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Toller Maler eröffnet neuen Kunst-„salon“

14.04.2022 • 19:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Drago Persic neue

Drago Persic zeigt im neuen Format „salon angelika“ im Angelika-Kauffmann-Museum neue Werke.

Wer zur Zeit eine gute Einstiegsdroge in die Kunst Vorarlbergs sucht, ist mit der „Beauty“-Show von Stefan Sagmeister im vorarl­berg museum in Bregenz nicht schlecht beraten. In jenem Teil, der Bezug nimmt auf das Schönste aus der Ländle-Sammlung des Hauses am Kornmarkt, sind wirklich ästhetisch hervorragende Arbeiten zu sehen – von Angelika Kauffmann über Rudolf Wacker bis Edmund Kalb und Karl-Heinz Ströhle und von Miriam Prantl über Mathias Kessler und Ingmar Alge bis eben hin zu Drago Persic.
Stefan Sagmeister scheint die optisch einwandfreie Textur der Faltenwürfe von Drago Persic überzeugt zu haben. Davon ist zur Zeit im Angelika-Kauffmann-Museum in Schwarzenberg noch mehr zu sehen.

Ausstellung in der Heimat

Die Leiterin des Angelika-Kauffmann-Museums, Marina Stiehle, gibt an, mit der neuen Reihe „salon angelika“ im Frühjahr – gewissermaßen in der Zwischensaison – jungen heimischen Künstlerinnen und Künstlern, vornehmlich aus dem Bregenzerwald, die Möglichkeit bieten zu wollen, in der Heimat ausstellen zu können. Künstlerinnen und Künstler, die in Wien an den Kunstakademien studieren, sei es ein Bedürfnis, ihre Arbeit auch auf heimatlichem Boden präsentieren zu können. Es gibt damit im Land einen neuen Raum für junge Kunst, der in Zukunft vom Kurator Thomas Hirtenfelder betreut werden soll.
Den Anfang macht nun Drago Persic. Der 1981 in Banja Luka in Bosnien-Herzegowina geborene Künstler ist 1991 im Zuge der Wirren des Balkankrieges nach Schwarzenberg gekommen und hat hier eigenen Angaben zufolge eine glückliche Kindheit verbracht. In einer Mischung aus Bregenzerwälderisch und Hochdeutsch mit Wiener Anklängen schildert er Szenen aus seiner Jugend wie Skifahren und Baden an der Bregenzerach und auch den Besuch der Kirche in Schwarzenberg, wo ihn früh das barocke Altarblatt mit der Aufnahme Mariens in den Himmel der berühmten Tochter Schwarzenbergs Angelika Kauffmann faszinierte.

Drago Persic, Angelika-Kauffmann-Museum <span class="copyright">NEUE</span>
Drago Persic, Angelika-Kauffmann-Museum NEUE

Studium an der Akademie.

2002 ging Drago Persic nach Wien und studierte bis 2007 bei Muntean/Rosenblum, Elke Krystufek und Hans Scheirl an der Akademie der Bildenden Künste. Nach dem Studium wurde er gleich von der Galerie Engholm übernommen, und heute wird er von den Galerien Nicola von Senger in Zürich und Bechter Kastowsky in Wien vertreten. Daher kann er seit dem Studien­abschluss von der Kunst leben.
Die Arbeiten in Schwarzenberg weisen ihn als echten Künstler und sehr guten Maler aus. Der Faltenwurf wurde plötzlich – „mit einem Klick“ – der Hauptgegenstand seiner Werke. Genau dieser Faltenwurf gemahnt in seiner Präzision an den Faltenwurf bei berühmten Kunstwerken wie der „Verzückung der Theresa von Avila“ von Giovanni Lorenzo Bernini. Religiöse Erhabenheit und physische Schwerkraft sind bei Persic und Bernini in ähnlicher Weise im Widerstreit. Während bei Bernini der Faltenwurf die metaphysische Entrückung veranschaulicht, ist die Draperie bei Persic eher ein Platzhalter für existenzielle Leere, wie sie im 20. Jahrhundert die Philosophen der Postmoderne zelebrierten.

Hände

In Schwarzenberg hat Drago Persic abstrakte Arbeiten und figurative Konstellationen nebeneinander gehängt. Ganz neu sind die atemberaubend gut gemachten Handstudien, die hier zu sehen sind. Der Künstler nimmt damit Bezug auf einen Film von Harun Farocki mit dem Titel „Ausdruck der Hände“. Es gelingt Persic dabei, die menschlichen Hände in verschiedenen anthropologisch relevanten Handlungen zu zeigen: Hände, die halten, umarmen, packen, verdecken oder führen. Allein diese Serie aus dem heurigen Jahr macht einen Besuch in Schwarzenberg lohnenswert.

Nur noch bis 17. April. Freitag bis Sonntag, 14 bis 17 Uhr. Infos: www. angelika-kauffmann.com

Wolfgang Ölz

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