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Kunst zum Anfassen und Mitspielen

18.05.2022 • 21:59 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ausstellung_"SpielART"<br><span class="copyright">Ulrich Jassniger</span>
Ausstellung_"SpielART"
Ulrich Jassniger

Interview. Bis 23. Oktober ist im Schloss Achberg die Ausstellung „SpielART“ zu sehen.

Ravensburg ist weltbekannt für Spiele und Kinderbücher. Anlass genug, um in der aktuellen Ausstellung „SpielART“auf Schloss Achberg im Allgäu die Verbindung von Kunst und Spiel in den Fokus zu stellen. Bis zum 23. Oktober können interessierte Besucher anhand von Werken 14 zeitgenössischer Künstler, eines Künstlerduos und eines Computerspiel-Entwicklers spielerischen, kulturhistorischen und künstlerischen Aspekten der präsentierten Werke nachspüren.
Die Arbeiten von Christian Jankowski, Rosalie, Erwin Wurm und vielen mehr wirken in den barocken Räumen von Schloss Achberg besonders eindrucksvoll. Einige wurden eigens für die Präsentation in den Räumen von Schloss Achberg entworfen oder dafür angepasst.

Der Titel der Ausstellung SpielART offenbart die Gemeinsamkeit von Spiel und Kunst. Wo sind die Schnittstellen von Spiel und Kunst, wie lassen sich diese beiden Komponenten verbinden?
Ilonka Czerny:
Es gibt nicht die Gemeinsamkeit von Spiel und Kunst. Schnittstellen gibt es dort, wo Kunst und Spiel sich begegnen, wenn es Künstler gibt, die sich darauf einlassen, spielerische Methoden in ein oder mehrere Kunstwerke einzubauen. Diese Ausstellung geht auf jeden Fall von dieser Reihenfolge aus: Zuerst Künstler und Kunst und möglicherweise Spiel, nicht die umgekehrte Reihenfolge. Das ist mir als Kuratorin sehr wichtig.

Wie gestaltet sich die Ausstellung auf Schloss Achberg? Was erwartet den Besucher?
Czerny:
In den wunderbaren Räumen des Schlosses entfaltet sich die volle Variation von unterschiedlichsten Kunst- und Spielmöglichkeiten. Bei der Auswahl der Künstler ist es mir wichtig gewesen, dass sie sich auch mit dem Thema identifizieren können und dass ihre Werke Möglichkeiten der Partizipation bieten. Das Mitspielen ist grundsätzlich erlaubt, sogar erwünscht. Die Werke dürfen großteils angefasst und benutzt werden, was in Kunstausstellungen eine Ausnahme darstellt. Nur bei zwei Werkkomplexen von insgesamt 17 dürfen nur die „Augen mitspielen“. Die kunsthistorische, kultur- und sozialgeschichtliche Dimension kann der Besucher in einer Begleitbroschüre nachlesen, die als Spielanleitung konzipiert ist. Bei jedem Kunstwerk sind zwei Karten zu sammeln, die am Ende drei Spielformen für zu Hause ermöglichen: ein Quartett, ein Trumpf- und ein Legespiel.

Sie haben Kunstgeschichte studiert und sind an der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart für den Fachbereich Kunst ­zuständig. Was reizt sie an „Kunst“ – warum Kunst? Welche Bedeutung hat Kunst für Sie persönlich?
Czerny:
Abgesehen davon, dass Kunst in allen Facetten nicht nur mein Beruf ist, sondern auch zu meinen Hobbys gehört, bin ich leidenschaftliche Kunsthistorikerin. Ich bezeichne mich manchmal auch als regelrechte „Kunstmissionarin“, weil ich möchte, dass auch viele andere Menschen dieses Abenteuer Kunst kennenlernen, um auch diese Horizonterweiterung zu erfahren. Zudem kann Kunst auch nur in einer Demokratie umfänglich kreiert werden, alle „verordnete Kunst“ ist keine Kunst. Kunst braucht Freiheit, um existieren zu können, und soll dabei die Grenzen von anderen berücksichtigen.

Wie hat sich das Spielen im Lauf der Zeit verändert?
Czerny:
Es hat sich nicht verändert, es hat sich erweitert. Frühe Spielzeuge wie beispielsweise Schwert, Pfeil und Bogen gibt es immer noch, parallel gab es Brett- und Würfelspiele. Schach, Backgammon und das Würfelspiel gibt es schon seit Jahrtausenden. Das fasziniert mich persönlich! Einzelne Spiele sind immer noch erhalten und wurden von allen gesellschaftlichen Schichten gespielt. Seit den 1970er-Jahren ist ein großer Anstieg von Spielvariationen im Spielesegment zu verzeichnen, und in den 1980er-Jahren eroberten die digitalen Spiele den Markt. Corona hat die Zeit für das Spielen auch noch einmal verändert. Die Spielaktivität hat sich dadurch laut Forschungen sehr erhöht.

Geöffnet: Freitag von 14 bis 18 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertage von 11 bis 18 Uhr.

Susanne Emerich

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