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„Davon würden alle profitieren“

26.03.2022 • 21:51 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Daniel Zadra im Interview<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Daniel Zadra im InterviewKlaus Hartinger

Verkehrslandesrat ­Zadra über S 18, Radverbindungen und Bregenz-Pläne.

Sie haben kürzlich mit Verkehrsministerin Leonore Gewessler gesprochen, die Alternativen zur S 18 prüfen lässt. Wie wahrscheinlich ist es, dass die Straße noch gebaut wird, wenn man schon so einen Aufwand betreibt?

Daniel Zadra: Wir haben sehr viele Themen besprochen – von Öffitickets über die Gasbevorratung bis hin zum Ausbau der Radinfrastruktur – die S 18 haben wir mit einem Satz gestreift. Leonore Gewessler setzt den Auftrag des Nationalrates um, das Projekt im Sinne des Klimaschutzes zu evaluieren. Ich kann da die Aufregung nicht ganz nachvollziehen. Die Diskussion um die Straße ist schon 20 Jahre älter als ich. Man kann den Ansatz vertreten, dass man Straßen laufend der erwarteten Verkehrszunahme anpasst, man kann sich aber auch fragen: Wie soll die Mobilität der Zukunft aussehen? Wohin wollen wir? Wir als Grüne treten für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und der Radwege, aber auch für Lückenschlüsse bei Straßenverbindungen ein. Wir sind aber gegen neue große Straßenachsen, die aus der Zeit gefallen sind.

Ist die S 18 nicht auch ein Lückenschluss und eine Straße, die man eigentlich schon seit Jahrzehnten brauchen würde?
Zadra:
Die Grünen haben ihre Position hier weiterentwickelt: Wir sagen, es braucht eine Verbindung zwischen der A 14 und der Schweizer Autobahn. Wir glauben aber, dass man diese nicht in der Dimension einer zweiten Brennerautobahn planen sollte, die zusätzlichen Verkehr anzieht.

Aus Sicht der Grünen wird also am Ende des Evaluierungsprozesses irgendeine Form von Verbindung dieser zwei Autobahnen stehen?
Zadra:
Das kann ich nicht vorwegnehmen, das wird am Ende des Tages der Evaluierungsprozess ergeben. Nun sind die Experten und Expertinnen am Zug und nicht die Politik mit Zurufen. Mein Zugang zur Politik ist ein kooperativer. Ich arbeite mit dem Bund sehr gut zusammen. Wir bekommen durch das Klimaticket für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs jährlich acht Millionen Euro zusätzlich ins Land. Im Radwegebereich erhalten wir 62 Millionen Euro. Das sind wichtige Gelder, die ins Land kommen, weil wir mit dem Bund gut zusammenarbeiten. Das muss man sehen, auch wenn es in anderen Bereichen vielleicht einmal Meinungsunterschiede gibt.

Die Stadt Bregenz plant fleißig ins Blaue hinein, was die Landesstraße und die Bahnstrecke am See betrifft. Manche würden sagen, dieses Projekt ist noch wichtiger als die S 18. Warum tut das Land hier nicht weiter, sondern betont stets, dass die Stadt am Zug sei? Geht es nicht eigentlich darum, das Projekt gemeinsam
in den ÖBB-Rahmenplan zu bringen?
Zadra:
Die Stadt Bregenz plant in vielen Bereichen derzeit etwas ins Wilde hinein. Die zentrale Frage ist, wie man diese Dinge finanziert und sie in langfristige Strukturpläne bringt. Man muss aber auch darauf achten, dass solche Investitionen regional ausgewogen sind. Ich will nicht die Talschaften gegen den Zentralraum ausspielen. Die Landeshauptstadt ist sehr wichtig, aber Vorarlberg besteht aus mehr als einer Stadt. Bezüglich der Unterflurtrasse gibt es aber einen gemeinsamen Plan und Evaluierungen. Ich habe mit ÖBB-Vorstand Andreas Matthä über das Vorhaben gesprochen, und er hat sehr deutlich gemacht, dass man sich das anschauen wird, aber dass die ÖBB ein Zwei-Milliarden-Projekt logischerweise nicht aus der Portokassa finanzieren können.

“Die Grünen haben ihre Position hier auch weiterentwickelt: Wir sagen, es braucht eine Verbindung zwischen der A 14 und der Schweizer Autobahn.”

Daniel Zadra,
Verkehrslandesrat

Streckt man auch die Arme in Richtung Deutschland und Schweiz aus, die vom zweigleisigen Ausbau vor allem profitieren würden?
Zadra
: Der Flaschenhals in der Schienenkapazität besteht, aber er besteht derzeit weniger in Lochau als in Richtung Norden bei Lindau. Es ist unser aller Bestreben, das möglichst rasch zu ändern. Ich habe morgen ein Treffen mit den Kollegen aus den Kantonen St. Gallen und Thurgau – wir eröffnen erfreulicherweise die neue S 7 von Romanshorn nach Lindau – und werde das Thema dann ansprechen. Natürlich würden alle von diesem Ausbau profitieren.

Wurde da nicht viel vernachlässigt, wenn man beispielsweise bedenkt, dass vor wenigen Jahren eine neue, aber nur eingleisige Eisenbahnbrücke in die Schweiz gebaut wurde?
Zadra:
In der Vergangenheit wurde nicht alles richtig gemacht.

Was tut sich beim leidigen Thema „Talent“ und der Ersatzbeschaffung der Nahverkehrszüge, die bald erfolgen soll?
Zadra:
Die Ersatzbeschaffung der neuen Züge wird kommen und eine hohe Qualität aufweisen. Mir ist besonders wichtig, dass in den neuen Zügen auch die Fahrradmitnahme möglich ist. Da hatten die ÖBB anfänglich andere Vorstellungen, aber wir haben einen gemeinsamen Weg gefunden. Die Zuggarnituren werden bald kommen, aber ich möchte den genauen Zeitpunkt erst verkünden, wenn sie die Zulassung haben und fahrtauglich sind.

Verbrannte Finger sind der beste Lehrmeister, heißt es.
Zadra: Das haben jetzt Sie gesagt.

Wo will man das zusätzliche Geld konkret einsetzen, das jetzt für Verkehrsprojekte kommt?
Zadra:
Wir bekommen eben zum einen Geld für das preislich sehr attraktive Klimaticket, zum anderen ist am letzten Sonntag noch einmal Geld hinzugekommen, das Projekten des Verkehrsverbundes zugutekommt und teilweise für Ausbauprojekte der Gemeindeverbände zur Verfügung stehen soll. Es wird einmal für das Klimaticket VMobil und für den Angebotsausbau eingesetzt. Hier wollen wir einerseits im Zentralraum in die Schiene investieren, aber andererseits auch die Talschaften noch besser anbinden. Es soll im öffentlichen Verkehr ein Mindestangebot für jede Ortschaft geben.

Wie beurteilen Sie die Ansiedlung von Amazon in Dornbirn?
Zadra:
Beim Kreisverkehr Nord haben wir tägliche Staus. Wenn da wie aus einem Bienenschwarm täglich Kleintransporter dazukommen, ist das alles andere als erfreulich. Die wenigen Industrieflächen, die wir noch haben, sind wichtige Ressourcen. Da gäbe es bessere Einsatzmöglichkeiten als ein Hochregallager, von dem aus man Waren in alle Welt verteilt. Das Betriebsgebiet liegt neben der Bahn, hat aber keinen Gleisanschluss, und auch im Mobilitätsmanagement ist noch viel Luft nach oben. Versuchen Sie vor Ort einmal einen Fahrradabstellplatz zu finden. Das Gebiet wäre für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Dornbirn und Schwarzach gut mit dem Rad zu erreichen.

Wie will man generell die Radinfrastruktur den beengten Gegebenheiten anpassen?
Zadra:
Wir bauen die sogenannten Radschnellverbindungen im ganzen Land aus. So wie die Schiene das Rückgrat für den öffentlichen Verkehr darstellt, werden sie das Rückgrat für den Radverkehr sein. Wir ermöglichen den Fahrradfahrerinnen und -fahrern, hier kreuzungsfrei voranzukommen, ohne, dass sie an Ampeln warten oder sich den Weg mit Lkw teilen müssen. So verbinden wir etwa das Vorderland mit dem Industriegebiet in Klaus und der Kummenbergregion. Wir haben bisher für Autos, Züge und sogar Skifahrer Tunnel gebaut, nun bauen wir durch den Sattelberg den ersten Tunnel für den Radverkehr.

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