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Wo spielt die Austria 2022?

06.11.2021 • 23:05 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Von 1997 bis 2000 wurde im Reichshofstadion Bundesliga gespielt. Seitdem hat sich im Stadion wenig verändert.<span style="color: rgba(111, 111, 111, var(--text-opacity)); font-size: 0.75rem; text-transform: uppercase;">Klaus Hartinger</span>
Von 1997 bis 2000 wurde im Reichshofstadion Bundesliga gespielt. Seitdem hat sich im Stadion wenig verändert.Klaus Hartinger

Nach dem Herbstmeistertitel folgt der Kampf um die Lizenz.

Seit Freitag steht fest – der Herbstmeistertitel der 2. Liga geht an Austria Lusten­au. Ein Titel ohne sportlichen Wert, für den Aufstieg braucht es eine ähnliche Auszeichnung in der wärmeren Jahreszeit. Doch der sportliche Erfolg der Grün-Weißen erhöht den Druck – nicht auf die Spieler, sondern auf das Umfeld. Was passiert, wenn der Elf von Trainer Markus Mader der Aufstiegscoup gelingt? Wo würde der Aufsteiger seine Bundesligaheimspiele bestreiten?
Fragen, auf die es zwar noch keine finalen Antworten gibt. Eines ist jedoch klar, die Grundlage für zukünftigen Profifußball in der Stickergemeinde ist ein Neubau des Reichshofstadions. Dazu müssen in den kommenden Monaten bis zur anstehenden Lizenzierung folgende Punkte abgearbeitet werden: Die Abstandsnachsicht eines Nachbarn, die den nächsten Schritt lange verhindert hatte, sollte kein Problem mehr darstellen, anschließend muss Bürgermeister Kurt Fischer das Projekt in der Gemeinde durchbringen.

Der Fahrplan zur Lizenz

Sollte diese Abstimmung pro Stadion ausfallen, kann die Baueingabe erfolgen. Mit Einsprüchen von Nachbarn ist angesichts der Historie rund um die Schützengartenstraße zu rechnen. Jedoch gibt es mit jener Nachbarin, mit der man sich in der Vergangenheit sogar vor Gericht getroffen hat, inzwischen eine sehr gute und offene Gesprächsbasis. Für die Anrainer sollte sich mit dem neuen Stadion ohnehin einiges zum Besseren verändern. Modernes Flutlicht erhellt nur den Platz und nicht die Umgebung, dazu würde eine geschlossene Tribüne Lärmemissonen im Stadion halten und nicht die Nachbarschaft beschallen.
Außerdem braucht es die endgültige Finanzierungszusage des Landes Vorarlberg, eine Absichtserklärung soll bereits vorliegen. Wie teuer das Projekt schließlich wird, ist Teil der Planung – die Bau- und Rohstoff-Kosten sind in den vergangenen Monaten empfindlich gestiegen. Sicher ist, dass sich die Austria nicht an den Baukosten beteiligen wird. „Es soll ein Gemeindestadion werden“, wie Bürgermeister Fischer betont. Allerdings würde die Austria nach der Fertigstellung eine „angemessene Pacht“ bezahlen – deutlich mehr als es aktuell der Fall ist – und so ihren Beitrag leisten. Ein neues „Architekten“-Stadion könnte auch aus Vermarktungssicht interessant für die Gemeinde werden.
Bis zum Lizenzantrag bei der Bundesliga Ende Februar braucht es mindestens die verbindliche Finanzierungszusage und einen nachvollziehbaren, realistischen Zeitplan, das hat die Erfahrung aus dem Frühjahr gezeigt. Es ist die einzige Chance für die Erteilung einer Bundesliga-Lizenz. Über ein Szenario, in dem diese Vorgaben nicht erfüllt werden, will derzeit keiner sprechen. Aber dann würde weder im Verein noch in der Gemeinde ein Stein auf dem anderen bleiben.

Ein Dach für die Süd

Doch vom GAU zurück zu einem positiveren Szenario. Sollte der Aufstieg gelingen, würde die Austria weiterhin im Reichshofstadion spielen. Ein unmittelbarer Umzug ist derzeit keine Option. Um das „Flickwerk“ zumindest übergangsmäßig bundesligatauglich zu bekommen, braucht es einiges an Effort. Die Südtribüne müsste unverzüglich überdacht und in einen Heim- sowie Auswärtssektor geteilt werden. 3000 Sitzplätze sind laut Bundesliga-Bestimmungen nötig, mindestens 2000 davon überdacht. Dem Reichshofstadion fehlt außerdem ein elektronisches Eintrittssystem, ein Kameraturm und die Infrastruktur für den Video Assistant Referee. Dazu bräuchte es in den Kabinen Verbesserungen – alles Aufgaben, die aufwendig sind, aber in der kurzfristigen Umsetzung nicht utopisch, sollte ein Bundesligaaufstieg vor der Tür stehen. Parallel müsste die Planung für das neue Stadion auf Hochtouren laufen. Erst dann würde sich abzeichnen, wie lange die Austria ihre Heimspiele auf einer Baustelle austragen könnte und wann sie in ein anderes Stadion (mutmaßlich nach Altach, doch selbst Innsbruck wäre innerhalb des erlaubten 150-Kilometer-Radius) ausweichen müsste. Anfragen diesbezüglich hat es ob der vielen Variablen nicht gegeben. Ein Bau in Etappen, wie zeitweise diskutiert, scheint jedoch vom Tisch. Das Projekt mit U-Tribünenform inklusiver hoher Flutlichmasten eignet sich nicht dafür.
Sollte das Stadion in ein paar Jahren fertiggestellt werden, soll es mehr sein als eine Sportstätte, sondern ein „attraktiver Ort“, wie Fischer betont. Und Lustenaus Tor zum Rhein – spätestens wenn Rhesi das Rheinvorland in ein Naherholungsgebiet verwandelt. Doch das ist wieder eine ganz andere Geschichte.