_Homepage

Mit viel Freude und flinken Fingern

26.05.2022 • 14:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Renate Moosbrugger leitet gemeinsam mit Sigrid Schertler seit vielen Jahren die Weidenflechtkurse. <br><span class="copyright">Stiplovsek Dietmar</span>
Renate Moosbrugger leitet gemeinsam mit Sigrid Schertler seit vielen Jahren die Weidenflechtkurse.
Stiplovsek Dietmar

Die Tradition, Garten und Terrasse mit Rankhilfen, Kränzen und Körben aus geflochtener Weide zu schmücken, ist alt.

Aus dem Veranstaltungsraum im Obstguat zum Steirer in Dornbirn, einem ebenerdigen hölzernen Gebäude, dringen die Stimmen von einer Handvoll Frauen und einem Mann. „Das sind ganz kommode Leute, naturverbunden und mit viel Freude am Tun“, sagt Renate Moosbrugger, die mit Sigrid Schertler einmal mehr den Weidenflechtkurs vom Obst- und Gartenbauverein leitet. Die beiden Kursleiterinnen bieten diese Kurse zusammen bereits seit vielen Jahren an, und das nicht nur, weil sie die Kursteilnehmerinnen – mehrheitlich sind es stets Frauen – mit ihrer durchweg bodenständigen Art schätzen, sondern auch, weil sie gerne und gut zusammenarbeiten. Und nicht zuletzt, weil sie einfach gerne flechten und sich freuen, wenn sie diese Leidenschaft weitergeben und entfachen können. Sie selbst flechten schon lange, und trotzdem lernen sie stetig hinzu: Erst in diesem Frühjahr besuchten sie einen Flechtkurs in Frankreich. Denn es gibt nicht nur viele unterschiedliche Flechttechniken und -kniffe, sondern was letztendlich zählt, ist auch die Erfahrung.

<span class="copyright">Stiplovsek Dietmar</span>
Stiplovsek Dietmar

Wissen, Technik und Gefühl

So scheinen die Weidenruten, die drei Wochen Einweichen in Wasser hinter sich haben, um biegsam zu werden, den Händen von Moosbrugger williger zu folgen als anderen. „Soll ich noch ’ne Runde flechten?“, fragt eine Teilnehmerin sie. „Ja, geh noch einmal rundrum, und dann flechtest du deine Ruten hier so rauf“, Moosbrugger zeigt es ihr. Bei Fragen haben die Leiterinnen stets ein offenes Ohr und Fragen gibt es so einige.
Die 60-jährige Karin Gmeiner zum Beispiel flicht eine Rankhilfe für ihre bunten Edelwicken, „wenn die Schnecken sie bis dahin nicht gefressen haben“. Gen Himmel strebende dicke Ruten hat sie in ein Bodenbrett mit Löchern gesteckt, die die Ruten fixieren. Diese hat sie kreisförmig angeordnet und um sie herum horizontal geflochten, immer mit mehreren dünnen Ruten gleichzeitig, von denen sie neue einfädelt, wenn die alten zu Ende sind.
„Früher war das Männerarbeit“, sagt jemand, „Winterarbeit“, ergänzt Moosbrugger. „Früher hat man die Ruten gespalten, so wurden die Körbe nicht so schwer.“ Zäune, Körbe, Rankhilfen – das Weidenflechten begleitet die Menschheit schon lange.

Spaß am Handwerk

Die 35-jährige Tanja Rusch will mit ihrer Rankhilfe eine japanische Weinbeere im Zaun halten, die in einem Permakulturgarten auf 600 Metern Höhe wächst. „Ich mach jetzt einfach mal, es macht auf jeden Fall Spaß“, sagt sie, auf dem Boden sitzend und nebenbei stetig weiterflechtend.
„Erlaubt ist, was gefällt“, lacht eine Frau, eine andere zeigt ihren Kranz. „So schön, wie gekauft.“ „Nur schöner: nämlich selbstgemacht!“, entgegnet Moosbrugger. Der Kranz soll an der Tür hängen oder vielleicht auf der Terrasse eine Betonschale zieren, „Blümchen rein, fertig.“ Reinhard Sprattler ist mit seiner Frau zum Kurs gekommen. „Ich mach das zum ersten Mal. Eigentlich ist mehr Malen und Zeichnen mein Ding, ich war Druckstufentechniker. Aber es macht Spaß!“ Das geht allen so, auch wenn Karin Gmeiner sagt: „Das wird mal kein Meisterstück. Aber für das, was es soll, bin ich sehr zufrieden!“

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.