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Verwirrung um Aufnahmetests

24.05.2022 • 19:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Internes Schreiben der Bildungsdirektion sorgte für Unmut bei der SPÖ.

Ein internes Schreiben der Bildungsdirektion, das gestern über die SPÖ an die Öffentlichkeit gelangte, hat am Dienstag für reichlich Irritationen gesorgt. Laut der Landtagsabgeordneten Manuela Auer lege das Papier nahe, dass ein Aufnahmetest für Gymnasien geplant sei. Nachdem die Bildungsdirektion dies in Abrede gestellt hatte, forderte Auer Landestatthalterin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) auf, Stellung zu beziehen.
Diese ließ am Dienstag auf NEUE-Anfrage wissen, dass sich eine Arbeitsgruppe mit der Frage auseinandergesetzt habe, wie die Schnittstelle zwischen Volksschule und der Unterstufe des Gymnasiums verbessert werden könne. „Von einer Aufnahmeprüfung ist nie die Rede gewesen, das wäre gesetzlich auch gar nicht möglich“, so Schöbi-Fink. Die Idee einer einheitlichen Mathematik- und Deutschschularbeit für die vierten Volksschulklassen sei nach Gesprächen mit drei Direktoren „in der Sekunde“ verworfen worden. Die Direktoren befürchteten etwa, dass diese Schularbeiten einerseits aus Sicht der Eltern automatisch eine höhere Gewichtung bekommen würden. Zudem seien Schularbeiten nur eine Momentaufnahme.
Von dem konkreten Schreiben habe sie keine Kenntnis ge­habt, so Schöbi-Fink. Es müsse allerdings erlaubt sein, Überlegungen anzustellen, wie die Situation verbessert werden könne, verwehrt sich die für Bildung zuständige Landesstatthalterin gegen die Kritik von Auer.

<br><span class="copyright">Mathis Fotografie</span>

Mathis Fotografie

„Es muss erlaubt sein, Überlegungen anzustellen, wie man die Situation verbessern kann.“

Barbara Schöbii-Fink,
Landesstatthalterin

Das “Einser”-Problem

Hintergrund der Überlegungen ist ein altes Problem, das sich nun immer mehr zu verschärfen scheint. So müssen in Vorarlberg trotz guter Noten immer mehr Volksschüler abgewiesen bzw. in anderen Sprengeln untergebracht werden. Besonders eklatant zeigt sich dies im Ballungsraum Dornbirn. Laut dem Schreiben der Bildungsdirektion konnten im BRG Schoren heuer nur Schüler mit lauter Einsern aufgenommen werden. Auf maximal 120 Schulplätze kamen dort 123 Anmeldungen mit lauter Einsern. Weil Schüler mit einem „Gut“ auf die Bundesgymnasien in Dornbirn und Lustenau verwiesen wurden, sei es auch dort zur Situation gekommen, Schüler mit einem „Gut“ abweisen zu müssen.

Eltern machen Druck

Auch Andreas Kappaurer, Pädagogischer Leiter der Bildungsdirektion, bekräftigt, dass die einheitlichen Schularbeiten nicht als Aufnahmeprüfung gedacht waren, sondern vielmehr als Unterstützung für die Volksschullehrer, um die Notengebung gegenüber den Eltern besser argumentieren zu können. Der Druck auf die Volksschullehrer seitens der Eltern steige nämlich zusehends. Nach dem negativen Urteil einzelner Direktoren soll nun über geeignetere Maßnahmen nachgedacht werden, wie Kappaurer mitteilte. Auer befürchtete angesichts des publik gewordenen Papiers eine „Aufnahmeprüfung durch die Hintertür. Auch, wenn man den Begriff ‚Aufnahmetest‘ geschickt umgehe, habe man genau das vor“, meint sie und führt aus: „Geplant sind gemeinsame Schularbeiten an Volksschulen mit dem Zweck, die Kinder anhand der Ergebnisse selektieren zu können.“ Es sei hinreichend belegt, wie wenig aussagekräftig einmalige Prüfungen sind. „Sie hängen vor allem von der jeweiligen Tagesverfassung der Prüflinge ab. Entscheidungen, die anhand solcher Prüfungen getroffen werden, sind höchst ungerecht und erhöhen den Druck auf die Kinder enorm.“

Gemeinsame Schule

Auer erinnert an das im Regierungsprogramm festgeschriebene Bekenntnis zur Einführung der Gemeinsamen Schule. „Derartige Aufnahmetests gehen aber genau in die andere Richtung und erhöhen den Selektionsdruck bei zehnjährigen Kindern.“ Alle Energie müsse jetzt in die Umsetzung der Gemeinsamen Schule fließen.

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