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Wie viel der Staat für Kinder zahlt

06.04.2022 • 15:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wie viel der Staat für Kinder zahlt

Am meisten Unterstützung erhalten Familien mit einem gewissen Mindesteinkommen.

Jausengeld, neue Sandalen, ein Schulausflug, die Auffrischungsimpfung: Wer Kinder hat. weiß: Es läppert sich. Aber auch beim Geld, das Eltern vom Staat bezahlt bekommt, kommt einiges zusammen, rechnet eine umfassende Studie vom Grazer Joanneum Research vor, die im Auftrag von Familienministerin Susanne Raab (ÖVP) erstellt wurde. Das Forscherteam um Franz Prettenthaler hat untersucht, wie viel Familien an öffentlichen Geldern bekommen.

Das ist überaus komplex, weil es stark variiert nach der jeweiligen Lebenssituation: Wie viel man verdient, wo man wohnt, wie viele Kinder in welchem Alter man hat, wer sie betreut, und ob es ein Elternteil oder zwei gibt. Im Schnitt sind es zwischen 340 und 570 Euro, die pro Kind bezahlt werden. Alleinerziehende erhalten rund 370 bis 690 Euro pro Kind und Monat. Sie haben aber auch höhere Ausgaben, wie die Kinderkostenstudie der Statistik Austria im Dezember auswies. Darin wurde erhoben, wie viel Mehrkosten für Familien durch Kinder entstehen.

Alle Leistungen von Bund, Ländern und Gemeinden

Prettenthalers Studie ist nun das Gegenstück dazu. Dafür wurden in mehr als 600.000 Fallbeispielen für unterschiedlichste Konstellationen insgesamt 84 Transferleistungen untersucht: Klassische Familienleistungen wie die Kinderbeihilfe, der Kinderabsetzbetrag oder der Familienbonus. Aber auch sozialpolitische Transfers wie Mindestsicherung, Wohnbeihilfe oder Heizkostenzuschuss, die durch Kinder beeinflusst werden. „Es gibt so gut wie keine Transfers, bei denen die Existenz von Kindern keine Rolle spielt“, sagt Prettenthaler. Erstmals wurden sämtliche Leistungen von Bund, Ländern und Gemeinden miteinbezogen: Also auch das Schulstartgeld, ein von der Gemeinde subventionierter, gestaffelter Beitrag für den Kindergartenplatz oder das Pendlerpauschale, das das Einkommen und damit die Steuerbegünstigungen beeinflusst.

Höchstunterstützung bei 1200 Euro Einkommen

„Wir brauchen dieses umfassende Bild, um Entscheidungen zu treffen“, sagt Familienministerin Raab, die sich durch das Ergebnis bestätigt fühlt: „Die Untersuchung zeigt klar, dass wir mit unseren Familienleistungen gut aufgestellt sind – bei Familien mit Kindern bis fünf Jahren wird sogar ein Großteil der Kosten abgefedert – und sozial treffsicher sind, weil besonders jene, die armutsgefährdet sind, profitieren.”

Wie viel der Staat für Kinder zahlt
Familienministerin Susanne Raab (ÖVP) und Studienautor Franz Prettenthaler im Gespräch mit der Kleinen Zeitung.Fotograf

Um die höchste Unterstützung zu bekommen, muss allerdings ein gewisses Haushaltseinkommen vorhanden sein – 800 und 1.200 Euro pro Monat. „Dort, wo die Transferzahlungen sinken, beginnen die Steuererleichterungen zu greifen“, sagt Prettenthaler. Je weniger Einkommen eine Familie hat, desto mehr fallen Leistungen von Ländern und Gemeinden ins Gewicht. Je älter die Kinder werden, desto weniger Kosten werden durch Transfers ersetzt.

Das ausdifferenzierte System findet Raab begrüßenswert, einer einheitlichen Kindergrundsicherung, wie sie der grüne Koalitionspartner befürworten würde, erteilt sie eine Absage.

Die Familienbeihilfe, die zuletzt 2018 an die Inflation angepasst wurde, will Raab auch angesichts der Teuerung nicht erhöhen: „Das ist derzeit nicht in Planung. Wir haben uns die Erhöhung Familienbonus und Kinderbetreuung vorgenommen.“ Von den Maßnahmen gegen Teuerung – vom Energiekostenzuschuss bis zum erhöhten Pendlerpauschale – würden auch Familien profitieren.

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