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Wo der Alltag sich zu
Kunst entfaltet

24.05.2022 • 15:03 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Vor drei Jahren hat sich Klaudia Moosbrugger in Schoppernau selbstständig gemacht. <span class="copyright">klaus hartinger</span>
Vor drei Jahren hat sich Klaudia Moosbrugger in Schoppernau selbstständig gemacht. klaus hartinger

Klaudia Moosbrugger hat sich mit „Falt­art“ selbständig gemacht.

Klaudia Moosbrugger liebt die Präzision. Wenn Falz genau auf Falz zu liegen kommt. Wenn keine unnötigen Falten im Papier sind. Sie faltet so lange, bis jeder Schritt sitzt. Dann hat sie das Faltmuster im Kopf. Das fertige Papierstück und den ganzen, manchmal langen Weg dorthin. Wenn dann auch noch das Papier mitspielt, sich gerne und gut falten lässt, auch gefaltet gut aussieht, vielleicht ungewöhnlich edel oder poppig, dann weiß Moosbrugger, dass sie es wieder geschafft hat. Den nächsten Schritt auf ihrem Weg als Unternehmerin von „Falt­art“.
Vor drei Jahren hat sich die inzwischen 52-Jährige mit ihrem Unternehmen selbständig gemacht. Davor war sie im Bibliothekswesen beschäftigt. Ihr neuer Arbeitsplatz ist im Wohnzimmer im Haus der Familie in Schoppernau beheimatet. Mit Aussicht zu drei Seiten hin zu saftigen Wiesen, klingend weidenden Kühen und Bergen mit noch weißen Spitzen.

Strenge und Spiel

Tatsächlich ist es Kunst, was sie macht. Die Kunst, etwas Alltägliches wie eine kleine Papierschachtel in einen Hingucker zu verwandeln. Ihre Kraniche so zu falten, dass sie majestätisch schweben. Ein nobles cremeweißes Papier so mit Dreiecken zu übersäen, dass man gebannt ist beim Hinschauen. Vasen zu entwickeln, die scheinbar aus sich herauswollen und gleichzeitig in ihrem Muster ruhen. Lampions für Lichterketten, die nicht nur der Lichter wegen leuchten.
Und dann gefaltete Objekte, die in den Raum springen und dort fröhlich ihren Platz beanspruchen, wenn auch einen sich verändernden Platz, weil sie „Magic Ball“ heißen und mal kugelfischrund, mal flach und dann wieder länglich sein können, in sich aber zusätzlich ein strenges geometrisches Muster haben. Dann weiß man, dass Mathematik und Kunst, Strenge und Kreativität sich nicht gegenseitig ausschließen müssen, sondern sich befruchten können.

KLAUS HARTINGER
KLAUS HARTINGER

Blumen und Rhythmisches

Die Ergebnisse bevölkern das Haus von Moosbrugger und ihrer Familie. Die überdimensional geöffnete Blüte einer Papierblume begrüßt den Besuch im Treppenhaus. Vor dem Schoppernauer Urlaubspanorama in den Fenstern tanzen Mobiles mit „Diamanten“ genannten geometrischen Fast-Kugeln um die Wette.
Auf dem Fußboden stehen Vasen mit bunten Mohnblumen – unnötig zu erwähnen, dass sie aus Krepppapier sind. Bei der 52-Jährigen ist das aber nicht einfach Krepppapier. Denn dieses spezielle Papier lässt sich unter ihren Fingern zwar gern verarbeiten, seine Farbe blutet aber aus, wenn es mit Wasser in Berührung kommt. Moosbrugger hat sich also auf die Suche nach nicht ausblutendem Krepppapier begeben und ist tatsächlich fündig geworden.
Und gegen das Ausbleichen durch das Licht im Verlauf der Zeit gibt es immer noch ein spezielles Spray. Wenn es eine Lösung gibt, findet die Unternehmerin sie.


Und auch schöne Papiere zieht sie magisch an. Wenn sie in anderen Orten ist oder im Urlaub. In Papiergeschäften oder im Internet. Am liebsten leuchtet sie von der Innenseite des Papiers mit ihrer Handytaschenlampe nach außen, um absehen zu können, wie das Papier sich im Licht verhalten wird.
Denn es gibt die unterschiedlichsten Papiere. Günstige gefärbte Packpapiere, die sich als äußerst faltwillig entpuppen. Geschöpftes, ungleichmäßiges Papier. Papier aus anderen Pflanzenfasern, wo die Faser dominant zu sehen ist. Toll gemustertes Papier, das beim Falten leider rasch bricht, toll gemus­tertes Papier, das leider nicht mehr zu bekommen ist. Und Goldpapier.
Man sollte nicht meinen, wie schwierig richtig toll goldenes Papier zu bekommen ist, sagt sie. Zu matt, zu glänzend, zu golden, zu weißlich, zu dünn, zu dick, schlecht zu falten. Nimmt die Künstlerin nur wenige Bögen, um das Papier erst auszuprobieren, ist es später vielleicht vergriffen. Nimmt sie viele Bögen und das Papier funktioniert nicht, muss sie mehr Weihnachtsgeschenke kaufen, um diese darin einzuwickeln …

<span class="copyright">KLAUS HARTINGER</span>
KLAUS HARTINGER

Beharrlichkeit und Entdeckungen

Im Gespräch wird deutlich: Klaudia Moosbrugger weiß, was sie will: Papierkunst machen. Noch mehr Papierkunst machen. Brautsträuße aus Papier machen und Dekorationen, wie jetzt bereits, für Juweliere und andere Geschäfte, die das Schöne schätzen. Sie faltet einzelne Blumen für Privatpersonen oder einen Magic Ball, der eine Weinflasche stilvoll umfängt. Sie faltet Geschenke, auf Auftrag und als Prototyp. Sie faltet auch für sich, weil sie dem Zauber des Meditativen, des Planens, der Überraschung, des Erschaffens längst erlegen ist.
Wer sie besucht, dem ergeht es ähnlich. Tiere lässt Moosbrugger nicht erstehen, sie sind vielleicht zu possierlich. Der Kranich bildet dabei eine Ausnahme. Überhaupt, das Origamifalten ohne Klebstoff ist für Klaudia Moosbrugger am reizvollsten. Und, dass immer neue Formen und Muster kommen. Und neue Herausforderungen. Mit Ausprobieren und Hartnäckigkeit findet sich auch für sie noch immer eine Lösung.

Weitere Infos unter:
www.epu.wko.at

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