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Der Tag nach dem Starkregen

20.08.2022 • 21:59 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Auch gestern waren die Feuerwehren noch im Einsatz. <span class="copyright">Rhomberg</span>
Auch gestern waren die Feuerwehren noch im Einsatz. Rhomberg

Aufräumarbeiten haben längst begonnen, ­Schadenshöhe noch unklar.

Das Unwetter vom Freitag hat in Vorarlberg deutliche Spuren hinterlassen. Zahlreiche Straßen, Ortsteile und Unterführungen wurden durch den Starkregen geflutet, auch Keller und Garagen liefen voll. Teilweise gingen auch Muren nieder. Die Lage habe sich nach Mitternacht am Samstag aber deutlich entspannt, hieß es gestern seitens der Polizei und Feuerwehr. Verletzte gab es keine.

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Rhomberg

Nun sind die Aufräumarbeiten in vollem Gange, informierte die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle Vorarlberg. Derzeit seien nur noch acht Feuerwehren landesweit damit beschäftigt (Stand Samstag 19.30 Uhr). Viele Feuerwehrleute hätten bereits die Nacht durchgearbeitet. Insgesamt mussten die Feuerwehren bisher um die 1500 Mal ausrücken, so auch in Götzis. Dort gab es am Freitag unter anderem im Ortsteil Meschach kleinere Hangrutschungen. Des Weiteren kam es zu einem Dammbruch beim VKW-Umspannwerk.

Mittels Steinen konnte der Damm gesichert werden.
Mittels Steinen konnte der Damm gesichert werden.


Der Damm sei unterspült worden, und das Wasser hätte Teile davon weggeschwemmt. „Mittels Steinen vom Steinbruch Lorüns konnte der Damm gesichert und so eine Überflutung des Umspannwerkes und der Umgebung verhindert werden“, teilte Christian Loacker, Bürgermeister von Götzis, mit. Er selbst sei auch für mehrere Stunden vor Ort gewesen. Mit der provisorischen Befestigung des Dammes sei man bis etwa 3 Uhr nachts beschäftigt gewesen. Weil alle Einsatzkräfte, die Mitarbeiter des Steinbruchs Lorüns und die Experten der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes Vorarlberg an einem Strang gezogen hätten, konnte Schlimmeres verhindert werden.

Bürgermeister von Götzis, Christian Loacker<span class="copyright">Jens Ellenso</span>.
Bürgermeister von Götzis, Christian LoackerJens Ellenso.

Großer Zusammenhalt

Davon spricht auch der Altacher Bürgermeister. Dort musste die Feuerwehr größtenteils wegen vollgelaufener Keller und Straßenunterführungen ausrücken. Um noch größeren Schaden zu verhindern, sei vor allem das Retentionsbecken (Rückhaltebecken) für den Rheintaler Binnenkanal bei den Rheinauen in Hohenems von Bedeutung gewesen. „Es gibt dort vier Schleusen, die genau für solche Unwetterereignisse ausgerichtet sind“, informierte Markus Giesinger. Der Kanal hat seinen Ursprung in Koblach, wo er noch als „Koblacher Kanal“ bezeichnet wird, ab Hohenems wechselt der Name auf Rheintaler Binnenkanal. Das Gewässer ist allerdings dasselbe und fließt schließlich bis in die Dornbirner Ach.

Bürgermeister von Altach, Markus Giesinger. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Bürgermeister von Altach, Markus Giesinger. Stiplovsek


Erstmals seit Bestehen des Kanals (2012) seien alle vier Schleusen geschlossen gewesen, wodurch die großen Wassermassen zurückgestaut werden konnten. Dies habe sicher wesentlich dazu beigetragen, dass Gemeinden wie Hohenems, Dornbirn oder Lustenau etwas entlastet worden sind. Giesinger erzählt weiter: „Die Felder und Schrebergärten (Bilder unten) wurden daher bewusst geflutet, so ist das auch vereinbart. Das Wasser soll dort zurückgehalten werden.“

<span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Dietmar Stiplovsek

Dorfzentrum geflutet

Das Dorfzentrum von Wolfurt stand ebenso unter Wasser. Über die Ufer getretene Bäche überfluteten den Ortskern, auch Muren gingen nieder. Evelin Stöckler, Bewohnerin eines Wohnblockes in Wolfurt, erzählt, dass der Heizraum des Gebäudes bis zu 30 Zentimeter unter Wasser gestanden sei. Wie groß der Schaden an der Heizung und der generelle Sachschaden tatsächlich ist, könne man noch nicht sagen. Das Wasser sei über den Lichtschacht in den Raum eingedrungen. Die angrenzenden Kellerabteile der Bewohner seien von den Wassermassen ebenso betroffen gewesen – manche mehr, andere weniger. „Mein Kellerabteil ist glücklicherweise größtenteils verschont geblieben“, berichtete sie der NEUE. Andere Menschen aus dem Land hätte es da noch deutlich härter getroffen.

Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser in Wolfurt. <span class="copyright">Rhomberg</span>
Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser in Wolfurt. Rhomberg

Fast 400 Einsätze

Besonders stark betroffen war etwa das benachbarte Bregenz. Bürgermeister Michael Ritsch teilte mit, dass fast 400 Einsätze von den Bregenzer Feuerwehren verrichtet wurden. Zusätzlich seien die Feuerwehren aus Sulzberg und Langen zur Unterstützung geeilt. Auch viele Freiwillige hätten ihre Hilfe angeboten. Auffallend betroffen sei der Pfänder gewesen. „Dort hat es leider einige Hangrutschungen gegeben“, so Ritsch. Manche Straßen und Wanderwege sind daher nicht passierbar. Die Sanierung laufe aber bereits und werde auch auf städtischer Seite sehr kostenintensiv, wie sich der Bregenzer Bürgermeister gewiss ist.

Der Bregenzer Bürgermeister Michael Ritsch (l.) und der Kommandant der Stadtfeuerwehr Bregenz, Markus Moritz.
Der Bregenzer Bürgermeister Michael Ritsch (l.) und der Kommandant der Stadtfeuerwehr Bregenz, Markus Moritz.


Aus Sicherheitsgründen wird auch die Furt, die über die Dornbirner Ach führt, bis kommenden Dienstag gesperrt bleiben. Bäume und Steine haben nämlich eine flussaufwärts befestigte Stahlkante ausgehebelt, den Asphalt teilweise abgetragen und weiters zu Unterspülungen geführt.
Nach einem Hangrutsch war auch die Straße zwischen Buch und Wolfurt gestern weiterhin gesperrt.

Die Furt bleibt bis Dienstag gesperrt. <span class="copyright">Rhomberg</span>
Die Furt bleibt bis Dienstag gesperrt. Rhomberg

Wetterprognosen

Glücklicherweise hat sich das Wetter am Samstag im Laufe des Tages entspannt. Prognosen zufolge soll dies auch weiterhin so bleiben, trotzdem müsse man achtsam sein. In gewissen Gebieten ­könne es nach wie vor zu lokalen Regenfällen kommen, die stärker ausfallen. Da der Boden gesättigt und die Bäche voll sind, muss man diese genauer im Auge behalten, informiert das Land.

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