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Keine millionschweren Investitionen

24.05.2022 • 19:23 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Firmen sind beim Bauen zur Zeit sehr zurückhaltend.<span class="copyright">HARALD SCHNEIDER</span>
Die Firmen sind beim Bauen zur Zeit sehr zurückhaltend.HARALD SCHNEIDER

Viele Industrie- und Gewerbebetriebe legen Pläne für Neu- oder Erweiterungsbauten auf Eis.

Den Industrie- und Gewerbebetrieben in Vorarlberg vergeht allem Anschein nach die Lust an millionenschweren Investitionen in Neu- oder Erweiterungsbauten an ihren Stammsitzen oder sonstigen Standorten im Ländle. Das zeigt jedenfalls ein Blick in die regelmäßig aktualisierten Kundmachungen bei den vier Bezirkshauptmannschaften, wo seit jeher über zukünftige (aber nicht über bereits laufende) Neu- oder Ausbauvorhaben der Betriebe öffentlich informiert wird.
Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren findet sich seit rund eineinhalb Monaten mehr oder weniger kein nennenswertes geplantes Neubau- oder Erweiterungsvorhaben eines Industrie- oder Gewerbebetriebes mehr in diesen Kundmachungen. Normalerweise wurde bislang in der Regel mindestens einmal pro Woche bei einer der vier Bezirkshauptmannschaften ein größeres geplantes Bauprojekt aus diesem Unternehmenskreis kundgetan. Jetzt herrscht schon längere Zeit gut sichtbare Ebbe.

Spezialist für Industriebauten

Diesen Eindruck bestätigt auch Georg Vallaster, der Geschäftsführer der auf Industrie- und Gewerbebauten spezialisierten Goldbeck Rhomberg GmbH in Wolfurt. Das Generalunternehmen zählt zu den führenden Branchenvertretern in Vorarlberg. Pro Jahr werden von Goldbeck Rhomberg in Österreich und der Schweiz etwa 30 Industrie- und Gewerbebauprojekte umgesetzt. „Es ist jetzt eine deutliche Zurückhaltung bei den Kunden zu spüren. Das gilt mehr oder weniger für alle Branchen mit Ausnahme der Logistikbetriebe, wo in Ostösterreich an den großen Logistikdrehkreuzen nach wie vor massiv ausgebaut wird“, so Vallaster im wpa-Gespräch. Alle anderen Projekte seien bei den Kunden auf dem Prüfstand.
Man spüre die Zurückhaltung einerseits darin, dass bei vorgesehenen Bauprojekten, die in der Planung schon weit fortgeschritten sind, gegenwärtig keine weiteren Entscheidungen mehr für die finale Umsetzung fallen. „Die Gründe dafür sind uns nicht immer bekannt. Aber in den meisten Fällen dürfte es sich um die allgemeine Unsicherheit in Bezug auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung handeln.“ Andererseits gehe auch die Anzahl von Erstanfragen zu neuen Projekten erkennbar zurück. „Dazu muss man wissen, dass bei uns vom Erstgespräch bis hin zur Projektumsetzung in der Regel ein Jahr vergeht.“ Dass derzeit kaum geplante Großprojekte im Industrie- und Gewerbebau vorhanden sind, zeige sich auch darin, dass bei den Behörden vergleichsweise geringe Wartezeiten für Bauverhandlungen oder ähnliche Termine vorherrschen würden, so Vallaster.

„Dass die Preise auf das Niveau von vor wenigen Jahren sinken, halte ich unwahrscheinlich. Eher kommt es zu keinen Steigerungen mehr.“

Georg Vallaster, Goldbeck Rhomberg GmbH
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Ausblick für 2023 sehr unsicher

Der Goldbeck Rhomberg-Geschäftsführer schildert die Situation kurzerhand so: „Bis Oktober sind noch alle Bauunternehmen und zeitversetzt bis Ende 2022 die nachgelagerten Branchen aus dem Baunebengewerbe knallvoll mit Aufträgen. Ab 2023 wird es dann zumindest für eine Zeitlang keine großen Aufträge mehr geben.“ Das würde sich schon jetzt allein aufgrund der Vorlaufzeiten solcher Projekte deutlich abzeichnen. Goldbeck Rhomberg gehe folglich für heuer noch von einem sehr guten Jahr aus, der Ausblick für 2023 sei jedoch sehr unsicher.
Der Einfluss der Covid-Investitionsprämie (Anmeldung bis Februar 2021, bauliche Umsetzung bis Februar 2023), mit der geplante Bauprojekte möglicherweise über längere Zeit vorgezogen wurden, ist nach Einschätzung von Vallaster für die aktuelle Entwicklung eher vernachlässigbar. „Wir haben kein einziges Projekt, das nur wegen dieser Prämie angegangen wurde. Wenn, dann wurde bei Projekten in Planung höchstens die Entscheidung beschleunigt, um die Frist nicht zu versäumen.“ Bei den allermeisten Firmen habe man diese Förderung jedoch nur „mitgenommen“. Sie habe keine Bedeutung für die Investitionsentscheidung an sich gehabt, die längst gefallen war.
Dass die offenbar vor einer gewissen Abkühlung stehende Überhitzung der Vorarlberger Baubranche insbesondere im Industrie- und Gewerbebereich möglicherweise auch ein Abflachen der Preisrally mit sich bringt, ist für Vallaster noch offen. „Dass die Preise auf das Niveau von vor wenigen Jahren sinken, halte ich für unwahrscheinlich. Eher kommt es zu keinen Steigerungen mehr.“ Man könne jedoch davon ausgehen, dass die generelle Verfügbarkeit von Baufirmen und Handwerksbetrieben in Zukunft wieder besser werde, wenn die Großbaustellen hierzulande weniger werden.


Goldbeck Rhomberg beschäftigt an den Standorten Wolfurt, Wien, Graz, Linz, Salzburg, Fritzens und St. Gallen (CH) sowie Ruggell (FL) an die 200 Mitarbeitende Das Unternehmen ist ein Joint Venture der Vorarlberger Baufirmengruppe Rhomberg und des deutschen Bauunternehmens Goldbeck.

Günther Bitschnau

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