Ich weiß was, was du nicht weißt

Bereits fünf Millionen Menschen matchen sich weltweit im „Quizduell“ – Tendenz stark steigend. Was hinter dem Boom steckt und warum Wissen so „in“ ist.

MARKUS ZOTTLER

Bandy ist der Vorläufer des heutigen Eishockeys und kommt ursprünglich aus Großbritannien, Strontium hat im Periodensystem die Ordnungszahl 38, befindet sich in der zweiten Hauptgruppe und gehört damit zu den Erdalkalimetallen. Freilich nicht zu Edelgasen oder Halogenen, wie manch ­Unwissender vielleicht getippt hat.

Quizzduell regt auf, freut, macht wütend – seit vergangenem Juni, als das Spiel gelauncht wurde. Im deutschsprachigen Raum erst so richtig seit zwei, drei Wochen und einer Explosion an Spielerzahlen.

25.000 Fragen

In Österreich, Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden führt das Spiel die Download-Listen an, weltweit wird das Spiel der schwedischen Entwickler (Feo Media) mittlerweile von mehr als fünf Millionen Menschen gespielt. Egal ob auf Smartphone oder Tablet, das Prinzip ist einfach. Pro Runde werden aus einer von gesamt 20 Kategorien drei Fragen gestellt.

Auf sechs Runden matchen sich zwei Spieler – am Ende gewinnt derjenige, der mehr richtige Antworten sammeln konnte. Gespielt wird gegen Facebook-Freunde (Facebook-Connect), Freunde (einfache Hinzufügen-Funktion) oder beliebige Spieler.

25.000 unterschiedliche Fragestellungen sind gelistet, pro Tag kommen ein paar Hundert dazu – viele von den Nutzern. Das gemeinsame Arbeiten ist neben dem Netzwerk-Charakter und der Anbindung an Mitteilungsplattformen wie Facebook und Twitter die größte Stärke des Spiels. Die Nutzer werden an Quizduell gebunden, zudem haben die Fragen nicht nur lexikalen Charakter, sondern handeln oft von aktuellem Zeitgeschehen.

Waren Quiz-Spiele mit Schwerpunkt Allgemeinbildung bisher prinzipiell ein „Phänomen, das eine bürgerliche Jugend anzog“ (Jugendkulturforscher Philipp Ikrath), schaffen es Spiele wie Quizduell – oder dessen legitimer Facebook-Vorgänger Geo-Challenge – durch geschickte Themenstreuung zu einem breiteren Zielpublikum. Nischenwissen macht sich plötzlich bezahlt, Kategorien wie „TV-Serien“ oder „Computerspiele“ werden stark gewichtet – gepunktet wird unabhängig von Bildungsniveau oder Milieu.

40- bis 50-Jährige

Gespielt wird grundsätzlich von Jüngeren, „aber nicht nur“, wie Ikrath erklärt. Eine anvisierte Zielgruppe solcher Wissensspiele ist im Moment auch jene der 40- bis 50-Jährigen. Zum einen ist sie die am stärksten wachsende Gruppe in sozialen Netzwerken, zum anderen werden ihre Mitglieder mit Spielprinzipien konfrontiert, die sie bereits aus TV-Shows oder Radio-Sendungen kennen.

Wie lange der Quizduell-Boom anhält? Jungendkulturforscher Philipp Ikrath: „Noch ein paar Monate. Dann kann man sich schon wieder anders als besonders schlauer Mensch darstellen.“

„Gespielt wird grundsätzlich von Jüngeren, aber nicht nur.“ Jugendkulturforscher Philipp Ikrath.

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