Interview mit dem Wettergott

Lieber Herr Wettergott. Die Nation ist in heller Aufruhr. Nächstes Wochenende sollten ja die Hahnenkammrennen in Kitzbühel auf dem Programm stehen. Allerdings fehlt’s an Schnee. Haben Sie sich im Kalender geirrt?

Wettergott: Geh bitte – ich doch nicht. Ich wollte einfach mal ein Zeichen setzen. Seht her, liebe Leute, mich gibt’s auch noch. Die Abwesenheit von Schnee im Jänner liefert sozusagen den Beweis meiner Existenz.

Wieso ausgerechnet jetzt. Gibt’s einen Anlass dafür?

Wettergott: Es hat mir einfach gereicht. Was die letzten Jahrzehnte in den Skigebieten abging, war so gar nicht in meinem Sinne. Seit Jahren erhöht sich der Mensch mit Hilfe der Technik über die Natur. Alle paar Meter steht das, was ihr eine Schneekanone nennt. Schneekanone! – schon der Begriff treibt mir das G’impfte außer. Als sei die Natur ein Feind, den man mit künstlichem Schnee bombardieren müsste. Und wozu das Ganze? Damit sich betrunkene Deutsche gegenseitig über den Haufen fahren können?

Das scheint doch etwas übertrieben. Immerhin ist der Wintertourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der Arbeitsplätze und Wertschöpfung schafft.

Wettergott: Jetzt redest schon wie der Peter Schröcksnadel! Ich kenn’ die Leier vom Tourismuswunder, das die armen Bergbauern aus ihrem Elend erlöste, nur zu gut! Rentabilitätsrechnungen auf Einnahmen/Ausgaben-Basis sind das Einmaleins der Kleingeister. Das geht doch nur so lange gut, so lange ich keine Rechnung für saubere Luft, frisches Grundwasser und Sonnenlicht stelle. Ich stelle euch alles gratis zur Verfügung und was macht ihr? Verpestet die Luft, verseucht die Böden und verschwendet das Wasser!

Obwohl Sie streiken, weiß sich der Mensch zu helfen. In Kitzbühel wird jetzt der Schnee einfach mit dem Helikopter angeflogen. Kann’s sein, dass Ihnen ein Schnippchen geschlagen wird?

Wettergott: Von wegen – da kann ich ja nur lachen! Ich habe nur einen ausgeprägten Sinn für Ironie. Unter uns: Die Rennen werden letztendlich nicht wegen zu wenig, sondern wegen zu viel Schnee abgesagt. Ab morgen lass ich’s nämlich schneien, dass es nur so kracht.

Aber wieso wird ausgerechnet an uns Österreichern ein Exempel gesetzt? In den USA hat’s beispielsweise Schnee ohne Ende. Und die Amis sind die größten Klimasünder …

Wettergott (seufzt): Auf die Lernfähigkeit der Amis zu setzen, ist vergebliche Liebesmüh. Egal ob Evolutionstheorie oder Klimawandel – sie leugnen Fakten bis zum bitteren Ende. Sanfter Wandel gibt’s da keinen. Erst fah­ren sie den Wagen gegen die Wand und anschließend erfinden sie sich einfach neu. Aber ihr Europäer bildet euch ja so viel auf euren Scharfsinn ein! Schmückt ­euch mit Begriffen wie Klimaschutz, Energiewende und biologischer Landwirtschaft und macht dann doch weiter wie gehabt. Ich hab’ die Nase einfach gestrichen voll. Auf den „Sommer“ (malt Gänsefüßchen in die Luft) dürft ihr euch schon freuen!

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