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Arche Noah für die Vorarlberger Kunst

27.05.2022 • 18:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">wolfgang ölz</span>
wolfgang ölz

Der Kunstraum „contemporary“ der Arche Noah präsentiert groß- und kleinformatige Leinwandarbeiten.

Als Noah seine Arche baute war noch nichts von der Sintflut zu sehen. Genau wie im Gilgamesch-Epos bekam Noah die Anweisung ein Schiff zu bauen und in dessen Bauch das Leben zu retten vor der Flut. Heute wird diese Erzählung auf den Anstieg des Meeresspiegels und die drohende Klimakatastrophe gelesen.

Vor dem Vergessen retten

Der Textilfabrikant Hans Bäumler versucht in seiner Kunst- und Natursammlung „Arche Noah“ etwas Ähnliches: Wertvolle Stücke aus der Zoologie und wichtige Werke der Kunst des 19. Jahrhundert sammelt er und stellt sie in der ehemaligen Bäumler-Fabrik aus und möchte sie vor der Flut des Vergessens retten.
Die Bäumler-Fabrik wird heute als eine Liegenschaft so wie etwa auch die Otten-Fabrik, verwaltet. Produktionsende am Standort Hohenems war für Bäumler 2006. Der ausgewiesene Experte Tobias Natter, der einige Zeit auch das vorarlberg museum leitete und rund um den Globus als Kenner etwa Gustav Klimts einen Namen hat, bestätigt die Relevanz der Bäumler-Sammlung, die zwischen Zürich und München im ansonsten bezüglich hoher Bildender Kunst eher unbedeutenden Hohenems seine Bleibe gefunden hat.
Die Sammlung der Münchner Schule, des französischen und deutschen Impressionismus und des deutschen Expressionismus zeichnet sich aus durch über 100 Werke von Carl Spitzweg, Eduard Manet, Claude Monet, Pierre Auguste Renoir, Paul Gauguin, Emil Nolde und vielen anderen kunsthistorisch wichtigen Namen.

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wolfgang ölz

Übernahme

Seit einem Jahr hat nun der Sohn von Hans Bäumler, Frederik Bäumler (Jahrgang 1972, lebt in München) das Management der Bäumler Liegenschaft und der Sammlung übernommen. Frederik Bäumler, der in New York Grafik Design und Mode Design studiert hat, möchte nach eigenen Angaben vor allem auch die Vorarlberger Kunst zeigen. In Kooperation mit der Dornbirner Galerie c.art bzw. dem Galeristenehepaar Belinda und Johannes Boch werden im Juni Lichtarbeiten von Miriam Prantl und der riesige Loop von Bildstein und Glatz, eine spektakuläre riesige doppelte Kreisbahn in Holz, zu sehen sein, der vor sechs Jahren in der Kartause in Ittingen aufgestellt war und nun erstmals in Vorarlberg bestaunt werden kann.

Tuschezeichnungen von Insekten

Zur Zeit zeigt die Arche Noah eine weitere wichtige Position der Vorarlberger Kunstszene, nämlich eine Sonderausstellung zu Alexandra Wacker. Die 63-Jährige Künstlerin hat für die Ausstellung mit dem Titel „Catch the Sky“ extra Insekten wie Libellen, Maikäfer und Gottesanbeterinnen mit Tusche gezeichnet, die einen direkten Bezug zur zoologischen Sammlung herstellen. Einige Ölbilder waren schon in der Personale zum 60. Geburtstag der in Wien lebenden Vorarlbergerin 2019 im Palais Thurn und Taxis in Bregenz zu sehen, aber ein Bild eines richtiggehend mystisch überhellten Himmel über dem Kloster Mehrerau zeigt Alexandra Wacker das erste Mal.
Auch wenn die Künstlerin weder Starallüren noch religiöse Attitüden kennt, spürt man in dem Bild, dass die Malerin ganz von der Metaphysik des himmlischen Lichtes berührt war. Auch die Pfingstrosen sind neu und passend zum Kirchenjahr – am 5. Juni wird Pfingsten gefeiert. Sie weisen wie Flämmchen des Geistes in all ihren präzisen Details über sich hinaus auf eine unsichtbare Welt hinter der gemalten Welt.

Alexandra Wacker: Catch the sky bis 8. Oktober in der Arche Noah – Sammlung Kunst & Natur im Bäumler Park, Hohenems.

Wolfgang Ölz

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