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Kind vergewaltigt: Keine Gefängnisstrafe

20.09.2022 • 18:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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 14-Jähriger verging sich nach Ansicht der Richter an fünfjährigem Mädchen aus der Nachbarschaft. Unbescholtener Angeklagter kam ohne zu verbüßende Haftstrafe davon.

Nach den gerichtlichen Feststellungen hat der damals 14-Jährige aus dem Bezirk Feldkirch im Juni 2021 ein fünfjähriges Mädchen aus seiner Nachbarschaft vergewaltigt. Nach Überzeugung der Richter hat der Jugendliche das Kind festgehalten und sich an ihm im Intimbereich mit der Zunge und einem Finger vergangen.

Schwerer sexueller Missbrauch

Das trug dem unbescholtenen Angeklagten am Dienstag in einem Schöffenprozess am Landesgericht Feldkirch einen Schuldspruch wegen Vergewaltigung und schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen ein. Dafür wurde der nunmehr 16-jährige Lehrling zu einer bedingten, nicht zu verbüßenden Haftstrafe von zwölf Monaten und einer unbedingten, dem Gericht zu bezahlenden Geldstrafe von 1200 Euro (300 Tagessätze zu je 4 Euro) verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, denn der Angeklagte und Staatsanwalt Philipp Höfle nahmen drei Tage Bedenkzeit in Anspruch. Die mögliche Höchststrafe für den Jugendlichen wäre fünf Jahre Gefängnis gewesen. Die verhängte kombinierte Strafe entspricht umgerechnet 17 Monaten Haft.

Als Teilschmerzengeld hat der Angeklagte dem Mädchen 3000 Euro zukommen zu lassen. Zudem hat er Bewährungshilfe in Anspruch zu nehmen. Damit soll die Tat aufgearbeitet werden, um weitere Straftaten zu verhindern. Bei der Strafbemessung habe sich der Schöffensenat auch wegen des Alters des Ersttäters dazu entschieden, von einer zu verbüßenden Gefängnisstrafe abzusehen, sagte der vorsitzende Richter Richard Gschwenter.

Tatvorwurf bestritten

Der Angeklagte bestritt den Tatvorwurf. Verteidiger German Bertsch beantragte einen Freispruch. Der Schöffensenat hielt aber die belastenden Angaben des Kindes für glaubwürdig. Die Fünfjährige sei nach Hause gekommen und habe ihrem Vater sofort vom Vorfall berichtet, sagte Richter Gschwenter. Nicht einmal zwei Stunden nach dem Vorfall sei das Mädchen von der Polizei befragt worden. Dabei habe es ehrlich wirkende Antworten gegeben.

DNA-Spuren an Unterwäsche

Als Hauptbeweis für die belastenden Angaben der Fünfjährigen sei gewertet worden, dass auf der Innenseite ihrer Unterwäsche DNA-Spuren des Angeklagten gefunden worden seien, sagte Gschwenter. Des Weiteren habe es aus dem Umfeld des Angeklagten Zeugenaussagen gegeben, wonach der Jugendliche nach eigenen Angaben sexuelle Lust auf das Kind gehabt habe.

Über das zusätzlich angeklagte Vergehen der Nötigung hat der Schöffensenat gestern nicht entschieden.