„Die EU macht einfach zu wenig“

Steueroasen müssen teuer und gefährlich werden, so Experte Gabriel Zucman.

WIEN. Noch sind die Würfel nicht gefallen, ob in Österreich Vermögen künftig stärker besteuert wird, und so lange dürfen noch Finger in Wunden gelegt werden. Die Arbeiterkammer hat sich darauf spezialisiert und jetzt dazu einen jungen Kapazunder von der London School of Economics nach Wien geladen: Gabriel Zucman, ein Franzose, der mit seinem Buch „Steueroasen“ 2014 ein profundes Bild zeichnet, warum Steueroasen noch immer blühen. Die durch das Bankgeheimnis ermöglichte Steuerhinterziehung kostete 2013 die Staaten weltweit 130 Milliarden Euro. Das ist ungefähr so viel wie die 120 Milliarden Dollar, die sich US-Unternehmen derzeit ganz legal pro Jahr sparen, wenn sie ihre Firmensitze steuerschonend über den Globus verteilen.

„Ich bin sehr enttäuscht über Lux-Leaks, die EU macht einfach zu wenig“, so Zucman. „Eine zentrale Frage ist, wie lange wir brauchen, um etwas gegen die Steuerflucht zu erreichen.“ Konkrete Ansätze gebe es genug. Der wichtigste: „Es muss teuer und gefährlich werden, Geld in Steueroasen zu verschieben.“ Die Politik müsse endlich ihre Wissenslücken über Geldströme schließen. Wenn es über alle Steuerbunker so viele Zahlen gäbe wie in der Schweiz, wäre schon einiges erreicht. Automatischer Finanzdatenabtausch sei ein Gebot der Stunde. Jenen Ländern, die normale Steuersysteme anderer Staaten unterminierten, müsste das Leben schwerer gemacht werden. CLAUDIA HAASE

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