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Inflation setzt Geringverdienern zu

31.03.2022 • 18:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Michael Diettrich<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Michael DiettrichKlaus Hartinger

Die Vorarlberger Armutskonferenz fordert Maßnahmen gegen die steigende Inflation.

Die Vorarlberger Armutskonferenz hält die derzeitigen Maßnahmen zur Abfederung der Inflation für wenig zielgerichtet und verlangt eine strategisch durchdachtere Herangehensweise. „Statt viel Geld mit der Gießkanne zu verteilen, müssten Entlastungsmaßnahmen sich viel mehr auf diejenigen konzentrieren, die kaum Möglichkeiten zur Kompensation der aktuellen Teuerung haben“, so der Sprecher der Armutskonferenz Michael Diettrich.

Nicht nur Ärmste betroffen

Dazu zählten nicht nur die Ärmsten der Armen, wie Sozialhilfebezieher, sondern auch Haushalte bis in die untere Mittelschicht hinein. „Unserer Schätzung nach die unteren 30 bis 40 Prozent der österreichischen Haushalte“, erklärt Diettrich. Deren Geldbeutel sei schon in der Vergangenheit deutlich schmaler geworden: Verantwortlich dafür seien dürftige Lohnzuwächse und die eklatante Inflation der Mietpreise, die aktuellen Preissteigerungen sind da nur noch das Tüpfelchen auf dem i.


Statt vieler, kaum noch überschaubarer Einzel- und Einmalförderungen brauchten diese Menschen sehr viel grundsätzlichere Unterstützungsleistungen, mit denen sie ihre Existenz auch bei sich verändernden Belastungen sichern können, fordert die Armutskonferenz.
„Seit vielen Jahren schon sind die Wohnkosten der größte Treiber bei der Armutsentwicklung. Wir empfehlen deshalb, hier den Hebel anzusetzen: Entlas­tung bei den Ausgaben für den Wohnbedarf würde Haushalten mit geringem Einkommen helfen, Belastungen auch in anderen Ausgabenbereichen besser aufzufangen. Die Wohnbeihilfe wäre aus unserer Sicht das geeignetste Instrument dafür“, erläutert Diettrich.

Kritik an Wohnbeihilfe

Allerdings braucht es dafür nach Ansicht der Armutskonferenz einen Systemwechsel in der Vorarlberger Wohnbeihilfe. Sie werde ihrem Ziel als Unterstützungsleistung für Geringverdiener mit eigenem Einkommen schon lange nicht mehr gerecht: Nach einer Berechnung der Agenda Austria sind die durchschnittlichen Mietpreise in Vorarlberg zwischen 2010 und 2020 inflationsbereinigt um 25 Prozent gestiegen. Dennoch sei im gleichen Zeitraum die Zahl der Wohnbeihilfebezieher nahezu gleichge­blieben. So sanken die Ausgaben des Landes für die Wohnbeihilfe real um 17 Prozent. „Das passt hinten und vorne nicht zusammen und lässt nur den Schluss zu, dass die derzeitige Wohnbeihilfe ihren Zweck nicht mehr erfüllt“, kritisiert Diettrich. Die Wohnbeihilfe solle daher zu einer Wohnbedarfshilfe, die zusätzlich Heizungs- und Strom­kosten umfasst, erweitert werden. Diese solle die tatsächlichen Kosten für den Wohnbedarf so weit abdecken, dass den Beziehern von ihrem Einkommen ein garantiertes Grundeinkommen für den allgemeinen Lebensunterhalt bleibe.
Die Armutskonferenz fordert hier 852 Euro für Alleinstehende sowie 2669 Euro für zwei Erwachsene mit zwei Kindern, nach Abzug der Wohnkosten. Auch für Sozialhilfebezieher brauche es weitere Unterstützung. Dafür gebe es derzeit aber vor allem von der ÖVP keine Bereitschaft.