_Homepage

Land kauft sich in einen Gasspeicher ein

17.05.2022 • 18:44 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">NEUE</span>
NEUE

Mit den in Ostösterreich gelagerten Reserven will man im Notfall Versorgungslücken füllen.

In demonstrativer Normalität traten Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) und Landesrat Daniel Zadra (Grüne) am Dienstag nach der Regierungssitzung vor die Medien. Die zur Schau gestellte Gelassenheit erschein nicht nur angesichts des Themas des Pressefoyers oberflächlich.
Nach Wochen der Debatte um die Position der ÖVP und des Landeshauptmannes im Kartenhaus des Wirtschaftsbunddebakels, wendete man sich mit der Gasversorgung wieder einem Sachthema zu. Dass das Land in der Angelegenheit weder in Gesetzgebung noch in Vollziehung nennenswerte Zuständigkeiten besitzt, blieb nebensächlich. Jeder müsse „sein Instrument spielen“, erklärte Landesrat Zadra und verwies auf die Maßnahmen der EU-Kommission und des Bundes. „Es ist gut, wenn der Bund sich vorbereitet, aber wir dürfen nicht so lange warten“, so Wallner.

Gasversorgung

Die Illwerke VKW schließen längerfristige Gaslieferverträge ab und kaufen außerdem kurzfristig Erdgas zu. Da kurzfristige Lieferungen derzeit leichter zu bekommen sind, soll dieses Gas nun eingespeichert und im Winter verwendet werden.

Eine Bitte an die VKW

Als Instrument des Landes erwiesen sich die Illwerke VKW, die auch das Gasnetz in Vorarlberg betreiben. Man habe hier „mit einem sehr aktiven Landesenergieversorger“, auf den man sehr stolz sein könne, einen großen Vorteil, so Zadra.
Vorbei scheinen auch die Zeiten, in denen man sich jede politische Einmischung ins Tagesgeschäft eines Landesunternehmens verbat. Man habe die VKW beauftragt oder vielmehr gebeten, Speichermöglichkeiten für das in Vorarlberg benötigte Erdgas zu suchen, erklärte der Landeshauptmann. Derzeit spreche nichts dafür, dass die Gasversorgnung – die wie in Tirol von Deutschland aus erfolgt – zum Erliegen kommen könnte. Das könne sich aber auch schnell ändern. Er werde „schon unruhig“, wenn er sehe wie die Lieferungen an manche Länder von heute auf morgen eingestellt würden, so Wallner. „Wir befinden uns in geopolitisch sehr unruhigen Zeiten“, befand auch sein Koalitionspartner. Daher habe man sich entschlossen, sich Gasspeicherkapazitäten in Ostösterreich auf drei Jahre zu sichern.

Speicher füllen sich langsam

Österreich sei in der glücklichen Lage, seinen ganzen Jahresverbrauch an Gas einzulagern. Was allerdings bisher unterblieben ist. EU-weit bestehen dafür nur Lagerkapazitäten für 27 Prozent des Jahresbedarfs. Die Lager würden sich aber derzeit wieder füllen, bestätigte der ebenfalls anwesende Illwerke-VKW-Vorstand Helmut Mennel. Täglich würden derzeit in Europa 0,46 Prozent des Speichervolumens gefüllt, in Österreich liege die Rate etwas höher.
Mit der Sicherung einer Speichermöglichkeit schaffe man auch eine Diversifizierung der Kosten. Am täglichen Gasmarkt bekommen man aktuell noch leicht Mengen zu kaufen, künftige Lieferungen für die kalte Jahreszeit seien allerdings nur noch schwer zu vereinbaren. Ab 1. Juni kauft man daher Gas und lagert es für den nächsten Winter im Speicher „7Fields“ in Oberösterreich, einem Joint Venture der österreichischen RAG mit der mehrheitlich finnischen Uniper. Insgesamt erstehe man Kapazitäten für Gas mit einem Energiewert von 500 Gigawattstunden, etwa zwei Prozent des Speichervolumens von „7Fields“ und ungefähr ein Fünftel des Jahresverbrauches Vorarlbergs. Es gehe darum, sich auf zwei Füße zu stellen, was die Versorgungssicherheit betrefffe, betont man beim Land. In Vorarlberg selbst gibt es keine Erdgasspeicher, als solche werden vor allem ehemalige Lagerstätten genutzt, wie es sie in Ostösterreich gibt.
Da Vorarlberg über das deutsche Netz versorgt wird, ist es von Vorteil, dass der genannte Speicher auch daran angeschlossen ist. Die Lieferung des dort eingelagerten Gases sei im Ernstfall auch möglich. Allerdings betont man beim Land, dass eine europäische Lösung im Fall eines Gasboykotts durch Russland dringen notwendig sei. Man dürfe „nicht reagieren, wie in der Pandemie“ so Landeshauptmann Wallner. „Ein Virus ist etwas anderes als die Gasversorgung.“