_Homepage

Ein jeder Stein an seinem Platz

23.05.2022 • 14:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bria und Christoph Heinzle in ihrem „Pflanzen-Stein-Reich“. <span class="copyright">Klaus hartinger</span>
Bria und Christoph Heinzle in ihrem „Pflanzen-Stein-Reich“. Klaus hartinger

Uralte Bauweise, ökologisches Biotop, ästhetisch obendrein.

Nicht alle haben blaue Schafe des Künstlers Rainer Bonk auf dem eigenen, extensiv begrünten Hausdach. Nicht alle verschenken Pflanzen an Vorbeikommende. Nicht alle sind Preisträger des Grand Prix der Biodiversität.
Aber alle können wie Bria und Christoph Heinzle Vorbild sein, zum Umdenken für mehr Artenvielfalt im Garten anregen, die Welt ein Stück verändern. Vor Jahren brannte das Haus der Heinzles ab. Es war ein altes Holzhaus, gebaut auf Grundmauern aus Sandstein. Rasch begannen sie in der Folge mit dem Neubau und der Gartengestaltung. Bei einer Begegnung mit dem Trockensteinmauer-Experten Martin Lutz aus der Schweiz meinte dieser: „Verkauft die Sandsteine nicht, die sind wertvoll. Verbaut sie lieber.“


Der Start dieses Mammut-Projektes in Form eines Trockensteinmauer-Praxiskurses mit Martin Lutz als Referent kam dann 2011 zustande. Über 300 Tonnen Sandsteine verbauten die Heinzles in den Folgejahren in ihrem Garten zu Wegen, Beeteinfassungen, Kräuterspiralen, Sitzhalbrunden und Grenzmauern. Elf Jahre später schließt sich der „Steinkreis“: Mit einem Praxiskurs im Juni wird die letzte (Stein-)Lücke, eine Grenzmauer südseitig, geschlossen. Referent ist wiederum Martin Lutz.

<span class="copyright">Klaus hartinger</span>
Klaus hartinger

Ein kleines Paradies

Der große Privatgarten „Pflanzen-Stein-Reich“ liegt von der Straße aus uneinsichtig hinterm Haus und beginnt schmal mit einem großen Teich, in dem auch eine Krebsschere, eine Wasserpflanze, wächst, die die herausragende Wasserqualität anzeigt. Das Gelände öffnet sich mit von Steinen umfriedeten Beeten, in denen sich manches selbst versamen darf, wie Salat oder die Mohnbrötchenblume.
Anderes verwächst mit dem Garten wie die hier eingebeetete und eingebettete Kunst zeitgenössischer Künstler.
Geradeaus öffnet sich ein Sitzhalbrund zu einer Feuerstelle hin, trockensteingemauert aus den alten Sandsteinen des Hausfundaments. „Beim Trockensteinmauern wird am Anfang viel geredet, spätestens am dritten Tag herrscht dann einvernehmliches Schweigen, dafür geht die Arbeit trefflich voran. Meine Frau wählte nur dem Blick nach zum Beispiel den exakt passenden Schlussstein für den Teichrand aus“, so die Erfahrung.

<span class="copyright">Klaus hartinger</span>
Klaus hartinger

Alte Kunst

Trockensteinmauern ist eine alte Kunst, die ohne Mörtel auskommt. Es gibt Werkzeug, um den Stein zu behauen, aber am besten ist es, man findet für jeden Stein seinen ureigenen Platz im Gefüge. „Das Handwerk des Trockensteinmauerns ist seit 2021 immaterielles Kulturerbe der Unesco“, erzählt Christoph Heinzle. „Unsere Sandsteine aus einem aufgelassenen Steinbruch in der Nähe haben eine ähnliche Dichte wie Granit. Da wiegt ein klein wirkender Stein schnell mal 60 Kilogramm und mehr, und da haben wir uns zum Fortbewegen der Steine auf die Techniken der alten Ägypter besonnen – Hebelwirkung ausnutzen, auf Rollen transportieren, wenn möglich Köpfchen statt Körper einsetzen.“
Der jetzige Trockensteinmauer-Kurs ist bereits ausgebucht, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen kommen aus Tirol, Deutschland, der Schweiz und auch aus dem Ländle. Die Kunst des Trockensteinmauerns und die Kunst auf dem Dach und im Garten der Heinzles, sie werden im Tun wie im Gespräch weitergetragen.