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Gletscher mit weißen Planen bedeckt

25.05.2022 • 18:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Mit seinen Fotografien bewegt sich der Künstler Michael Goldgruber an der Schnittstelle von Kultur und Natur.

Dreimal machte sich der Fotograf und Künstler Michael Goldgruber auf den Weg zum drei Stunden langen Aufstieg der Tiroler Seite des Silvrettagebirges. Das erste Mal war es zu sonnig, beim zweiten Mal zu neblig. Dann vergrub er die schwere Ausrüstung und kam am dritten Tag wieder zurück für das Foto.

Unaufhaltbar

Mit einer Digitalkamera macht Goldgruber imposante Aufnahmen der Gletscher und bewahrt damit die sagenhafte und sehr eindrucksvolle Landschaft auf den Fotos, so wie sie bald nicht mehr sein wird. Denn der Klimawandel ist in den Alpen am meis­ten zu spüren und das ewige Eis schmilzt. In der Ausstellung „Bruch.stuecke“ im Bildraum Bodensee in Bregenz wird die anmutige Schönheit der Gletscherlandschaften widergespiegelt. Die Fotos sind am Glace de Mer, dem größten Gletscher in Frankreich, der Mont-Blanc-Gruppe bei Charmonix, in Salzburg auf der Granatspitzgruppe, im Kaunertal, am Großglockner und in der Silvretta entstanden und bilden die besonderen Gegebenheiten einer hochalpinen Landschaft ab, die man sonst nur als Bergsteiger zu Gesicht bekommt.

Kontakt von Natur und Kultur

In seinen Arbeiten beschäftigt sich der Künstler mit der Ästhetik der Naturgewalt, die er von Schnittstellen zwischen Natur und Kultur betrachtet. Es sind Grenzzonen, in denen die unberührte Natur auf die Bedrängung der Menschen reagiert und sich verändert. Diese ­Kollisionen zwischen den ­Menschen und der Natur hat Goldgruber auf Fotos und Videos dokumentiert und vor allem auch ästhetisch in Szene gesetzt. ­Seine Fotos lassen in Komposition und Farbe Ähnlichkeiten an die klassische Malerei erkennen.
Seine aufgenommen Panoramabilder der Pasterze am Großglockner zeigen, wie sich der Gletscher in wenigen Jahren verkleinert. Unter der Pasterze hat sich das Wasser in einem riesigen Gletschersee gesammelt.

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Eingriffe des Menschen

Eine ausrangierte Kontrollanlage des Hochdruckspeicherkraftwerk der illwerke VKW hat der ­Fotograf geputzt und fotografiert, um darauf aufmerksam zu machen, dass auch das Wasser der Tiroler Gletscher mittels Röhren durch den Berg in diese Wasserkraftwerke transportiert wird. Im Kurzfilm „De.Frost.Zones“ reißt das Gletschereis an einer Kante auf und gibt den Blick auf eine archaische Felswand frei. In „Gentle Sway“ schwebt ein gigantischer Betonblock in der hochalpinen Landschaft und schwingt langsam hin und her.
Auf manchen Fotos sind die Gletscher mit weißen Textilplanen bedeckt. Die Kunststofffolien sollen in Gletschergebieten den Abschmelzprozess verlangsamen, werden jedoch von der Sonne zersetzt, wodurch der Kunststoff als Mikroplastik ins Grundwasser gelangt.
Im Foto „Entrance“ sieht man einen mit Maschinen ins Eis geschlagenen Durchgang, der als „begehbare Gletscherspalte“ für Touristen vermarktet wird. Rundherum die weißen Planen.
Für Goldgruber sind die Abbildungen der Landschaft nicht mehr unschuldig, sondern seien immer politisch oder hätten einen historischen Wert, um den aktuellen Zeitzustand der Natur zu dokumentieren. Die Wahrnehmung der Berge als mächtige, unverrückbare und unzerstörbare Naturelemente hat sich in Golgrubers Bildern gewandelt, wo eine fragile Situation signalisiert wird, in der die Katastrophe im Hintergrund naht.
Dennoch versteht sich der Fotograf nicht als Umweltaktivist oder Dokumentarist sondern will mit seiner Fotografie- und Videokunst zum Nachdenken anregen.

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Bis 2. Juli im Bildraum Bodensee in Bregenz. Infos: www.bildrecht.at. Öffnungszeiten: Di und Do von 13 bis 18 Uhr und Fr und Sa von 11-16 Uhr.

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