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Immer mehr Eltern brauchen Hilfe

27.05.2022 • 19:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Familien in prekären Lebenslagen wurden in der Coronakrise besonders gefordert. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Familien in prekären Lebenslagen wurden in der Coronakrise besonders gefordert. Shutterstock

„Netzwerk Familie“ unterstützt werdende Eltern und Familien mit Kleinkindern in belastenden Lebenssituationen.

Vor wenigen Tagen hat das Vorarlberger Kinderdorf seinen Tätigkeitsbericht für das Jahr 2021 veröffentlicht. Schaut man sich das Papier genau an, fällt vor allem eine Zahl ins Auge. Mit 268 Neuzuweisungen meldete der Präventivfachbereich „Netzwerk Familie“ den höchsten Stand an Zuweisungen seit der Gründung im Jahr 2009. Was sind die Gründe dafür? Hat die Coronakrise hier Spuren hinterlassen? Verena Vogel, stellvertretende Leiterin von Netzwerk Familie, bejaht auf NEUE-Nachfrage einen Zusammenhang mit der Pandemie. „Gerade Familien in prekären Lebenssituationen waren aufgrund der Coronakrise zusätzlichen Belastungen ausgesetzt“, sagt sie. Zugleich weist Vogel aber darauf hin, dass die Zahl der begleiteten und neu zugewiesenen Familien seit Jahren kontinuierlich ansteige.


Auffallend: Fast ein Drittel der über 220 neu begleiteten Familien war psychisch stark belastet: In 20 Prozent der Familien habe ein Elternteil an einer psychischen Erkrankung gelitten, zusätzlich zeigten acht Prozent der Mütter Anzeichen einer postpartalen Depression, heißt es im Jahresbericht.

„Gerade Familien in prekären Lebenssituationen waren aufgrund der Corona-Pandemie zusätzlichen Belastungen ausgesetzt. Fast ein Drittel der neu begleiteten Familien war psychisch stark belastet.

Verena Vogel,
Stv. Leiterin Netzwerk Familie
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NEUE

Sensibilisiert

Ein Mitgrund für den Anstieg sieht Vogel in den Sensibilisierungsmaßnahmen, die das „Netzwerk Familie“ laufend durchführe. „Die Mitarbeiter im Gesundheits- und Sozialbereich legen dadurch mehr Augenmerk darauf, ob Eltern während oder nach einer Schwangerschaft Unterstützung brauchen“, berichtet Vogel.
Aber auch die Zahl jener Familien, die sich selbst melden, sei gestiegen. Die stellvertretende Leiterin führt dies unter anderem auf die steigende Bekanntheit des Angebots zurück. „Netzwerk Familie“ ist ein Programm der aks gesundheit, des Vorarlberger Kinderdorfs und der Vorarlberger Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte. Das Angebot wird flächendeckend in Vorarlberg umgesetzt und vom Land Vorarlberg und den Gemeinden finanziert. Insgesamt begleitete der Präventivfachbereich 442 Familien aus 55 Nationen mit 890 Kindern durchschnittlich 14 Monate lang. Hilfe wird beispielsweise notwendig, wenn die (werdenden) Eltern selbst noch fast Kinder sind, das Geld vorne und hinten nicht reicht, wenn psychische Probleme auftreten oder Behördengänge anstehen.

Weitere Angebote

Familien im Alltag den Rücken zu stärken und so Kindern neue Chancen zu schenken ist auch die Intention des Fachbereichs „Familienimpulse“. Laut dem jüngst erschienenen Jahresbericht wurden 270 Familien mit knapp 800 Kindern durch engagierte freiwillige Helfer unterstützt. 199 Frauen und 26 Männer engagierten sich beim „Ehrenamt mit Kindern und Jugendlichen“. Fast 19.500 Stunden wurden gemeinsam mit Kindern gespielt, gelesen oder gewandert. 60 Einsätze hatte das Familienimpulse-Mobil: 400 Eltern mit mehr als 300 Kindern erhielten dabei unkomplizierte Beratung und Unterstützung.
Das Vorarlberger Kinderdorf ist in insgesamt sieben Fachbereiche aufgeteilt, die überwiegend im Auftrag der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe arbeiten. Im Vorjahr unterstützten 352 Fachpersonen des Vorarlberger Kinderdorfs in enger Kooperation mit Land und Gemeinden 3175 Kinder und Jugendliche sowie deren Familien. Davon wurden 1136 Kinder ambulant betreut. 166 Kinder fanden stationär Halt und Geborgenheit, 205 Kinder und Jugendliche befinden sich in Pflegefamilien. In der Auffanggruppe und privaten Krisenpflegefamilien wurde 85 Kindern Schutz und Sicherheit geboten.

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