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Große Früchte für den kleinen Garten

16.04.2022 • 18:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Harald Rammel</span>
Harald Rammel

Grund und Boden werden immer kostbarer und in Folge die Gärten immer kleiner.

In den kleinsten Gärten findet sich Platz für Säulenobstgehölze. Diese Pflanzen zeichnen sich durch besonders schlanken Wuchs aus. Die ausgewählten Apfelarten bilden um die Hauptachse nur kurze Fruchtspieße. Diese Bäume werden nur einen halben Meter breit. Säulenbäume gibt es bei Apfel, Birnen und einigen Steinobstarten. Am beliebtesten sind Äpfel. Da diese jedoch einen passenden Befruchtungspartner benötigen, ist das bei der Anlage des Gartens zu berücksichtigen. Welche Sorte als Pollenspender dient, findet sich am Sortenetikett. So brauchen sich die Säulenäpfel ‚Decora‘ und ‚Obelisk‘ gegenseitig. ‚Galahad‘, ‚Lancelot‘, ‚Sonate‘ oder ‚Rhapsodie‘ brauchen hingegen nur eine zeitglich blühende Säulenapfelsorte.

Guter Geschmack

Ein weiterer Vorteil der Säulenbäume ist der geringe Schnittaufwand. Die Pflanzen wurden vom Züchter auf ihre Schwachwüchsigkeit selektioniert. So bildet sich von Beginn an bereits schönes Fruchtholz an Kurztrieben, lange Äste sucht man vergebens. Der Schnitt ist denkbar einfach. Nur Seitentriebe über 20 Zentimeter Länge werden im August drei Zentimeter neben dem Stamm abgeschnitten. Es bildet sich danach im nächsten Frühjahr ein schwacher Neuaustrieb aus dem verbliebenen Triebstück. Wird der Baum zu hoch, leitet man ihn auf einen Seitentrieb in der gewünschten Höhe ab. In Summe gibt das kaum Schneidarbeit. Die Bäume sind von Natur aus schlank. Die neuen Züchtungen sind geschmacklich bereits sehr erfreulich, anders als die Säulenobstarten der ersten Generation.
Birnen, Pfirsiche oder Kirschen bleiben durch steile Triebe schlank, werden jedoch etwas breiter wie Säulenapfelbäumchen. Säulenbirnen muss man für den Erhalt einer schlanken Figur im Sommer pinzieren. Dabei zwickt man unverholzte Triebspitzen ab. Die Äste verzweigen sich ansonsten und der Baum verliert an Wuchskraft.

Steinobst schneiden

Steinobst-Säulen benötigen mehrere Formierungsschritte. Konkurrenztriebe zur Mittelachse werden entfernt. Ab Juni kürzt man die Seitentriebe durch Wegzwicken der weichen Triebspitzen ein. Tieferstehende Äste können rund 30 Zentimeter lang bleiben, im oberen Kronenbereich kürzt man auf rund zehn Zentimeter lange Aststummel. Da Steinobst selbstfruchtbar ist, braucht es keine Befruchtersorten. Es gibt Kirschen, Weichseln, Zwetschken, Marillen oder Pfirsich in Säulenform.

Miniobst

Eine andere Art kleinwüchsiger Bäume sind Miniobstbäume. Durch ihr kompaktes Triebwachstum bilden sie kleine Kronen. Die Bäume werden maximal raumhoch. Die Häberli-Sorten „Cactus“ und „Merlin“ sind sehr widerstandsfähig. Auch hier gilt bei den Äpfeln: Sie brauchen einen geeigneten Befruchtungspartner. Fragen Sie am besten in unserer Gärtnerei nach, welche Sorten gut zusammenpassen.
Sie lassen sich gut in Töpfen und Trögen kultivieren, auch wenn die Pflege dann etwas anspruchsvoller ist. Empfohlen sind Töpfe mit mindestens 20 Liter Erdvolumen, die unten überschüssiges Wasser ablaufen lassen. Verwenden Sie ein gutes Pflanzsubstrat. Alle zwei bis drei Jahre muss man die Bäumchen in größere Gebinde umpflanzen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Gießen, auch im Winter. Die Pflanzen sind zwar frostbeständig, gegen längere Trockenheit sind sie ungeschützt. Sowie der Boden frostfrei ist, benötigen die Bäumchen Feuchtigkeit.


Da das Nährstoffreservoir durch den kleinen Wurzelraum stark begrenzt ist, braucht es von April bis August wöchentlich Kraft durch Flüssigdünger. Nur gut genährte Pflanzen tragen auch entsprechende Früchte! Alternativ zur Flüssigdüngung kann man Langzeitdünger nach dem Winter auf den Erdballen streuen und ins Substrat einarbeiten. Aber ganz ohne Düngen geht es nicht. Zur Blüte sind die Pflanzen vor Nachtfrösten zu schützen.

Stefan Bitschnau

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