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Kreml berät mit Zentralbank

31.03.2022 • 11:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Über die Gazprom-Bank laufen weiterhin Zahlungen in Euro
Über die Gazprom-Bank laufen weiterhin Zahlungen in Euro APA/AFP/ALEXANDER NEMENOV

Russland will für sein Gas Rubel. Ein Blick auf die LNG-Kapazitäten zeigt: Es gibt kaum Alternativen.

Vor einer Woche hat Kremlchef Wladimir Putin angekündigt, russisches Gas an westliche Staaten künftig nur noch gegen Rubel zu verkaufen. Nun berät er sich mit Vertretern des Gasriesen Gazprom und der Zentralbank über konkrete Schritte. Kremlsprecher Dmitri Peskow betonte, dass das neue Zahlungssystem aber nicht direkt am Donnerstag in Kraft treten werde. Die Lieferung von Gas und die Bezahlung seien getrennte Prozesse.

In einem Telefonat mit dem deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz hat Putin bekräftigt, dass Gas bei der Gazprom-Bank weiterhin in Euro bezahlt werden kann. Da die Banktochter des staatlichen Gaskonzerns nicht von Sanktionen betroffen ist, kann diese dann die Euro in Rubel umtauschen.

LNG-Kapazitäten reichen nicht

Dennoch haben sowohl Deutschland als auch Österreich am Mittwoch die erste Stufe der Notfallpläne zur Gasversorgung aktiviert. Es wird betont, dass weiterhin Gas aus Russland in Europa ankommt. Energiemarktexperten halten es für aber möglich, dass die Liefermengen von russischem Erdgas nach Europa allein schon wegen des neuen Quartals mit 1. April deutlich zurückgehen. “Sie können runtergehen, ohne dass das ein Zeichen sein muss, dass ein Lieferstopp vorliegt”, sagte Fabian Huneke vom Beratungsunternehmen Energy Brainpool. Dies sei “nicht unüblich”.

EU gezwungen zu Handeln

Die unsichere Lage zwingt die EU-Staaten nun dazu, sich um Alternativen umzuschauen. Das Augenmerk liegt dabei vor allem auf Lieferungen von Flüssiggas mit Tankern. Doch eine Analyse zeigt: Ersetzen lässt sich russisches Gas in den nächsten Jahren nicht, auch nicht durch LNG, also Flüssigerdgas.

380 Milliarden Kubikmeter Erdgas verbrauchte die EU im Jahr 2020, die eigene Produktion hat sich aber in den letzten zehn Jahren halbiert. Darum werden etwa 80 Prozent des EU-Bedarfs durch Importe gedeckt, mehr als 40 Prozent des in der EU verbrauchten Gases liefert Russland. Die gesamte Kapazität aller LNG-Terminals in der EU beträgt derzeit allerdings nur knapp 160 Milliarden Kubikmeter in gasförmigem Zustand. Selbst wenn diese Terminals im Dauerbetrieb laufen, kann das Gas aus Russland damit nicht ersetzt werden.

Auch LNG-Tankschiffe sind nur begrenzt verfügbar: Weltweit gibt es nur etwa 500 davon. Ein LNG-Schiff kann Gas in einem Umfang transportieren, der 75 Millionen Kubikmetern Pipeline-Gas entspricht. Österreich verbraucht aber jährlich etwa 8,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Wollte man dieses Gas durch LNG ersetzen, bräuchte man allein für Österreich rund 80 Lieferungen mit Tankschiffen.