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Richter überrascht von hoher Entschädigung

28.06.2022 • 20:06 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Symbolbild  <span class="copyright">Shutterstock</span>
Symbolbild Shutterstock

Beschuldigter zahlte mutmaßlichem Opfer 6300 Euro für leichte Körperverletzung.

Sogar den Strafrichter und den Staatsanwalt erstaunten die hohe Schadenersatzforderung eines Opferanwalts. Ebenso überrascht waren der Richter und der öffentliche Ankläger davon, dass der Beschuldigte den schriftlich für eine Körperverletzung geforderten Betrag von 6300 Euro auch sofort bezahlt hat.

Denn das Schmerzengeld für eine Körperverletzung beträgt im Regelfall pro Tag 100 Euro oder ein wenig mehr. 5000 der 6300 Euro seien auf Schmerzengeld entfallen, teilte der Rechtsanwalt des Verletzten auf Anfrage mit. 500 Euro habe die Verunstaltungsentschädigung ausgemacht. Die restlichen 800 Euro seien den Anwaltskosten geschuldet. Der Staatsanwalt sprach in der Hauptverhandlung am Landesgericht Feldkirch von einer „mutigen Forderung“ des Anwalts, die vom Beschuldigten „großzügig“ beglichen worden sei. Scherzhaft merkte der Sitzungsvertreter der Anklagebehörde an, bei derart hohen Schadenersatzzahlungen würde er sich auch verletzen lassen.

Gegen Regal gestoßen

Für überzogen hielt auch der Verteidiger des Erstangeklagten die Forderung seines Anwaltskollegen. Sein Mandant sei von ihm noch nicht vertreten gewesen, als der Beschuldigte vor dem Strafprozess den hohen Geldbetrag überwiesen habe. Der Verteidiger merkte an, der von ihm vertretene Unternehmer habe offenbar für eine Körperverletzung bezahlt, die gar nicht er selbst, sondern sein ebenfalls angeklagter Mitarbeiter begangen habe. Dem 31-jährigen Zweitangeklagten werde vorgeworfen, er habe bei dem Vorfall im Februar bei einer Bregenzer Tankstelle einen Widersacher, der seinen Chef bedrängt habe, gegen ein Regal gestoßen und dabei verletzt.


Angeklagt wurde der 44-jährige Unternehmer wegen Nötigung, weil er bei der Tankstelle mit seinem Auto auf den Streitgegner zugefahren sei, und dieser deshalb ausweichen musste. Beide Männer sollen außerdem einen Türken rassistisch verunglimpft und so das Vergehen der Beleidigung verwirklicht haben.

Diversion mit Geldbuße gewährt

Den unbescholtenen und Verantwortung für ihr Fehlverhalten übernehmenden Angeklagten wurde vom Richter mit Zustimmung des Staatsanwalts eine Diversion mit einer Geldbuße gewährt. Der Unternehmer hat schon während der Verhandlung 3220 Euro in die Amtskasse eingezahlt, sein Mitarbeiter 550 Euro. Daraufhin wurden die Strafverfahren eingestellt. Anhängig ist noch das Führerscheinverfahren des Unternehmers. Er beschwert sich beim Landesverwaltungsgericht gegen den Führerscheinentzug nach seinem gefährlichen Fahrmanöver.

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