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Denn Schönheit ist überall

07.05.2022 • 16:41 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Petra Knafl steht auf kreative Make-Ups. Sie will das Bodypainting in Vorarlberg etablieren. Denn da ist noch Luft nach oben.<br><span class="copyright">Stiplovsek </span><span class="copyright">Dietmar</span>
Petra Knafl steht auf kreative Make-Ups. Sie will das Bodypainting in Vorarlberg etablieren. Denn da ist noch Luft nach oben.
Stiplovsek Dietmar

Als sehr kreativ und ein bisschen ausgeflippt bezeichnet Petra Knafl die Körperkunst, die sie in Feldkirch erschafft.

Es werde Wald! Petra Knafl verteilt zügig und konzentriert verschiedene, leuchtende Grüntöne auf dem Dekolleté ihrer jüngeren Schwester Diana. Diese ist – wie so oft schon – Petras Model. Und genießt das. „Es kommt schließlich immer was Schönes raus!“, sagt sie. „Meine Schwester als Waldqueen vereint alles, was ich hier im Studio in Feldkirch, aber auch vorarlbergweit und international anbiete: Bodypainting, Hairstyling, Kreativ-Make-up, Körperabformen und Special Effects“, erklärt die 39-jährige Petra Knafl.
Am Ende wird sich Diana von allen Seiten im Spiegel betrachten und mal wieder begeistert sein. „Ich wunder’ mich immer, woher meine Schwester ihre Einfälle hat. Sie ist so wahnsinnig kreativ!“, sagt sie und macht Selfies mit dem Handy.
Bis es soweit ist, hat Diana sich in eine grüne Robe geworfen und Petra hat auch ihr Gesicht grün grundiert. Besondere Aufmerksamkeit bekommen die Augen, sie erhalten einen dunkelgrünen, raffiniert schattierten Lidschatten und grünen Glitzer zu den Wimpern hin. Ein Clou bei dem Outfit sind die Haare: Zuerst zu kleinen Wellen gekreppt, hat Petra ihrer Schwester einen schlichten und doch kunstvollen Zopf verpasst, um nun ein Stück Wald vorne-seitlich in ihren Haaren zu fixieren.
Moos bildet dabei den Untergrund, dazu kommen künstliches Efeu und Pilze aus Ästchen und spezieller Knete. Ein ähnlich gearbeitetes Stück platziert sie auf Dianas Schulter.

Kreative Looks

„Ich bin eher die Heißkleber-Frau, weniger die, die stundenlang näht“, gibt Petra Knafl später zu. Sie zeigt die in ihren Räumlichkeiten ausgestellten Kostüme, die ebenfalls ihre Phantasie und die technische Umsetzung demonstrieren. „Mir fällt immer was ein. Ich kann gar nicht so viele Leute stylen, wie ich Einfälle habe“, sagt sie.
Einmal im Monat schnappt sie sich ein, zwei Models und stylt sie nach einer Idee. Zum Beispiel als „Frühlingserwachen“ mit künstlichen Blumen und einem Vogelkäfig mit leuchtend blauen Schmetterlingen darin. Kein Wunder, dass sie regelmäßig neue Models sucht, die sich selbst neu entdecken wollen: „Irgendwann kenne ich die Gesichter und Körper auswendig“, verrät Knafl. „Ich suche immer wieder neue Herausforderungen.“ Sie freut sich sowohl über ausdrucksstarke als auch ältere Models. Denn Schönheit ist überall.

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DietmarStiplovsek

Brautstylings

Knafl bietet Brautstylings an, einen Service mit vielen kleinen Extras. Selbstverständlich ist für sie auch der vorherige Probetag, an dem sie sich die Zeit nimmt, die Braut und ihre Art kennenzulernen. Denn sie möchte durchs Schminken die natürliche Schönheit ihrer Kundinnen unterstreichen.
„Mein Startschuss war 2014, als ich meine Tochter öfter geschminkt habe und dadurch meine Leidenschaft erwachte“, erzählt die Selbstständige. Sie besuchte zahlreiche Kurse im Facepainting-Bereich, unter anderem auch einen Körperabformer-Kurs, seitdem sie den Bauch von Schwangeren mit Gips abformt und nach Belieben anmalt, in einen Bilderrahmen integriert oder mit Fuß- und Handabdrücken des Neugeborenen kombiniert. 2019 hat sie bei der Kosmetikfachmesse Beauty Forum in München beim Bodypainting Contest ausgeholfen. Anstrengend war’s, aber gelernt hat sie viel.

Visagistin und Make-Up-Artist

Als dann mit Corona die Hochzeiten und Events ausfielen, überlegte sie, wie sie die Zeit sinnvoll nutzen könnte. Sie absolvierte die Ausbildung als Visagistin und als Make-up-Artist in Tirol. Im Moment bildet sie sich an der Weddinghair Academy weiter. Eine Hochsaison ist Halloween, das ist jedes Jahr rasch ausgebucht. Knafl schminkt dann Wunden und bringt Latexteile an. „Grauslige Gestalten sind immer der Renner“, sagt sie.
Am zauberhaftesten ist für das geschminkte und hergerichtete Model am Ende der Blick in den Spiegel. Absichtlich hängen bei Knafl nämlich keine Spiegel, wo gestylt wird. So ist die Überraschung am Ende riesig, und auch die Visagistin selbst liebt den Aha-Moment, wo das Model die Luft anhält und es dann aus ihm herausbricht.


Besonders sind diese Momente beim Bodypainting. „Da können die Mal-Sessions bis zu acht Stunden dauern. Das Ergebnis ist dann ein Hammer. Leider wollen die meisten meiner Bodypainting-Kundinnen und -Kunden nicht, dass wir die Bilder veröffentlichen, es ist meistens für private Zwecke.“ Doch wann immer es möglich ist, lässt Knafl Profis fotografieren, was sie geschaffen hat, und teilt die heiß begehrten Bilder im Netz.
Ihre Ziele: Vergrößern, bekannter Werden und das Bodypainting in Vorarlberg etablieren. Denn hier gibt es noch einiges nachzuholen zum Beispiel im Vergleich zum angelsächsischen Raum.
Petra Knafls Tochter ist mittlerweile zum Teenager geworden und will in naher Zukunft auch bei Creative Make Ups mitwirken. Und Petras Schwester Diana wird wohl noch einige Male vor dem Spiegel stehen – mit dem „wow!“ im Gesicht.

Weitere Infos unter:
www.epu.wko.at