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Fortsetzung der 2. Liga im Sinne des Sports

20.05.2020 • 15:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Alexander Ranacher und Aaroon Kircher werden in dieser Saison weiter im Einsatz stehen.<br>Gepa/Lerch
Alexander Ranacher und Aaroon Kircher werden in dieser Saison weiter im Einsatz stehen.
Gepa/Lerch

2. Liga nimmt überraschend Spielbetrieb wieder auf. Start: 5. Juni.

Vor zwei Wochen schien es noch unvorstellbar, doch seit gestern steht fest: Die 2. Liga wird die Saison 2019/20 nicht vorzeitig abbrechen und absolviert die elf ausständigen Runden zwischen 5. Juni und 31. Juli. Damit wird es aller Voraussicht nach einen Aufsteiger aus der 2. Liga ebenso geben wie einen Absteiger aus der Bundesliga.
Die Entscheidung der Zweitligavereine fiel bei der gestrigen Klubkonferenz mit 15:1 fast einstimmig aus. Die einzige Ablehnung kam vom SV Lafnitz, zuletzt zeigten sich die Klubs noch deutlich unentschlossener bezüglich Fortführung. Vor allem aus finanzieller Sicht standen zahlreiche Vereine einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs negativ gegenüber. Auch die beiden Vorarlberger Vertreter Austria Lustenau und der FC Mohren Dornbirn änderten erst in den vergangenen Tagen ihre Meinung. Vor allem Tabellenführer SV Ried hatte sich ins Zeug gelegt, um die Konkurrenten zur Fortsetzung zu motivieren. Die Innviertler können damit weiter auf den Bundesliga-Aufstieg hoffen. Absteiger in die Regionalligen wird es jedoch keine geben, da die Saison in der dritthöchsten Spielklasse abgebrochen und nicht gewertet wurde.

Dornbirn-Geschäftsführer Andreas Genser<br>Gepa
Dornbirn-Geschäftsführer Andreas Genser
Gepa

Partner beteiligen sich

„Ausschlaggebend war, dass es finanziell für uns leistbar ist“, begründete Dornbirn-Geschäftsführer Andreas Genser den Sinneswandel. Die Kosten für die Tests konnten deutlich reduziert werden, da jeweils fünf Abstriche zu einem Pool zusammengefasst werden. Nur bei einem positiven Fall müssen die Spieler einzeln getestet werden. Zudem kündigte der Fernsehpartner Laola1 an, die Klubs bei den PCR-Tests finanziell zu unterstützen. Auch die Bundesliga beteiligt sich an den anfallenden Kosten für die Einhaltung der Hygieneregeln. So wird laut Liga-Vorstand Christian Ebenbauer der Infrastrukturfonds, der eigentlich für Projekte wie Rasenheizungen geplant war, für die Klubs der 2. Liga verwendet. „Da handelt es sich mit Sicherheit um zumindest 400.000 Euro“, gab Ebenbauer Einblick. Reichen würde das aber für die Klubs keinesfalls. „Das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, fügte der Liga-Boss hinzu.
Deshalb hofft die Liga da auch wie in der höchsten Spielklasse auf Unterstützung von der Politik. „Wir haben versucht, mit Umschichtungen zumindest die größten Schmerzen zu lindern, aber langfristig benötigen wir sicher Unterstützung, genauso wie jedes andere Wirtschaftsunternehmen auch“, so Ebenbauer.
Seinen Teil zum Gelingen könnte auch der ORF beitragen. Eine verstärkte mediale Berichterstattung mit Liveübertragungen auf ORF 1 sind derzeit Teil von Verhandlungen. Damit könnten die Klubs ihre Verpflichtungen gegenüber den Sponsoren erfüllen, obwohl kein Publikum im Stadion ist. „Wir werden kein Plus erwirtschaften, aber es sollte sich ausgehen“, erklärte Genser.

Auch Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer war über die Entscheidung überrascht.<br>Gepa
Auch Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer war über die Entscheidung überrascht.
Gepa

Auch Amateure dafür

Die Dornbirner Verantwortlichen hielten gestern Rücksprache mit dem Trainerteam und den Spielern, die meisten sind keine Vollprofis und arbeiten zumindest Teilzeit in einem anderen Beruf. Dennoch sprach sich die Mannschaft klar für eine Fortsetzung der Meisterschaft aus. Genser kündigte außerdem an, dass Spieler, die aufgrund ihres Jobs Bedenken hegen, vor jeder Partie frei entscheiden können, ob sie antreten werden.
Am Mittwoch werden die Rothosen zum ersten Mal auf Corona getestet, anschließend beginnt das Team von Trainer Markus Mader mit dem regulären Mannschaftstraining. Den Zweitligisten ist mit Ausnahme von Cupfinalist Austria Lustenau auch das Kleingruppentraining erst seit dem vergangenen Freitag erlaubt. Viele sind bisher noch gar nicht auf dem Trainingsplatz gestanden. Die Vorbereitung ist dementsprechend extrem kurz. „Unter den gegebenen Umständen, wenn man ein sportliches Ergebnis erreichen will, geht es nur so. Es ist die einzige Möglichkeit“, betonte Ebenbauer. Jeder Klub hat die Möglichkeit, ein Testspiel vor Saisonstart zu absolvieren.

Hoffen auf Fans

Im Bereich der Kultur präsentierte Vizekanzler Werner Kogler zuletzt Lockerungen und kündigte an, dass ab 29. Mai Veranstaltungen mit bis zu 100 Zuschauern, ab 1. Juli bis 250 Zuschauer und ab 1. August unter Auflagen sogar bis 1000 Personen erlaubt sein werden. Im Sport gibt es diese Ankündigung noch nicht. Dennoch bereiten sich die Vereine auf eine begrenzte Zuschaueranzahl vor. In Dornbirn erarbeiten die Verantwortlichen derzeit ein Konzept, wie auf der Birkenwiese mit entsprechendem Abstand und unter Auflagen 1000 Fans zugelassen werden könnten.