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Abgespeckter Hochwasserschutz

02.04.2022 • 19:46 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Klaus Hartinger

Für 2025 geplanter Neubau der Montfortbrücke in Feldkirch muss wahrscheinlich verschoben werden.


Auch wenn der Klimawandel laut Forschern die Wahrscheinlichkeit extremer Regenfälle erhöht, sind außergewöhnliche Hochwasser keine Erscheinungen der Gegenwart. Zeitungsberichte, Eintragungen in Chroniken sowie historische Hochwassermarken an Gebäuden zeugen von teils verheerenden Ereignissen in früheren Jahren. Auch die Innenstadt von Feldkirch war aufgrund ihrer Lage immer wieder gefährdet. Das vermutlich größte geschichtlich belegte Hochwasser ereignete sich 1910. Die Bewohner der Stadt wurden damals über Nacht in ihren Häusern eingeschlossen, 500 Menschen mussten evakuiert werden. Die Vorstadt stand bis zu vier Meter unter Wasser, die Marktgasse bis zu zwei. Beim Hochwasser 2005 schrammte Feldkirch nur knapp an einer Katastrophe vorbei. Letztlich fehlten nur wenige Zentimeter und die Wassermassen hätten die Altstadt geflutet.
Würde Feldkirch dieser Tage von einem Hochwasser ereilt, wie es statistisch gesehen nur einmal in hundert Jahren vorkommt, stünden laut Gefahrenzonenplan zwei Drittel der Innenstadt bis zu drei Meter unter Wasser. 140 Wohn- und 170 Gewerbeobjekte wären betroffen. Experten errechneten einen Sachschaden in der Höhe von 73 Millionen Euro.

Bestvariante

Einzelne, kleinere Vorkehrungen wurden in den vergangenen Jahren zwar getroffen, allerdings reichen diese bei weitem nicht aus, um Feldkirch vor einem hundertjährlichen Hochwasser zu schützen. Das nun geplante Projekt ist Ergebnis umfangreicher Variantenuntersuchungen und jahrelanger Planungen. Es sieht – wie berichtet – zum einen die Aufweitung der engen Kapfschlucht vor, zum anderen sollen die Heilig-Kreuz-Brücke und die Montfortbrücke abgerissen und neu errichtet werden.
Geplant und koordiniert wird das Großprojekt vom Wasserverband Ill-Walgau, dem neben zwölf Gemeinden das Land, die Asfinag, die ÖBB und vier Kraftwerksbetreiber angehören.

Förderungen

Wasser- und naturschutzrechtlich sind die mit 24 Millionen Euro veranschlagten Baumaßnahmen bereits genehmigt. Auch das Förderansuchen liegt bereits beim Bund, der bei Projekten wie diesem – so wie das Land – üblicherweise 40 Prozent der Gesamtkosten übernimmt. Beim Wasserverband und beim Land geht man davon aus, dass das Projekt Anfang Mai vom Bund genehmigt wird. Anschließend, so berichtet Thomas Blank, Leiter der Landesabteilung Wasserwirtschaft, könne auch die Förderzusage des Landes „rasch erfolgen“.

Neuer Zeitplan

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Aufgrund der allgemein knappen Kassen und einer ganzen Reihe anderer kostenintensiver Hochwasserprojekte wird der Neubau der Montfortbrücke (7,6 Millionen Euro) wahrscheinlich nicht wie geplant im Jahr 2025 in Angriff genommen werden können. „Wir haben mit dem Wasserverband vereinbart, dass noch in diesem Jahr mit der Aufweitung der Kapfschlucht gestartet werden soll. Der Zeitplan für die Umsetzung des Neubaus der Montfortbrücke wird anschließend gemeinsam abgestimmt“, erklärt Blank.
Diese Vorgehensweise bestätigt auch Wasserverbands-Geschäftsführer Wolfgang Errath. Er geht davon aus, dass sich der Brückenneubau um etwa drei Jahre verschieben wird. Im Gespräch mit der NEUE am Sonntag lässt er durchklingen, dass er damit wenig Freude hat. Es gebe noch eine Reihe anderer Projekte des Wasserverbands Ill Walgau, diese würden sich nun alle nach hinten verschieben. Rainer Keckeis, Obmann des Wasserverbands Ill-Walgau und ÖVP-Stadtrat in Feldkirch, sieht die Sache etwas entspannter Er zeigt sich erfreut darüber, dass die erste Bauetappe bald startet. „Durch die Aufweitung der Kapfschlucht erzielen wir schon einmal eine deutliche Verbesserung des Hochwasserschutzes. “

Montfortbrücke zu nieder

Die Engstelle zwischen Ardetzen- und Blasenberg wird ab Spätherbst 2022 auf einer Länge von 200 Metern um bis zu acht Meter aufgeweitet. Laut Errath werden dabei 15.000 Kubikmeter Fels abgetragen. Die Ausschreibung für die Arbeiten soll erfolgen, sobald die Förderzusagen da sind. Im Zuge der Aufweitung muss die Heilig-Kreuz-Brücke neu errichtet werden, aus Denkmalschutzgründen wird sich die neue Brücke allerdings kaum von der bestehenden unterscheiden.
Die Montfortbrücke beim Landesgericht, Hauptverkehrsverbindung in Richtung Liechtenstein, muss neu gebaut werden. Trotz der Aufweitung der Kapfschlucht läge diese nämlich bei einem hundertjährlichen Hochwasserereignis nur knapp oberhalb des Illwassers, erforderlich ist aber ein Abstand von einem Meter. Über die Notwendigkeit dieser Maßnahme gibt es beim Land keinen Zweifel, das nötige Geld dafür gibt es aber offenbar erst später.

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