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Bäume bieten Artenschutz

03.05.2022 • 12:09 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Klaus Hartinger

Bäume kühlen, produzieren Sauerstoff, sind Nahrung und Lebensraum.

Die Grundstücke werden teurer und die Gärten und damit auch die Bäume daher zunehmend kleiner. Zum Glück gibt es genügend kleine Alternativen, die auch mit dem wärmer werdenden Klima gut zurechtkommen“, beschreibt Tobias Gassner von der Gartenwelt Gassner aus Fußach. „Inzwischen will man verstärkt zurück zur Natur“, bemerkt er.
Das bedeutet vermehrt heimische Pflanzen in ihrer ursprünglichen Wuchsform. Letztere sind auch unter Klimaaspekten gut. Zum einen wurden sie geographisch so nah als möglich gezogen, was heißt, die CO2-Bilanz kann sich sehen lassen. Dadurch sind sie an das hiesige Klima gewöhnt und kommen entsprechend gut damit zurecht.

Resistente Oliven

Gassner kommt an einige Jahre alten Olivenbäumen vorbei. „Sie stammen nicht aus Spanien, sondern aus der Toskana. Zwar wachsen sie langsamer, aber dafür sind sie robuster. Im Gegensatz zu den spanischen halten sie im Winter Temperaturen von bis zu minus 15 Grad aus“, erklärt er. Noch klein sind die Apfel- und Birnbäume auf einem Wagen nebenan. „Die Birnensorte ,Gute Luise‘ und die Apfelsorte ,Cox Orange‘ als Säulenform oder Miniobst bilden eine schmale oder kleine Krone aus. Sie können im Topf bleiben und daher auch auf der Terrasse oder dem Balkon stehen.“ Dabei kommen verschiedene Standorte in Frage, wobei die pralle Mittagshitze den Topf allerdings austrocknen würde. Generell gilt: Pflanzen im Topf müssen auch mal umgetopft werden und brauchen mehr ­Aufmerksamkeit und Wasser, als wenn sie ins Freie gepflanzt werden. Wobei auch Bäume im Freien regelmäßige Pflege genießen, also gegossen und gedüngt werden sollten.

Heimische Sorten

Hiesige Bäume sind außerdem gut für die Biodiversität. Während ein Gingkobaum gerade zehn Insektenarten beherbergen kann, sind es bei einem Weißdorn etwa 200. „Das streift auch das Thema Nützlinge. Wenn ich mehr Insekten habe, muss ich weniger chemischen Pflanzenschutz betreiben. Es stellt sich ein eigenes Gleichgewicht ein“, sagt Gassner. In einem heimischen Vogelbeerbaum finden mehr als 60 Vogelarten Nahrung, in einem Kirschbaum fast 50. Generell mehr Hitze halten beispielsweise der Judasbaum, der Trompetenbaum, der Maulbeer- und der Amberbaum aus. Auch Magnolien, Tränenkiefer und Tulpenbaum zählen zu den hitzeverträglichen Bäumen.

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Klaus hartinger

Was ein Baum kann

Aber Gassners erste Fragen, wenn Kunden einen Baum pflanzen wollen, ist: „Was für einen Nutzen soll der Baum haben? Sollen Kinder auf ihm klettern können? Soll er schön anzusehen sein? Soll er Früchte tragen, die verwertbar sind? Soll er Schatten spenden?“ Es folgt die Frage nach der Größe, dem Standort. „Viele sind sich gar nicht darüber im Klaren, wie der Baum sein soll. Aber im Verlauf einer Beratung bekommen wir heraus, um was es gehen könnte.“
Dabei sind die verschiedensten Aspekte wichtig, etwa auch Kleinigkeiten wie, ob ein Rasenroboter die Arbeit rundherum erledigen soll, – dieser käme zum Beispiel mit großblättrigem gefallenem Laub schlecht zurecht.

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Neue Modebäume

In Mode sind neben Obstbäumen sogenannte Dachbäume. Das sind schnellwachsende Bäume, die lange Ruten ausbilden. „Sie wachsen ungefähr einen halben Meter im Jahr, die Ruten flicht man dann in ein Gitter parallel zum Boden ein, das die Baumkrone in eine Art Sonnenschirm verwandelt. Dadurch geben die Bäume recht schnell einen ziemlich durchgehenden Schatten“, Gassner zeigt auf eine dreistämmige Dachplatane. Einen Baum zu pflanzen, bedeutet aktiv Klimaschutz zu betreiben. Denn Bäume liefern Sauerstoff, reinigen die Luft, haben kühlende Wirkung, indem Wasser in den Blättern verdunstet, und binden CO2. Eine erwachsene Buche produziert im Jahr 4,6 Tonnen Sauerstoff und verarbeitet dafür 6,3 Tonnen Kohlendioxid. Alte Bäume sind dabei ungleich wirkungsvoller als junge: Um die Arbeit einer 100-jährigen Eiche zu ersetzen, bräuchte es 100 10-jährige Eichen. Auch deshalb versucht Tobias Gassner, wenn er einen Garten neu gestalten soll, so viele alte Bäume wie möglich zu erhalten. Sein Motto lautet: „Für jeden Garten gibt es den geeigneten Baum.“