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Schuld an schwerem Unfall abgeschoben

11.05.2022 • 18:11 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Symbolbild<span class="copyright">klaus hartinger</span>
Symbolbildklaus hartinger

Angeklagte log, ihre Mutter sei auf Müllauto aufgefahren und habe Müllarbeiter schwer verletzt.

Nach zwei Stunden im Gerichtssaal war die Angeklagte doch noch geständig. Strafrichter Dietmar Nußbaumer hatte ihr zuvor mit einer zu verbüßenden Haftstrafe gedroht, sollte sie kein Geständnis ablegen. Bis dahin hatte die 27-Jährige behauptet, nicht sie, sondern ihre Mutter habe den schweren Verkehrsunfall verursacht.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Wegen grob fahrlässiger Körperverletzung, falscher Zeugenaussage vor der Polizei und Verleumdung wurde die unbescholtene Arbeitslose am Mittwoch am Landesgericht Feldkirch zu einer bedingten, nicht zu verbüßenden Haftstrafe von 15 Monaten und einer unbedingten, dem Gericht zu bezahlenden Geldstrafe von 720 Euro (180 Tagessätze zu je 4 Euro) verurteilt. Als Teilschmerzengeld hat die Türkin dem Unfallopfer 5000 Euro zukommen zu lassen. Das Urteil ist nur deshalb noch nicht rechtskräftig, weil die Angeklagte ohne Verteidiger erschienen ist und deshalb automatisch drei Tage Bedenkzeit erhielt. Die mögliche Höchststrafe wäre drei Jahre Gefängnis gewesen. Die verhängte kombinierte Strafe entspricht 18 Monaten Haft.

Die angeklagte Lenkerin eines Paketlieferwagens gab letztlich zu, dass sie am 20. Oktober 2020 am frühen Morgen in Sulz bei Dunkelheit mit 40 bis 50 km/h ungebremst auf ein vor ihr stehendes Müllauto aufgefahren ist. Dabei wurde ein hinten auf dem beleuchteten Müll-Lkw stehender Arbeiter gegen ihre Motorhaube geschleudert und schwer an einem Bein verletzt.

Opferanwältin Ingrid Neyer sagte, ihr Mandant werde wohl sein ganzes Leben lang weiterhin Schmerzen haben und Krücken benötigen. Der 57-Jährige könne seiner Fersenbeschwerden wegen nie mehr arbeiten. Dass die Angeklagte offenbar schon an der Unfallstelle den Plan entwickelt habe, ihre Mutter als Unfallfahrerin anzugeben, sei eine besondere Dreistigkeit. Als Tatmotiv für die Verleumdung gab die Angeklagte den ihr bereits seit 2018 entzogenen Führerschein an.