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Rondo Ganahl-Vorstand warnt vor Öko-Romantik

04.07.2022 • 20:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Rauch

Industrie könne nur kleinen Teil des Energiebedarfs über alternative Energieträger abdecken.

Vergangene Woche hat der Verpackungshersteller Rondo Ganahl seine Pläne für ein Reststoffkraftwerk am Firmenstammsitz in Frastanz vorgestellt. Es soll zur Erzeugung der für die Produktion notwendigen Prozesswärme herangezogen werden. Pro Jahr benötigt Rondo Ganahl Prozesswärme, also thermische Energie, im Ausmaß von rund 150 Gigawattstunden. Etwa 80 Prozent dieses Energiebedarfs würde das neue Reststoffkraftwerk abdecken, das zu einem Drittel mit Reststoffen aus der Produktion in Frastanz beschickt wird.

Energiebedarf der Industrie

Im Rahmen des Pressegesprächs nahm Rondo-Vorstandsvorsitzender Hubert Marte auch kurz auf die Themen Photovoltaik und Windkraft Bezug. Er sprach in dem Zusammenhang von „Öko-Romantik“, wenn man glaube, man könne den Energiebedarf der Industrie vor allem mit diesen Energieträgern stillen. Marte folgt mit dieser Argumentation einer Reihe von Unternehmen, die in wpa-Gesprächen schon länger darauf hinweisen, dass alternative Energieträger zwar den Strom-Mix ökologisch deutlich verbessern. Allerdings können sie mit dem heutigen Stand der Technik nur einen kleinen Teil des oftmals 24 Stunden an sieben Tagen die Woche bestehenden Energiebedarfs der Industrie abdecken. Deshalb seien Kraftwerke, egal ob mit Wasserkraft oder Reststoffen betrieben, nach wie vor unverzichtbar.

Hubert Marte verdeutlichte es auf wpa-Nachfrage am Beispiel der 4400 Quadratmeter großen PV-Anlage auf den Dächern von Rondo Ganahl in Frastanz. „Damit erzeugen wir etwa 0,5 Gigawattstunden Strom. Das entspricht einem Prozent des durchschnittlichen Jahresbedarfs. Dabei ist die Prozesswärme noch gar nicht berücksichtigt.“ Eine Erzeugung dieser Prozesswärme aus Strom sei aufgrund des schlechten Wirkungsgrades keine denkbare Variante.

Pragmatischer Realismus.

Der Rondo Ganahl-Vorstand betont, dass das Unternehmen fast alles nutze, was man über alternative Energieträger nutzen könne. „Auch wir wollen den Ausstieg aus den fossilen Energieträgern und es wäre schön, wenn die Alternativen die notwendige Leistung bereits erbringen würden. Aber es reicht derzeit nicht. Wir sind noch weit davon entfernt“, so Marte. Die Industrie benötige verlässlich, rund um die Uhr und unterbrechungsfrei Strom als auch Prozesswärme für die Produktion. Das können PV- oder Windkraftanlagen allein nicht bieten. „Wir stehen zur Energiewende und der Notwendigkeit des Ausstieges aus fossilen Energieträgern. Aber man muss dabei pragmatisch-realistisch bleiben“, so Rondo-Vorstand Hubert Marte.

Photovoltaik reicht nicht aus

Vor rund zehn Tagen hat wie berichtet der Schweizer Industriekonzern SFS Group darauf hingewiesen, dass Photovoltaik derzeit bei Weitem nicht ausreiche, um den Strombedarf zu decken. Obwohl man sämtliche Dachflächen wo möglich nutze, könne man mit der Photovoltaik nur zehn Prozent des Strombedarfes aller SFS-Werke in der Schweiz abdecken. Mit dem geplanten Windrad wolle man diesen Anteil weiter hinaufschrauben, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Und auch bei Salzmann Formblechtechnik in Hohenems wird auf die gegenwärtigen Leistungsgrenzen der Photovoltaik zur Stromerzeugung für industrielle Prozesse hingewiesen. Die im Frühjahr 2022 in Betrieb genommene PV-Anlage mit über 4.000 Modulen und einer Leistung von 980 Kilowattpeak soll gemäß Prognose etwa 30 Prozent des durchschnittlichen Strom-Jahresbedarfes von Salzmann abdecken. Dazu habe man wie berichtet fast alle nutzbaren Dachflächen mit PV-Modulen ausgestattet. „Wieviel Prozent es tatsächlich sind, können wir nach ein paar Jahren sagen“, so Inhaber Gerhard Salzmann. Jedenfalls wisse man nach den ersten Betriebsmonaten bereits, dass Verschattungen durch Bewölkung die Leistung gleich spürbar nach unten drücken.


Günther Bitschnau/wpa

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