Kapfenberg: Investition ist alternativlos

Offiziell entscheidet die Voestalpine über das modernste Edelstahlwerk der Welt erst im September. De facto wird hier investiert.

Von Claudia Haase

Es geht nicht nur um viel Geld, immerhin um eine Investition von bis zu 300 Millionen Euro, es geht vor allem um Zukunftstechnologien in der Edelstahlerzeugung, die in den nächsten Jahrzehnten weltweit Maßstäbe setzen sollen. Diese neue Fabrik wird nicht irgendwo, sondern definitiv in Kapfenberg stehen. Das bestätigte der Voestalpine-Konzernvorstand mehr oder weniger direkt am Donnerstag bei der Bilanzpräsentation in Wien.

Noch sind finale Entscheidungen über zentrale Anlageteile des Werkes zu treffen, die Planungen sind aber bereits so im Detail aufbereitet, dass im September grünes Licht gegeben wird. „Das ist eine sehr komplexe Anlage, wir müssen die nächsten 50 Jahre antizipieren. Da ist es eine große Herausforderung, die technischen Weichen richtig zu stellen“, erklärt Franz Rotter seine letzte Zurückhaltung vor dem Ja im Spätsommer. Dann habe die Entscheidung „Hand und Fuß“. Man wolle halt keine Ankündigungspolitik betreiben, sondern nehme das sehr ernst. Den Plan B habe er bewusst nicht.

Der Anspruch der Voestalpine ist hoch: Über das extrem anspruchsvolle Zusammenspiel von Hightech-Metallurgie und neuesten digitalen Fertigungsprozessen will sich der Konzern die langfristige Kostenführerschaft bei neuen Edelstählen und Anwendungen sichern. Einmal mehr lobte Rotter die gute Zusammenarbeit mit dem Land. Vom Bund, egal wer künftig regiere, erwarte er sich nun schnell, dass die im Grunde beschlossene Erhöhung der Forschungsprämie komme.

Kapfenberg ist aber nicht der erste steirische „Industrie 4.0“-Standort der Voestalpine mit komplett digital gesteuerter Fertigung. Das neue Drahtwalzwerk in Donawitz geht demnächst nach einer kurzen Sommerpause in den Vollbetrieb.

Wirtschaftlich läuft es derzeit für die meisten Voestalpine-Divisionen rund. Gegenwind gab es im abgelaufenen Geschäftsjahr (Ende März) wegen des schwachen Öl- und Gasgeschäfts für die Nahtlosrohrfertigung in Kindberg. In den USA war das Geschäft mit Schienen und Weichen schlechter.

In Summe geriet der Jahresstart 2017 so gut, dass Voestalpine-Boss Wolfgang Eder vom „Gipfelpunkt“ für das Geschäftsjahr 2016/17 schwärmt. Die sehr gute Entwicklung setze sich mindestens bis zum Herbst fort. „Das erste Halbjahr ist in trockenen Tüchern“, so Eder. Der Umsatz von zuletzt 11,295 Milliarden Euro dürfte also übertroffen werden. Beim Ergebnis könnte die „optische“ Kerbe von 2016/17 ausgewetzt werden, sank doch das Betriebsergebnis um 7,4 Prozent auf 823 Millionen Euro. Bereinigt um Sondereffekte war die Entwicklung aber auch hier mit plus 3,1 Prozent auf 840 Millionen positiv, so Finanzchef Robert Ottel.

Drohende Importzölle und Einfuhrhürden in die USA sollten Eder zufolge keine gravierenden Auswirkungen haben. Rund 400 Millionen von insgesamt 950 Millionen Euro USA-Umsatz könnten betroffen sein. „Wir haben eine Taskforce eingerichtet“, sagt Eder, „der Schriftwechsel mit den US-Behörden ist intensiv.“ Spätestens im Juli sollte klar sein, ob man beim Vormaterial Alternativen brauche. Neue US-Investitionen seien derzeit ohnedies kein Thema.

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