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Die fantastische Welt des Marko Jakše

06.05.2022 • 19:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Marko Jakse vertritt Slowenien auf der 59. Biennale di Venezia. Einige seiner Bilder sind in der Gallerie Sechzig in Feldkirch ausgestellt.

Der Künstler Marko Jakše erschafft in seinen Bildern scheinbar friedliche Welten und idyllische Naturlandschaften mit Bergen, Flüssen und Seen, Ziegen und Kaninchen. Doch der Hase hat Stoßzähne und eine Öffnung im Rücken. Über ihm hängen blutige Messer, gehalten von absonderlichen Kreaturen.
Es sind Bilder, auf denen der Blick haften bleibt und sich im Zwiespalt verliert. Marko Jakšes Werke erlauben ein Eintauchen in die Welt der Fantasie aber auch in die Welt des Schreckens.

Zwischen Traum und Realität

In allen von Jakšes Bildern finden sich faszinierende und zugleich abschreckende Details, die den Betrachter erschaudern lassen. Sie sind durchzogen von widersinnigen Absonderlichkeiten und abscheulichen Darstellungen und dennoch entfalten sie eine prächtige Welt voll mit der Magie des Fantastischen.
Jakše gibt seinen Tierwesen menschliche Züge und haucht ihnen eine Seele ein. Sehr detailliert lassen sie Mimiken und Emotionen erkennen.
Auf einem runden Tisch liegen Fleischbrocken, glatzköpfige Männer in Anzügen starren mit spitzen Zähnen und gierigen Fratzen aus dem Bild heraus. An der Wand hängt eine Pendeluhr und vor dem Fenster stehen die Palmen im Sonnenlicht. Obszön wirkende Gestalten und Fratzen treiben in Jakšes Kunstwelt ihr Unwesen.
Stechende Augen erscheinen aus den Säulen des Tempels, ein Heißluftballon fliegt mit abgerissenem Korb, Gebäude ragen von oben herab und Teile davon liegen auf dem Boden, in toten Fischen steckt noch das Messer.
Es gibt unheimliche Wesen ohne Kopf, aufgerissene Münder, fliegende Augäpfel und leere zombieähnliche Gesichter mit weit aufgerissenen Augen. Ein Klo thront in der Mitte des Palastes, links und rechts lungern ein weißer Elefant und eine pferdeähnliches Wesen in vermenschlichten Posen am Geländer.
Die Werke zeigen interessante Größenverhältnisse, nehmen ungewohnte Perspektiven ein und leben vom Gegensatz. Jakše ist ein Meister des Lichts, aber auch der Dunkelheit. Heile Traumwelten mit Tieren und Naturelementen werden von obskuren Begebenheiten entstellt und verzerrt.

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Mensch, Tier und Natur

Der 1959 in Ljubljana geborene Maler ist zweifellos ein Ausnahmekünstler. Seine genialen Werke bewegen sich zwischen dem Surrealismus, dem fantastischen Realismus und der Metaphysischen Malerei, entziehen sich jedoch jeglicher endgültigen Definition. Der Künstler selbst bezeichnet sein Schaffen auch als eine „hässliche Romantik“. Sein Atelier liegt in den Hügeln Ljubljanas im slowenischen Dorf Mohorje.
In seinen Bildern greift er auf verschiedene Mythologien zurück, darunter auch auf die mythologischen Begleiterscheinungen der modernen Welt, wie die Leidenschaften des Konsums. Seine Bilder durchqueren das Unbewusste, Surreale und Unbegreifliche und sind gleichzeitig sehr konkret.
Marko Jakše vertritt Slowenien auf der diesjährigen, 59. Biennale in Venedig. In der denkmalgeschützten Halle hängen seine großformatigen Werke auf 400 Quadratmeter. Drei Wochen hat der Künstler hier verbracht und die Wände selbst mit dunkler Farbe bemalt. Der aufgeschüttete Sand auf dem Boden dämpft die Schritte. Er wollte eine Stille, die beim Betrachten der Bilder einen intimen Moment der Ruhe erlaubt.


www.galeriesechzig.com, bis 25. Juni; Donnerstag und Freitag 16 bis 19 Uhr, Samstag 12 bis 16 Uhr.

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