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Ukraine nimmt Transit-Gas nicht mehr an

11.05.2022 • 12:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gazprom hat bestätigt, dass weniger Gas durch die Ukraine in Richtung Europa geleitet wird
Gazprom hat bestätigt, dass weniger Gas durch die Ukraine in Richtung Europa geleitet wird AP

Gazprom bestätigt, das weniger Gas durch die Ukraine geleitet wird.

Die Ukraine bereitet nach Daten des ukrainischen Netzbetreibers OGTSU einen für Mittwoch angekündigten Transit-Stopp für russisches Gas durch die Region Luhansk im Osten vor. Das kann auch Auswirkungen auf die Versorgung in Europa haben. Auch Nachrichtenagenturen in Moskau beriefen sich auf diese Angaben. Eine offizielle Mitteilung mit einer Bestätigung des tatsächlich erfolgten Teil-Transitstopps gab es von ukrainischer Seite zunächst nicht.

Aus den Daten des Netzbetreibers OGTSU von heute in der Früh geht hervor, dass für die Durchleitung durch die Sojus-Pipeline in Richtung Westen für diesen Tag nur noch Aufträge des russischen Energieriesen Gazprom angenommen wurden, bei denen Gas in eine Station auf russischem Staatsgebiet gepumpt wird.

Weniger Gas Richtung Europa

Gazprom hat bestätigt, dass weniger Gas durch die Ukraine in Richtung Europa geleitet wird. „Gazprom liefert am 11. Mai russisches Gas im Umfang von 72 Millionen Kubikmetern für den Transit durch das Gebiet der Ukraine“, sagte Unternehmenssprecher Sergej Kuprijanow am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge. Am Vortag sei das Auftragsvolumen noch bei 95,8 Millionen Kubikmetern gelegen.

Stabile Gasmengen in Österreich

Der Druck in den Gasleitungen liege auf Normalniveau, heißt es aus dem Ministerium. Der Gastransport nach Österreich läuft über unterschiedliche Leitungen, ein großer Teil davon fließt auch über unterschiedliche Pipelines in der Ukraine. Die von der Ukraine angekündigte Einstellung des Transports betreffe nur einen Teil des ukrainischen Leitungsnetzes, betont man im Klimaschutzministerium. Über eine Verdichterstation in der Region Luhansk werde laut Berichten tatsächlich kein Gas geliefert. Andere Teile des Leitungsnetzes in der Ukraine seien aktuell jedoch nur gering ausgelastet. Die betroffene Gasmenge lasse sich deshalb voraussichtlich über andere Leitungen durch die Ukraine sowie über Nord Stream 1 ersetzen.

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„Die Gazprom hat angekündigt, die Lieferverträge weiterhin zu erfüllen“, heißt es aus dem Ministerium. „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass diese Ankündigungen nicht stimmen. Klar ist aber – Russland führt Krieg. Wir können uns auf Russland nicht verlassen.“ Das Klimaschutzministerium habe deshalb umfassende Pläne für den Ernstfall vorbereitet. „Sollten sich Auswirkungen auf die österreichische Gasversorgung ergeben, werden wir die notwendigen Schritte setzen.“

„Keine Engpässe drohen“

Nach Darstellung des deutschen Wirtschaftsministeriums drohen Deutschland derzeit keine Engpässe. „Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist aktuell weiter gewährleistet“, sagte eine Sprecherin am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

In Österreich kamen heute in der Früh die bestellten Gasmengen an, erklärte ein OMV-Sprecher. Der Marktgebietsmanager Austrian Gas Grid Management (AGGM) schreibt in seinem aktuellen Lagebericht: „Die Gasflüsse in Richtung aller österreichischen Marktgebiete, auch die Importe über die Ukraine, sind trotz aktueller Meldungen aus Luhansk derzeit stabil.“

Die Ukraine hatte am Dienstag mitgeteilt, den Transit von russischem Gas in Luhansk kriegsbedingt einstellen zu müssen. Damit fielen bis zu 32,6 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag weg – das sei fast ein Drittel der täglich über die Ukraine nach Europa transportierbaren Höchstmenge, hieß es. Aufgrund der russischen Besatzung sei es unmöglich geworden, den Punkt Sochraniwka sowie die Verdichterstation Nowopskow zu kontrollieren, hieß es. Der Betreiber berief sich auf einen Fall „höherer Gewalt“.