlichen Lebensmittelkontrolle des Landes. Da die Anschaffung neuer Kartons gerade kleinere Betriebe wegen Mindestbestellmengen oder Lieferzeiten vor eine größere – mitunter auch finanzielle – Herausforderung stellt, haben die Zuständigen des Landes unlängst als Übergangslösung einen Aufkleber entworfen und drucken lassen. Dieser muss auf den Verpackungen so angebracht werden, dass für die Konsumenten sofort klar ersichtlich ist, dass es sich um Eier aus Bodenhaltung handelt. Wenn kein neuer Stempel zur Verfügung steht, werde kurzfristig seitens der Lebensmittelkontrolle auch toleriert, dass der auf die Eier gedruckte Produkt-Code weiterhin mit einer 1 für die Haltungsform Freiland beginnt, und nicht mit einer 2 für Bodenhaltung, sagt Zainer. „Der Kunde wird sicher verstehen, dass es sich hierbei um eine Sondersituation handelt.“ Auf dem Pickerl ist zudem neben einer kurzen Begründung auch die Internet-Adresse des Landes Vorarlberg zu finden, auf welcher sich Interessierte über die Hintergründe informieren können.

Schwierige Situation. „Momentan ist die Situation schwierig“, findet auch Landesveterinär Norbert Greber. Wichtig sei jedenfalls, dass sich der Kunde nicht betrogen fühlt.

Lage wird laufend beurteilt. Dass die österreichweite Stallpflicht aufgehoben wird, sei noch nicht absehbar, meint Greber. Die Zuständigen der Agentur für Gesundheit und ­Ernährungssicherheit (Ages) würden eine laufende Risikobewertung durchführen. „Die aktuelle Lage wird im Abstand von zwei Wochen von Fachleuten beurteilt“, erklärt er. Und wenn man sich hinsichtlich der Vogelgrippe die Europakarte anschaue, dann könne derzeit keine Entwarnung gegeben werden.

In Vorarlberg hat sich die Lage dagegen offenbar entspannt. Den letzten positiven Fall bei Wildvögeln gab es demnach am 27. November.

Gute Neuigkeiten könnte es möglicherweise bald aus Wien geben. Aktuell wird vom Minis­terrat eine Ausnahmeregelung geprüft. Nämlich ob Freilandbetriebe, die über einen abgesicherten Außenscharrraum verfügen, ihre Eier weiterhin als Eier aus Freilandhaltung vermarkten dürfen. Dieser Außenraum sollte allerdings etwa ein Drittel der Stallfläche umfassen. Kontrolliert werden müsste dies dann von den Tierärzten. Ein Erlass dazu könnte bereits in den nächsten Tagen kommen, meint Greber.

„Das wären natürlich äußerst erfreuliche Nachrichten“, sagt Sennhof-Chef Flatz. Denn in diesem Fall hätte sich das Freilandeier-Problem für ihn und weitere Besitzer von Geflügelbetrieben erledigt.

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