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Behindert seit Geburt: Prozess um Millionen

24.05.2022 • 18:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Krankenhaus in Feldkirch.<span class="copyright">Klaus hartinger</span>
Das Krankenhaus in Feldkirch.Klaus hartinger

In Klage wird behauptet, Spital habe Kaiserschnitt zu spät vorgenommen.

„Vinzent spuckt Blut!“ Diese telefonische Nachricht erhielt die Kindesmutter am Dienstag um 13.42 Uhr während ihrer Befragung am Landesgericht Feldkirch. Daraufhin fuhr die 36-Jährige aus dem Bezirk Feldkirch sofort heim zu ihrem Sohn. Zuvor hatte die Mutter des gelähmten Klägers zu Protokoll gegeben, sie habe sich die Pflege ihres stark eingeschränkten Sohnes zur Lebensaufgabe gemacht. Sie habe ihren Beruf als diplomierte Kinderkrankenschwester aufgegeben und betreue zu Hause den Fünfeinhalbjährigen, der nicht gehen, nicht sitzen und nicht reden könne. Für Umbauten am Haus und am Auto und für Therapien habe sich die Familie verschuldet. Dem Buben, der oft auch in der Nacht Krampfanfälle erleide, solle es so gut wie möglich gehen.

Von einer Tragödie, unabhängig vom Ausgang des Zivilprozesses, sprach Zivilrichterin Yvonne Summer bei der jüngsten und noch nicht letzten Verhandlung vor ihrem erstinstanzlichen Urteil. Denn der Kläger ist seit seiner Geburt im Dezember 2016 schwer behindert und wird es wohl sein Leben lang bleiben

Schwere Geburtsschäden

Für die schweren Geburtsschäden macht Klagsvertreter Hans-Jörg Vogl die beklagte Krankenhausbetriebsgesellschaft verantwortlich. Denn im Landeskrankenhaus Feldkirch, so die Klage, sei trotz verdächtiger Herztöne beim ungeborenen Kind der Kaiserschnitt bei der Schwangeren um mehrere Stunden zu spät vorgenommen worden. Deshalb habe Sauerstoffmangel beim Kind zu schweren Hirnschäden und dadurch zu den Behinderungen geführt.

Vogl schätzte vor Gericht den lebenslangen Pflegeaufwand für den behinderten Kläger mit 17 Millionen Euro ein. Die Versicherung des Spitals wolle aber nur drei Millionen Euro bezahlen. Das stimme nicht, erwiderte Beklagtenvertreter Michael Brandauer. Gespräche für eine gütliche Einigung seien bislang am Klagsvertreter gescheitert, der die hundertprozentige Haftung der beklagten Partei verlange.

Der Beklagtenvertreter beantragt im Prozess die Abweisung der Klage, weil kein Behandlungsfehler vorliege. Die schweren Komplikationen bei der Geburt seien schicksalshaft entstanden. Ein Mitverschulden daran sei allenfalls der Kindesmutter anzulasten. Weil sie im Spital erst kurz vor der Geburt der Einnahme von Antibiotika zur Vermeidung von Infektionen zugestimmt habe. Sie habe dem Kind Schmerzen als Nebenwirkungen von Antibiotika ersparen wollen, sagte dazu die Kindesmutter. 

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