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Ein Menschenfreund hinter Gittern

27.04.2022 • 15:16 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Osman Kavala
Osman Kavala APA/AFP/Anadolu Culture Center /

Das Urteil “lebenslang” gegen den türkischen Mäzen Osman Kavala empört die Welt.

“1684 days behind bars” (1684 Tage hinter Gittern). So liest man heute auf der Homepage namens “Free Osman Kavala”, die Freunde für den Inhaftierten eingerichtet haben. Geht es nach der offiziellen Türkei, soll der Zähler weiterlaufen bis zu seinem Tod. Denn der Philanthrop, Kulturmäzen und Menschenrechtsaktivist, schon seit Oktober 2017 in Untersuchungshaft, wurde nun wegen Umsturzversuches zu lebenslanger Isolationshaft ohne Möglichkeit der Bewährung verurteilt. Er wurde schuldig gesprochen, die Gezi-Aufstände, die sich 2013 gegen die autoritäre Politik der Regierung gerichtet hatten, organisiert zu haben.

Recep Tayyip Erdogan sah in den damaligen Protesten Verschwörung und Terror aus dem Ausland, für den türkischen Präsidenten ist Osman Kavala somit ein Putschist und Financier des Terrorismus. Nach dem Urteil, in dem Kavala zumindest vom Spionage-Vorwurf freigesprochen worden war, gab es weltweit Empörung über diesen “schrecklichen, grausamen und bösen Schauprozess”, wie ihn etwa “Human Rights Watch” nennt.

Alter osmanischer Adel

Osman Kavala, 1957 in Paris geboren, stammt aus altem osmanischem Adel. Sein Vater wurde über Tabakhandel reich. Nach dessen Tod übernahm er die zum Mischkonzern angewachsenen Kavala Companies. Um der erdrückenden Atmosphäre im Land nach dem Militärputsch 1980 etwas entgegenzusetzen, baute Kavala ab 1983 einen Verlag auf, der zu sozialem, kulturellem und demokratischem Fortschritt beitrug.

1993 gründete er mit George Soros die Open-Society-Stiftung. Er half beim Wiederaufbau nach dem großen Beben von Gölcük 1999 und widmete sich fortan voll und ganz zivilgesellschaftlichen Projekten. Vor allem mit der 2002 gegründeten Organisation Anadolu Kültür setzte sich Osman Kavala, dessen Vermögen mittlerweile zum Großteil konfisziert ist, für Kunst und Kultur, Kinder und Flüchtlinge, alternative Szenen, vernachlässigte Regionen und die Aussöhnung der Volksgruppen ein.

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