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Kindergarten einmal anders

18.06.2022 • 22:08 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Hartinger</span>Romy Streich,. Leiterin ders Kindergartens an der Ach in Bregenz:
HartingerRomy Streich,. Leiterin ders Kindergartens an der Ach in Bregenz:

Die NEUE am Sonntag stellt in einer zweiteiligen Serie Kindergärten aus Bregenz vor. Als erste die Kindergärten an der Ach und in Mariahilf.

Forschen, lernen, experimentieren und entdecken – all das können die Kinder im Kindergarten an der Ach inmitten der Bregenzer Achsiedlung. Neben der Sprachförderung liegt der Schwerpunkt vor allem auf den MINT-Fächern, also auf Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Seit Kurzem findet auch die erste Spürnasenecke des Landes in der Einrichtung an der Ach ihren Platz. Mit weißen Kitteln und kleinen Schutzbrillen bekleidet, führen die Kinder dort unterschiedlichste Experimente mit Mikroskopen, Lupen oder Magneten durch. Die Versuche sind in Büchern so bebildert, dass die Kinder die dafür benötigten Utensilien selbst zusammensuchen können. Eine Geschichte wird passend zum Experiment auch immer vorgelesen.

<span class="copyright">hartinger</span> Romy Streich.
hartinger Romy Streich.


Das naheliegende Naturschutzgebiet und die Bregenzerach bieten sich zudem gut für Versuche im Freien an. Als wäre das nicht schon spannend genug, gewinnen die Kinder mithilfe von Mini-Robotern, die sie selbstständig programmieren können, ein erstes Grundverständnis für Informatik. Eine Holzwerkstatt und ein Mal­atelier lassen kreative Beschäftigungen zu und zeigen ihnen Perspektiven und Möglichkeiten für ihre Zukunft auf.

Forschungsdrang von klein an

Doch warum ist MINT gerade in jungen Jahren so wichtig? Kindergartenleiterin Romy Streich erklärt: „Die Kinder haben von klein an einen gewissen Forschungsdrang in sich, der dafür brennt, Neues zu entdecken, und diesen gilt es zu erhalten. Zudem ist MINT unabhängig von Sprachen und motiviert die Kleinsten, die Sprache zu lernen, denn wenn sie etwas entdeckt haben, wollen sie auch davon erzählen.“ Das MINT-Konzept passe für sie daher perfekt in die Achsiedlung in Bregenz. Denn gerade im sozialen Brennpunktquartier treffen viele verschiedene Sprachen aufeinander.


Neben Deutsch sprechen die Kinder auch Türkisch, Ungarisch, Italienisch, Rumänisch, Russisch und Englisch, um nur einige zu nennen. Das bringe natürlich auch Herausforderungen mit sich, denn ein großer Teil der Kinder sei türkischsprachig und könne daher so miteinander kommunizieren. Dann müsse man einhaken, in den Dialog treten und die Dinge auf Deutsch benennen und beschreiben. Alltagsintegrierte Sprachförderung sei besonders wichtig, so Streich.

Jedes Kind hat Potential

Es waren genau solche Herausforderung und der Standort an sich, der die eigentlich gelernte pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte vor knapp zwei Jahren reizte, die Leitung des Kindergartens an der Ach zu übernehmen. „Ich will einfach was bewirken“, meint sie.

Gegenüber der NEUE am Sonntag erzählt sie hierzu von einem für sie sehr rührenden Beispiel: „Ich hatte einmal ein Kind, da hat jeder gemeint, das sei so laut und anstrengend. Ich habe dem Kind dann eine Bühne gebaut und gesagt, dass es eine Theaterstimme habe und toll sei, so wie es ist.“ Ein halbes Jahr nach der Einschulung des Kindes hat es Reflexionsgespräche mit den Lehrern gegeben, die die Kinder übernommen haben, wie die 45-Jährige weiter berichtet. Dort habe man ihr mitgeteilt, dass das Kind bereits in der ersten Klasse am Theaterprojekt teilnehme. Während sie davon erzählt, laufen Romy Tränen über die Wangen. „Jedes Kind hat Potenzial und eine Chance verdient.“ Als Leiterin ist ihr dies besonders wichtig, auch wenn ihre Aufgaben vor allem im administrativen Bereich liegen.

Teambuilding

Mit diesen Tätigkeiten beschäftigt sich auch die Leiterin des Kindergartens Mariahilf, Theres Obendorf. Anmelde- und Elterngespräche, die Erstellung von Dienstplänen, Austausch mit anderen Leitungen, pädagogische Schwerpunkte setzen und das Team begleiten, sind alles Aufgaben, die zu ihrem Job als Kindergartenleiterin dazugehören. „Teambuilding ist mir besonders wichtig, denn ohne mein Team bin ich verloren“, betont Obendorf.

<span class="copyright">hartinger</span>Leiterin Kindergarten Mariahilf in Bregenz: Theres Obendorf.
hartingerLeiterin Kindergarten Mariahilf in Bregenz: Theres Obendorf.

Bewegungsgruppen

Zwei von vier Gruppen in ihrem Kindergarten sind zertifizierte Bewegungsgruppen von „Vorarlberg bewegt“. Hier liegt der Schwerpunkt vor allem draußen, im hauseigenen Garten, an der frischen Luft und natürlich auf der Bewegung. Zudem habe jede Gruppe einmal in der Woche einen Turntag im Turnsaal. Das Konzept beinhalte auch, an verschiedenen Events von „Vorarl­berg bewegt“ teilzunehmen. Genauso müssen die Pädagogen der Gruppe aber auch eine Ausbildung mit mehreren Modulen und jährliche Fortbildungen absolvieren. „Unser Ziel ist, die restlichen zwei Gruppen auch noch zertifizieren zu lassen und dann zum Bewegungskindergarten zu werden“, berichtet die gebürtige Deutsche.

Bewegung an sich sei zudem ein gutes Fördermittel für die Sprachentwicklung. Da der Kindergarten Mariahilf sich in einem Sprengel mit erhöhtem Sprachförderbedarf befinde, würde dies ohnehin gut passen. Im Haus gibt es zudem auch eine Sprachförderkraft. Neben der Bewegung arbeite man mit verschiedenen Bildern, Spielen, Musik und mit „Händen und Füßen“, wie Theres Obendorf lachend ergänzt.

Ein erfüllender Beruf

Nicht nur Kinder mit sprachlichen Barrieren besuchen den Kindergarten, sondern auch Kids mit Beeinträchtigungen. „Die Kinder sind demgegenüber sehr offen und haben noch keine Vorurteile. Manchmal muss man ihnen etwas genauer erklären, aber dann verstehen sie es auch.“

Ebenso kein Problem seien die altersdurchmischten Gruppen. „Die Kleinen lernen von den Großen, und die Großen schauen auf die Kleinen“, verrät die 29-Jährige mit einem Schmunzeln im Gesicht. Lächeln muss sie auch, wenn sie an all die besonderen Erlebnisse mit den Kindern denkt. „Es sind so viele kleine Sachen. Sie kommen am Morgen im Büro vorbei, sagen Guten Morgen, umarmen dich, nehmen einen an die Hand und wollen dir zeigen, was sie entdeckt haben.“

<span class="copyright">Hartinger</span>
Hartinger

Zu den Kindergärten

Sowohl der Kindergarten an der Ach als auch der Kindergarten Mariahilf haben je vier altersdurchmischte Gruppen, wobei zwei davon Kleingruppen bzw. Integrationsgruppen sind. Den Kindergarten an der Ach besuchen 77 und den Kindergarten Mariahilf 78 Kinder. Das Team samt Pädagogen und Assistenz besteht bei beiden Kindergärten aus 19 Personen.

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