PORTRÄT DES TAGES

Emir mit Geld und ohne Skrupel

Tamim bin Hamad Al Thani (34) kauft sich seine Welt, wie sie im gefällt.

Mein Palast, meine Kamele, meine WM. Der, der das von sich sagen kann, ist gerade einmal 34 Jahre alt. Tamim bin Hamad Al Thani ist der Emir von Katar und gilt als einer der einflussreichsten Herrscher im Nahen Osten. Seine Familie ist an Volkswagen, Credit Suisse, Siemens, Louis Vuitton und Tiffany beteiligt. Dem familieneigenen Sovereign Wealth Fund gehört das Londoner Kaufhaus Harrods und der Fußballklub Paris Saint-Germain. Und weil der Öl- und Gasreichtum unter dem Land am Persischen Golf so unermesslich ist, fließen täglich 80 bis 100 Millionen Dollar in die Schatulle des Emirs.

Doch hinter der Glitzerfassade steckt ein diffuses Bild von Politik. Schon sein Vater war ein Meister der Widersprüche. Er gründete (und besitzt) den Nachrichtensender Al Jazeera, der unabhängiges arabisches Fernsehen sein will, den nahöstlichen Regenten Demokratie predigt und den Arabischen Frühling unterstützt. Selbst unterdrückt er jegliche Demokratieversuche und wird wegen der katastrophalen sozialen Verhältnisse kritisiert.

Diese Politik des Jonglierens wurde nach dem Wechsel 2013 nahtlos fortgeschrieben. Der 34-Jährige stammt aus dem frommen Flügel der Familie, steht den Muslimbrüdern nah. Im Kontrast zu den greisen Saudis oder dem alkoholkranken Emir von Kuwait wirkt er aber frisch, pragmatisch und aufgeschlossen.

250.000 Untertanen hat der Scheich, dazu 1,8 Millionen Gastarbeiter, die das Emirat auf Hochglanz trimmen für die Rad-WM 2016, Turn-WM 2018, Leichtathletik-WM 2019 und Fußball-WM 2022. Die Handball-WM hat der Gastgeber am Sonntag hinter sich. Für deren Glanz hat er nicht nur Spieler und Fans eingekauft, sondern auch 600 Journalisten mit üppigen Reisezuschüssen. Sogar die Statuten des Verbandes hat er ändern lassen, damit Deutschland ohne Qualifikation spielen kann und die Medien im Handballmutterland nicht desinteressiert abschalten. Ganz aufgegangen ist die Rechnung nicht. Vielleicht reicht es zum Titel für den Handball-Zwerg – doch die düstere Seite seines Emirats und sein eigenwilliges Politikverständnis zu verbergen, dafür reicht es nicht. INGO HASEWEND

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