_Homepage

Semmering-Basistunnel frühestens 2030 fertig

15.04.2022 • 13:37 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Grassberg macht weitere Arbeiten notwendig
Der Grassberg macht weitere Arbeiten notwendig ÖBB/Grafebner

Eine geologische Störzone führt zu einer späteren Fertigstellung des Semmering-Basistunnels.

Als die Großbaustelle Semmering-Basistunnel im Jahr 2012 den Betrieb aufnahm, ging man von einer Fertigstellung frühestens 2024 aus. Doch schon damals hieß es bei den ÖBB: “Der Berg gibt das Tempo vor.” Dieses Motto bewahrheitet sich nun erneut. Wie die Kleine Zeitung am Freitagvormittag erfuhr, verschiebt sich die angepeilte Inbetriebnahme um ein weiteres Jahr auf frühestens 2030. Schuld an dieser Verschiebung ist der Bereich Grassberg, der schon 2021 für Probleme gesorgt hatte.

“Die Prognose, dass die Sondermaßnahmen die technischen und geologischen Herausforderungen umfassend lösen würden, hat sich leider nicht erfüllt”, sagt ÖBB-Sprecher Christopher Seif. Der komplizierte Gebirgsaufbau mit einer Mischung aus trockenem, nassem, weichem und hartem Gestein sorgt dafür, dass sich die Arbeiten verzögern. Die bisherigen Injektionsmaßnahmen in diesem Bauabschnitt werden verlängert, bis eine stabile Durchquerung mittels Bagger und Sprengvortrieb sicher erfolgen kann. “Diese Stelle hält uns jetzt bedauerlicherweise länger auf”, sagt Seif.

360 Millionen Euro mehr

Die Verzögerung wirkt sich freilich auch auf die Kosten aus, diese steigen nach aktuellem Stand von 3,5 auf 3,9 Milliarden Euro. Allerdings sind nur 50 Prozent der zusätzlichen 360 Millionen Euro auf die Verzögerung im Grassberg zurückzuführen, die andere Hälfte resultiert aus den steigenden Preisen für Rohstoffe und Baumaterialien. “Dabei geht es vor allem um den Stahl, aber auch um Zement und die Energiekosten”, erläutert Seif.

Prinzipiell schreiten die Arbeiten im Jahrhundertprojekt Semmering-Basistunnel, der die Fahrzeit zwischen Wien und Graz auf unter zwei Stunden reduziert, aber zügig voran. Rund 23 Kilometer der insgesamt 27,3 Kilometer des zweiröhrigen Tunnels sind bereits gegraben worden. Der Tunnel wird von fünf Stellen und 14 gleichzeitigen Vortrieben aus gebaut, vier der Vortriebe (alle im Fröschnitzgraben) sind bereits abgeschlossen. “Damit stehen wir bei 85 Prozent. Auch die Innenausstattung sieht schon gut aus, hier sind sieben Kilometer fertiggestellt”, sagt Seif. Doch letztlich, so Seif, müsse man das Ganze im Auge behalten: “Der Tunnel ist erst fertig, wenn auch der letzte Abschnitt fertiggestellt ist.”

Wichtiges Instrument gegen die Abwanderung

Auf politischer Ebene ruft die Verzögerung Bedauern hervor, etwa beim Freiheitlichen Nationalratsabgeordneten Hannes Amesbauer, zugleich Bezirksparteichef von Bruck-Mürzzuschlag: “Immerhin ist der Semmering-Basistunnel eine für unsere Region enorm wichtige Verkehrsverbindung, die wir schleunigst brauchen würden, um der Abwanderung entsprechend begegnen zu können.” Auch für ÖVP-Landesrat Hans Seitinger muss die schnellstmögliche Fertigstellung nun Priorität haben: “Der Semmering-Basistunnel ist für die Obersteiermark eine unverzichtbare Infrastrukturinvestition, die unsere Region einen wesentlichen Schritt in die Zukunft führen wird.”