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Demonstrationen für Pflege

12.05.2022 • 19:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">PATRICK PLEUL<br></span>Symbolbild
PATRICK PLEUL
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Anlässlich des „Tages der Pflege“ am Donnerstag haben im ganzen Land Demonstrationen stattgefunden.

 In Wien nahmen – nach Veranstalter-Angaben – rund 10.000 Menschen an einer solchen der „Offensive Gesundheit“ teil. In Richtung Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) fanden die Demonstrierenden klare Worte. „Sparen sie sich am Tag der Pflege Worte der Dankbarkeit und der Wertschätzung für die Beschäftigten. Wir wollen nur noch Taten sehen!“, hieß es.

Wien/Innsbruck/Klagenfurt

Die „Offensive Gesundheit“, die zur Demo in Wien eingeladen hatte, ist ein Zusammenschluss der Gewerkschaften vida, GÖD, gpa, younion, der Wiener Ärztekammer, der Arbeiterkammer und des ÖGB. Mit der Kundgebung, die, wie die Offensive betonte, nur eine von vielen an diesem Donnerstag war, will man auf Missstände im Gesundheits- und Pflegebereich aufmerksam machen.

Über 70.000 Unterschriften unter der gemeinsamen parlamentarischen Bürgerinitiative „Achtung Gesundheit“ würden zeigen, wie viel Handlungsbedarf hier bestehe, sagte Reinhard Waldhör, Vorsitzender der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft. In Richtung Gesundheitsminister hatte er scharfe Worte: „Der Gesundheitsminister muss spüren, dass es in Sachen Gesundheit und Pflege jetzt kein Verzögern mehr geben darf! Es braucht endlich Taten statt salbungsvoller Worte!“.

Diese Taten folgten dann auch. Nicht zufällig wurde am „Tag der Pflege“ der erste Schritt der Pflegereform beschlossen. Die Vertreter der „Offensive Gesundheit“ sahen das als Ergebnis großteils positiv, es komme aber auf die Umsetzung an, sagte Barbara Teiber, Vorsitzende der Gewerkschaft GPA im Vorfeld der Demonstration. Der erste Schritt in Sachen Pflegereform sei das Ergebnis des jahrelangen gewerkschaftlichen Drucks.

Einige Demonstrierende sahen den Zeitpunkt des heute von der Regierung bekannt gegebenen Maßnahmenpaketes alles andere als zufällig. Es sei „ein Zuckerl“, und ein Versuch, den Demonstrierenden „das Thema auszustechen“.

Erster Demozug in Wien

Der erste Demozug startete um 15 Uhr bei Wien Mitte und zog von dort aus durch die Stadt. Die Endkundgebung fand dann im Sigmund-Freud-Park vor der Votivkirche statt. Nach der Abschlusskundgebung wurde die Demonstration mit einem Konzert der Band Russkaja beendet. Neben mehr Lohn fand sich die Forderung nach einer 30- oder 35-Stunden Woche auf einigen Plakaten. Außerdem solle die Pflege unter die Schwerarbeiterregelung fallen.

„Die Pflege ist ein Intensivpatient, dem heute von der Bundesregierung die Verlegung auf die Normalstation in Aussicht gestellt wurde. Eine Entlassung ist leider noch nicht drinnen“, kommentiert ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian. Das von der Regierung vorgelegte Paket seien „zwei drei kleine Schritte in die richtige Richtung“, so AK-Wien Präsidentin Renate Anderl. Die Arbeiterkammer werde darauf schauen, dass „die Überschriften nicht Überschriften bleiben“.

Auch Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft vida, reiht sich in die Liste der Kritiker ein: „Koste es was es wolle, hieß es bei Wirtschaftshilfen. Ohne mit der Wimper zu zucken, wurden da Milliarden ausgegeben. Es braucht jetzt endlich die versprochenen Investitionen im Gesundheits- und Pflegebereich.“

Die heute angekündigten 600 Euro für Auszubildende seien „nett, aber ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagte eine Vertreterin der Auszubildenden im Pflegebereich. Auszubildende seien die letzten Jahre massiv gefordert gewesen, von Anfang an in die Pandemiebekämpfung involviert gewesen und würden den normalen Stationsalltag zum Teil gar nicht kennen.

Damit der bevorstehende Generationenwechsel geschafft werde, brauche es genug Ausbildungsplätze und Zeit, sich um die Studierenden zu kümmern, sagte eine Pflegerin bei der Abschlusskundgebung. Nach wie vor würden Studierende im Sommer zum „Notnagel“ werden, und Pfleger und Pflegerinnen ersetzen.

Weitere Demonstrationen geplant

Die Veranstalter kündigten auch für die Zukunft weitere Demonstrationen an. Es sei wichtig „365 Tage im Jahr, und nicht nur am Tag der Pflege“ für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen.

Demonstriert wurde neben Wien auch in Innsbruck, Klagenfurt, Linz und Graz. In der Tiroler Landeshauptstadt ging die Polizei von rund 1.300 Teilnehmern aus. Lärmend und mit zahlreichen Schildern gewappnet zog der Demonstrationszug am frühen Donnerstagnachmittag vom Bahnhof zunächst zur Klinik, wo sich eine größere Gruppe an Pflegekräften anschloss, und dann weiter zum Landhausplatz.

Dort forderte Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth im Rahmen der Schlusskundgebung von Sozialminister Rauch Tempo bei den in Aussicht gestellten Maßnahmen ein. Die Protestierenden pochten auf Schildern und Transparenten auf mehr Lohn, Freizeit und Personal, und wiesen darauf hin, dass der Pflegenotstand „heilbar“ sei. „Wir stehen unmittelbar vor einem Kollaps unseres Gesundheitssystems!“, drängte auch Gerhard Seier, Vorsitzender der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD), darauf, schnell ins Handeln zu kommen.