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Wallner will Gasreserve für Vorarlberg

30.03.2022 • 18:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">dpa-Zentralbild/Patrick Pleul</span>
dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

Die Gaslieferung aus Innerösterreich durch Deutschland soll auch für den Ernstfall sichergestellt werden.

Die geplanten Änderungen im Gaswirtschaftsgesetz soll die Versorgungssicherheit Österreichs mit Erdgas sicherstellen, indem eine verpflichtende strategische Reserve angelegt wird. Allerdings ist unklar, ob und wie Vorarlberg im Notfall davon profitieren wird.
Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) weist nun auf die besondere Situation bei der Gasversorgung in den Bundesländern Tirol und Vorarlberg hin. Die beiden westlichen Länder können ausschließlich über das deutsche Gasnetz versorgt werden und würden von der strategischen Reserve im Osten daher nur indirekt profitieren.
In einem Schreiben an die für die Erdgasbevorratung zuständige Bundesministerin Leonore Gewessler ersucht Wallner, diese Besonderheiten bei allen weiteren Planungen nicht außer Acht zu lassen.

Alle Speicher im Osten

Österreich gliedert sich in drei Marktgebiete (Ost, Tirol und Vorarlberg). Die Gasspeicher Österreichs befinden sich ausschließlich im Marktgebiet Ost. Die ­Marktgebiete Tirol und Vorarlberg können nur über das deutsche Gasnetz versorgt werden. Es gibt keine ­innerösterreichische Verbindung.
„Seitens des Bundes muss daher sichergestellt werden, dass die strategische Gasreserve aus österreichischen Speichern über das deutsche Netzgebiet auch für Tirol und Vorarlberg zur Verfügung gestellt werden kann“, so Landeshauptmann Wallner.

Ergänzung des Abkommens

Aus Sicht Vorarlbergs bedarf es dazu einer ausdrücklichen Ergänzung des zwischen Österreich und Deutschland abgeschlossenen Abkommens über Solidaritätsmaßnahmen zur Gewährleistung einer sicheren Gasversorgung.
Sofern eine solche Ergänzung des erst kürzlich abgeschlossenen Abkommens nicht möglich ist, sollte zumindest eine ausdrückliche Zusicherung Deutschlands angestrebt werden, dass die aus Österreich in das deutsche Gasnetz eingespeisten Gasmengen für die Versorgung der Marktgebiete Vorarlberg und Tirol verwendet werden können, fordert das Land in einer Aussendung.


Das Abkommen regelt Solidaritätsmaßnahmen zwischen Österreich und Deutschland, wenn sich einer der beiden Staaten auf dem Weltmarkt nicht mehr ausreichend mit Gas eindecken kann. In diesem Fall sind Lieferungen des anderen Vertragsstaates vorgesehen. Zu klären wird sein, ob Deutschland überhaupt technisch in der Lage wäre, eine österreichische Gasresvere von Ost nach West zu verschieben, wenn es gleichzeitig mit Versorgungsproblemen zu kämpfen hat, etwa wenn Russland seine Gaslieferungen einstellt.
Gleichzeitig profitiert in der aktuellen geopolitischen Lage vor allem Österreich vom Abkommen, da Deutschland nur zur Hälfte von russischen Importen abhängt, während Österreich zu 80 Prozent darauf setzt. Deutschland verfügt zudem über Nordseehäfen, in die notfalls US-amerikanisches oder kanadisches Flüssiggas eingeschifft werden kann.

Unterschiedlicher Verbrauch

Von einem russischen Exportstopp wäre Vorarlberg daher zunächst weniger intensiv betroffen als Innerösterreich, da es komplett am deutschen Netz hängt. Zudem heizen nur 18,9 Prozent der Vorarlberger Haushalte mit Erdgas, während in Wien 55,1 Prozent der Haushalte davon abhängen. Hingegen setzen 26,5 Prozent der heimischen Wohnungen auf Öl als Heizmittel, in der Bundeshauptstadt sind es nur 1,4 Prozent. Der österreichweite Durchschnitt liegt bei 15,5 Prozent Heizöl- und 23,3 Prozent Erdgasheizungen. Schwerwiegende Auswirkungen hätte ein Lieferstopp in jedem Fall auf die Industrie. Während 2018 in Österreich 16.194 Gigawattstunden an Energie aus Erdgas in die Haushalte flossen, gingen 74.501 Gigawattstunden an andere Abnehmer, vor allem die Industrie.
Laut Land müssten nun die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um die Versorgungssicherheit der Bundesländer Tirol und Vorarl­berg im Ernstfall sicherzustellen. „Eine intakte Versorgungslage für Vorarlbergs Bürgerinnen und Bürger im Krisenfall muss sichergestellt werden“, so der Landeshauptmann.