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i+R: Verkaufsstopp bei Wohnungen

20.04.2022 • 18:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Bruno Klomfar</span>
Bruno Klomfar

Aufgrund der Unkalkulierbarkeit bei den Kosten stoppt das Bauunternehmen bis Sommer den Verkauf.

Die massiven Preissteigerungen in sämtlichen Bereichen der Bauwirtschaft in den vergangenen Wochen und Monaten sowie die steigende Unsicherheit hinsichtlich der Verfügbarkeit diverser Baumaterialien und des Fertigstellungszeitpunktes erschweren Vorarlbergs Wohnbauträgern immer mehr die Kalkulation ihrer Wohnbauprojekte. Die Wohnbau-Sparte der Vorarlberger Baufirmengruppe i+R hat aufgrund dieser Unsicherheiten jetzt vorerst einmal die Reißleine gezogen. Denn das Unternehmen hat einen Verkaufsstopp für eine ganze Reihe von Wohnungen in diversen geplanten oder schon in Bau befindlichen Wohnanlagen in Vorarlberg erlassen.
Reinold Meusburger, Geschäftsführer der i+R Wohnbau GmbH, bestätigte auf Anfrage, dass der „Reserviert“-Status bei verschiedenen im Internet vorgestellten i+R-Wohnbauprojekten auf diesen Verkaufsstopp zurückzuführen sei. Ein kurzer Blick auf solche Projektvorstellungen etwa in Hohenems und Feldkirch zeigt Wohnanlagen mit insgesamt fast 30 „reservierten“ Wohnungen ohne Angabe des Verkaufspreises.

Angespannte Situation

„Die Preissituation auf der Kostenseite war schon in den vergangenen zwei Jahren aufgrund der Auswirkungen der Pandemiebekämpfungsmaßnahmen sehr angespannt. Durch den Krieg in der Ukraine hat das alles noch einmal einen massiven Schub bekommen.“ Es gebe je nach Fortschritt des Wohnbauprojektes mitunter keine Planbarkeit mehr hinsichtlich dem Fertigstellungszeitpunkt, der Verfügbarkeit der Materialien oder der Kosten für die Kalkulation. „Teilweise werden nur noch Tagespreise für bestimmte Materialien genannt. Fixe Zusagen zum Lieferzeitpunkt der Baumaterialien gibt es zumeist gar nicht mehr.“ Bei i+R Wohnbau gehe man davon aus, dass sich diese volatile Situation in den kommenden Monaten nicht beruhigen werde.


Der nunmehrige Verkaufsstopp bis zum Sommer 2022 soll dazu dienen, sich jedes Wohnbauprojekt intern im Detail anzusehen. Dadurch soll geklärt werden, inwieweit und ab welchem Zeitpunkt man interessierten Käuferinnen und Käufern den erforderlichen Fixpreis sowie einen definitiven Fertigstellungszeitraum zusagen könne. „Erst nach dieser individuellen Abschätzung wird ein Projekt zum Verkauf freigegeben oder eben nicht.“ Das könnte dann je nach Projekt ab Herbst 2022 oder auch schon früher der Fall sein. Die Zeiten, in denen man im großen Stil alle geplanten Neubauwohnungen samt Kaufpreis im Internet veröffentliche, seien für die nächste Zukunft jedenfalls vorbei, so Meusburger.

Konsumentenschutz

Da Neubauwohnungen zumeist an Privatpersonen verkauft werden, stelle das strenge Konsumentenschutzgesetz die Bauträger vor eine besondere Herausforderung. „Man kann hier nicht einfach den Fertigstellungszeitpunkt nach hinten verschieben oder den Preis erhöhen, auch wenn man es noch so gut begründen könnte. Hier würden wir im Wohnbau-Bereich sehr oft schadenersatzpflichtig werden“, verdeutlicht Meusburger. Deshalb sei man hier mit Zusagen sehr vorsichtig.


Anders sei die Situation im Industrie- und Gewerbebau, wo es solche rechtlichen Beschränkungen in dem Ausmaß nicht gebe, beziehungsweise wo man sich mit dem Auftraggeber über Preiserhöhungen oder Verschiebungen verständigen könne.

Günther Bitschnau