Der vielgereiste Körper-Künstler

Aaron Stöckl tätowiert seit über 18 Jahren. Die Begeisterung dafür lässt nicht nach. Dietmapr Stiplovsek (2), Privat (5)

Aaron Stöckl tätowiert seit über 18 Jahren. Die Begeisterung dafür lässt nicht nach. Dietmapr Stiplovsek (2), Privat (5)

Viele Menschen halten mit Tätowierungen Erinnerungen fest. Manche sammeln die Körperbilder wie andere Kunstwerke. Globetrotter Aaron Stöckl (42) aus Altach hat schon so manchen zu besonderem Körperschmuck verholfen.

Von Susanne Geißler

In guten Händen sein. Das möchte der Mensch wahrscheinlich immer. Doch in manchen Situationen wird einem der Wunsch danach bewusster als in anderen. Ganz sicher beim Tätowierer. Denn was der tut, geht buchstäblich unter die Haut. Und dort bleibt es dann auch für den Rest des Lebens. Das ist Aaron Stöckl bewusst. Denn wenn sich eines über den 42-jährigen Altacher sagen lässt, dann folgendes: er reagiert äußerst feinfühlig auf seine Umwelt. Wer sich also in seine Obhut begibt, kann sich sicher sein, dass er sich genau so verhalten wird, wie es gebraucht wird. Wenn es gewünscht wird, lässt sich der 42-Jährige vollkommen auf sein Gegenüber ein. Hört sich an, wer was genau möchte. Hinterfragt, macht selbst Vorschläge. Ist nie aufdringlich, versucht aber genau zu verstehen, wie das Gegenüber tickt.

Echt ist wichtig. Die Tattoos, die dann entstehen, sind oft etwas ganz Besonderes. Denn eine weitere seiner Stärken ist es, sich auf eine Situation einzustellen. Und dann das Beste daraus zu machen. Nicht nur beim Tätowieren, sondern in jeglicher Lebenslage. Wer in Aarons Studio kommt, wird darum gebeten, sein Portfolio anzusehen. Um zu verstehen, wer er ist. Ihm ist nichts so wichtig wie Authentizität. „Ich merke zum Beispiel, wenn jemand auf einem Foto künstlich lächelt“, sagt er. Das mag er gar nicht. Alles, was er tut, soll echt sein. Das möchte er auch für seine Kunden. „Es soll wirklich für denjenigen passen. Dann kann ein Tattoo ein wunderschöner Teil von einem selbst werden.“

Aber nicht jeder ist ein Mensch großer Worte. Auch das ist für Aaron okay. Wenn ein Kunde zufrieden ist und der Tätowierer selbst tiefe Freude empfindet, bei dem was er tut, kommt etwas Gutes dabei heraus. Davon ist er überzeugt. Das haben ihn Ereignisse in seinem Leben gelehrt.

Tischler. Eigentlich hätte der Altacher die Tischlerei seines Vaters übernehmen können. Er hatte eine Lehre in der Branche abgeschlossen. Bis er 25 war, arbeitete Aaron im elterlichen Betrieb. Sein Vater merkte aber, dass der Sohn nicht mit Leidenschaft bei der Sache war. „Er war überzeugt, dass man nur dann erfolgreich sein kann, wenn man begeistert ist“, sagt Aaron. Also begann er, sich nach etwas anderem umzuschauen. „Jemand riet mir, eine Liste zu erstellen.“ Er konnte sich zunächst nicht dazu aufraffen. Aber irgendwann setzte sich der heute 42-Jährige hin und schrieb auf, was er mochte und was er gut konnte. Und was weniger. Es funktionierte. Das Auflisten half ihm dabei, seine Gedanken und Gefühle zu konkretisieren. „Ich habe mich eingehend mit mir selbst auseinandergesetzt. Und irgendwann war es glasklar: ich wollte Tätowierer werden.“ Also lernte der junge Mann zwei Jahre in einem Tattoo-Studio in Götzis und legte die Gewerbeprüfung ab. Dann arbeitete er ein Jahr in einem Studio in Bürs.

Eigenes Modelabel. „Zu der Zeit fragte mich ein guter Freund, ob ich mit ihm auf Weltreise gehen würde.“ Eine langjährige Beziehung war gerade in die Brüche gegangen, also zögerte Aaron nicht lange und sagte zu. Der Freund, Bernhard Leiner, und er wollten zunächst ein halbes Jahr auf Bali bleiben. Surfen, leben, Party machen. Aus dem halben Jahr wurden schlussendlich elf Jahre. Denn Leiner und er lernten Leute kennen, die in der Textilbranche arbeiteten. Und beinahe aus einer Laune heraus beschlossen sie, auch einzusteigen. „Wir haben tatsächlich ein eigenes Modelabel gegründet. Ombak nannten wir es, vom indonesischen Wort für Welle. Wir dachten uns zunächst, wir fertigen Klamotten zum mit nach Hause nehmen“, sagt Aaron und grinst.

Das Duo entwarf Hosen, Windjacken, Shirts aller Art. Alles, was ihnen in den Sinn kam. Ohne Vorkenntnisse (außer vielleicht, dass Bernhard Grafiker war und Aaron immer schon sehr kreativ war und sich beim Tätowieren ein gutes Gefühl für Körper und Formen angeeignet hatte) und ohne Hemmungen. Es war reines Learning by doing. Mit der Zeit nahm das Unterfangen immer professionellere Ausmaße an. Die Neo-Unternehmer erstellten einen eigenen Katalog und eine Website. „Wir klapperten Österreich, Deutschland und die Schweiz ab, um unsere Kollektion vorzustellen. Und bauten so ein Verkaufsnetzwerk auf.“ Vier Jahre lang führten die beiden ihre eigene Firma. Verbrachten die meiste Zeit auf Bali. Nur für zwei bis drei Monate kam Aaron jedes Jahr nach Österreich­ zurück. Auch, um weiterhin zu tätowieren. „Weil sich Leute bei mir meldeten, die extra warteten bis ich wieder im Land war“, erzählt er. Und weil er den Kontakt zu seinen Tätowier-Kunden nicht verlieren wollte.

Skateboarden. Später spezialisierten sich die Globetrotter darauf, die Eigenmarke für Skate- und Snowboard-Modegeschäfte zu produzieren. „Tobias Bechtold, von Sajas in Feldkirch, ist ein Jugendfreund von mir“, erzählt Aaron. Mit ihm fuhr er schon Ende der 1980er-Jahre Skateboard. Mit 16 war Aaron sogar Vorarlberger Landesmeis­ter. „Damals gab es noch gar keine Skateparks. Wir haben in einer Zeitschrift, die irgendjemand aus Amerika mitgebracht hatte, gesehen, dass man Skateboarden auch als wirklichen Sport betreiben kann. Also machten wir es nach und bauten alle unsere Rampen selber“, sagt der Kerl, der schon immer offen für Neues war und wenn es ihm richtig erscheint, spontan drauflos marschiert.

Aaron und Bernhard gründeten eine neue Firma. Nannten sie „Different Garments“ und produzierten von da an Kleider, Shirts und Hoodies. Ein voller Erfolg. Ihre Kollektion war unter anderem auch bei „Blue Tomato“ und „Moreboards“ zu finden.

Nach Vorarlberg zurück. Vor drei Jahren kehrte Aaron nach Vorarlberg zurück. Das hatte mehrere Gründe. „Zunächst einmal, weil der Kontakt zur eigenen Familie wieder wichtiger wurde. Außerdem war er Vater geworden und wollte, dass sein Sohn eine enge Beziehung zu seiner Verwandtschaft aufbauen konnte. „Und das geht nur, wenn man viel Zeit miteinander verbringt.“ Außerdem hatte sich Bali auf eine Weise verändert, die Aaron nicht gefiel. „Es ist schön, dass wir es noch als relativ unberührte Insel kennengelernt haben. Damals war dort vieles möglich. Heute ist das ganz anders. Die Natur hat unglaublich gelitten.“

Viele fragen ihn, ob er Bali nicht vermisst. Dann sagt er: „Es war schön und ich bin glücklich, dass ich es noch anders erleben durfte. Aber jetzt ist es richtig, wieder hier zu sein.“ Mit dem Tattoo-Kollegen Jogi teilt er sich nun ein Studio in Bludenz. Und kreiert Tattoos – aus voller Überzeugung und Freude.

<p class="caption">Das Shirt, das Aaron trägt, hat er für seine Firma „Different Garments“ selbst kreiert.</p>

Das Shirt, das Aaron trägt, hat er für seine Firma „Different Garments“ selbst kreiert.

<p class="caption">Beispiele für Aarons Tattoo-Kunst.</p>

Beispiele für Aarons Tattoo-Kunst.

<p class="caption">Aaron Stöckl (v.l.) und Bernhard Leiner (v.r.) präsentieren mit zwei Freunden ihre Firma „Different Garments“.</p>

Aaron Stöckl (v.l.) und Bernhard Leiner (v.r.) präsentieren mit zwei Freunden ihre Firma „Different Garments“.

<p class="caption">Aaron auf Bali beim Surfen. „Das taten wir manchmal drei bis vier Stunde pro Tag.“</p>

Aaron auf Bali beim Surfen. „Das taten wir manchmal drei bis vier Stunde pro Tag.“

„Ein Tattoo kann ein wunderschöner Teil von einem selbst werden.“

Aaron Stöckl, Tätowierer

Aaron Tattoo

Aaron Stöckl

Standort: Gartenstr. 2,

6700 Bludenz

Kontakt: 0650/7419395

aaron@aaron-tattoo.at und unter Aaron Tattoo auf facebook.

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