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Über die Vielfalt der Solo-Selbstständigkeit

23.04.2022 • 16:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Eduard Jäger<span class="copyright">klaus hartinger</span>
Eduard Jägerklaus hartinger

Ein-Personen-Unternehmen sind so vielseitig wie die Menschen hinter ihnen.

Solo-Selbstständige bieten beispielsweise spezielle IT-Lösungen für Museen an, stemmen professionelle Werbefilme, drechseln Holzschmuck. Sie machen Farb- und Stilberatung oder betreiben eine Salzgrotte, sie nähen, weben und drucken und kalligraphieren.
Wir geben an dieser Stelle natürlich nicht alles preis, es soll schließlich auch die kommenden zehn Wochen spannend bleiben. Aber so viel sei verraten: In dieser EPU-Serie stellen wir unter anderem eine Human- und Tierenergetikerin vor, einen Entwickler von Fotoboxen, eine Make-up- und Bodypainting-Spezialistin und eine Frau, die Dekoratives aus Papier schafft.

Unternehmergeist

„EPU“, das steht in diesen Fällen auch für „eine Person mit Unternehmergeist“. EPU sein ist nicht nur ein Job, sondern auch eine Lebenseinstellung. Die Unternehmer wollen ihr eigenes Ding machen. Sie übernehmen Verantwortung für ihr Tun, wollen sich selbst verwirklichen und ihre eigenen Fähigkeiten, Werte und Ideen leben. Oder, wie Eduard Jäger, der Fotoboxen-Fachmann, es ausdrückt: „Spaß am Tun und Machen – eigene Ideen verwirklichen und selbst das Steuerrad in der Hand haben.“ Oft haben sie eine Marktlücke entdeckt, die vorher noch gar nicht da war.
Jäger erzählt, angefangen habe er mit dem Verleih von klassischen Fotoboxen. Innovative Produkte wie der „MagicMirror“ oder eine Live-Foto-Mosaik-Aktivierung sind hinzugekommen. „Darüber hinaus sind wir eine kleine Agentur für crossmediale Foto- und Video-Promotion, die zusammen mit Unternehmen Konzeptideen für Marketing-Kampagnen in Kombination mit unseren Eventtools erstellt“, erzählt Jäger im NEUE-Gespräch. Für Autohäuser, Fotografen und Online-Händler bietet der Unternehmer individuell angepasste Webapplikationen im Bereich Bildfreistellung an und unterstützt ­Betriebe bei der Mitarbeiterfotografie.

Sprung hin zu Größerem

Viele Kleinst­unternehmer lieben die Eigenverantwortlichkeit und dass sie nur sich selbst gegenüber Rechenschaft ablegen müssen. Manche bekommen am Anfang noch Unterstützung von Familienmitgliedern. Andere sehen sich auf dem Sprung hin zu Größerem. Der 45-jährige Jäger sagt: „Wenn wieder Normalität und Planbarkeit eingekehrt ist, werde ich auf jeden Fall erweitern. Einige Projekte und Produkte, die mehr Arbeitskräfte benötigen, sind in der Pipeline.“
Laut der Statistik der Wirtschaftskammer Österreich von Ende 2020 sind in Vorarlberg 57,1 Prozent aller Unternehmen EPU. Diese sind überwiegend weiblich, der Frauenanteil beträgt knapp 56 Prozent. Susanne Rauch-Zehetner, EPU-Sprecherin der Wirtschaftskammer Vorarlberg, begründet das so: „Diese Unternehmensform ist für Frauen besonders attraktiv, da sich Talente, Selbstverwirklichung, Flexibilität, Beruf und Familie individuell gestalten lassen.“ Der Arbeitsplatz befindet sich dann zum Beispiel in der hauseigenen Werkstatt oder im ausgebauten Dach im Atelier, das spart Kosten und Fahrzeit, außerdem kann die Unternehmerin dann kurzfristig Arbeits- oder Familienzeiten einlegen, so, wie es am besten in ihren Tag passt.

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klaus hartinger

Neue Geschäftsfelder

Das Unternehmertum hat sich verändert: Kleine, individuelle und flexible Einheiten sind zu einem wesentlichen Teil der Wirtschaft geworden. „EPU bringen mit den Nischen, die sie erfolgreich besetzen, Vielfalt in die Wirtschaft. Sie machen die Unternehmer- und Unternehmerinnen-Landschaft bunt“, findet Rauch-Zehetner.


In der Kreativbranche, in der Digitalisierung und in personennahen Dienstleistungen sind in den vergangenen Jahren viele neue Geschäftsfelder entstanden. In diesen Branchen sind die individuelle Expertise, die hohe Spezialisierung und die persönliche Betreuung des Kunden gefragt. Daher kommt auch das große Marktpotenzial für EPU.
Ein immer bedeutenderer Bestandteil von deren Unternehmenskultur sind nachhaltiges Handeln, Ressourcenschonung und Umweltschutz, wie die KMU Forschung Austria im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich 2020 in einer Studie herausgefunden hat.


Ein-Personen-Unternehmerinnen und -unternehmer gehen also mit der Zeit. Darüber hinaus, erklärt Susanna Troy, EPU-Beauftragte der Wirtschaftskammer Vorarlberg, genüge es nicht, „als EPU ein exzellenter Handwerker, eine hoch spezialisierte Beraterin oder eine bestens ausgebildete Dienstleisterin zu sein. Kundenorientierung bedeutet, in die Welt des Kunden einzutauchen, zu wissen, was den Kunden begeistert. Es braucht eine klare Positionierung, ein ständiges Reflektieren und Optimieren des Geschäftsmodells und ein gutes Marketing, um das eigene Unternehmen ins Rampenlicht zu stellen.“

Die NEUE am Sonntag stellen an den kommenden zehn Sonntagen spannende EPU ins Rampenlicht, mit ihren ungewöhnlichen Geschäftsideen und individuellen Problemlösungen.