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„Es gibt keine Ausreden“

24.09.2022 • 17:55 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
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Hartinger

Mülltrennung ist ­wichtig. Ausreden dafür kann und soll es nicht geben, ist sich der Experte sicher. Über häufige Fehler wird aufgeklärt.

Jeder Vorarlberger produziert Müll. Ganz lässt sich das Entstehen von diesem auch nicht vermeiden. Daher ist es umso wichtiger, dass Abfälle sauber und richtig getrennt werden, denn nur so kann man sie ökonomisch als auch umwelt- und ressourcenschonend wiederverwerten. „Mülltrennen zu Hause ist wirklich einfach und geht schnell. Meiner Meinung nach gibt es dafür keine Ausreden“, betont Reinhard Pierer, Wertstoffe-Bereichsleiter der Loacker Recycling GmbH. Seit über 28 Jahren ist er für das Unternehmen mit Hauptsitz in Götzis tätig. Dieses widmet sich dem Sammeln, Sortieren und Aufbereiten von Wertstoffen.

„Viele mögen es nicht denken, aber die Maschinen und Geräte, die für jene Arbeiten benötigt werden, brauchen natürlich einiges an Strom“, erklärt der Experte. Auch Loacker bleibt daher von den aktuellen Energiekosten nicht verschont. Diese seien derzeit fünf Mal so hoch, heißt es. Mit Blick auf die Zukunft habe man da natürlich seine Bedenken. Ebenso schwierig gestalte sich das Recruiting neuer Arbeitskräfte. Egal, ob als Lkw-Fahrer, Beifahrer oder in der Sortiertätigkeit.


Umso erfreulicher sei dafür aber, dass Vorarlberg in Sachen Mülltrennung österreich­weiter Spitzenreiter sei. Als einziges Bundesland hätte man beispielsweise die von der EU bis 2029 vorgeschriebene Sammelrücknahmequote (90 Prozent) an Getränkeflaschen aus Kunststoff bereits erreicht und das ohne Pfandsysteme. Aus diesem Grund zeigt sich Pierer auch nicht wirklich überzeugt von einem Pfandsystem in Vorarlberg, denn die Automaten seien kostenintensiv und getrennt werden müsse später sowieso.

11.000 Tonnen Kunststoffmüll

Gesamt produziert Vorarlberg circa 11.000 Tonnen Kunststoffmüll im Jahr. Pro Kopf sind dies etwa 27,5 Kilogramm. Vom gesammelten Kunststoff werden 45 Prozent stofflich verwertet. Dies bedeutet, dass die aufbereiteten Abfälle, sprich Sekundärrohstoffe, wieder als Ausgangsstoffe für neue, gleiche oder ähnliche Produkte eingesetzt werden. So könne man Primärrohstoffe einsparen. Unter die stoffliche Verwertung fallen zum Beispiel PET- und Shampooflaschen oder Tetrapackungen.

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Die restlichen 55 Prozent wie Chipstüten oder kleine Folien werden thermisch verwertet, also in einer Reststoffverbrennungsanlage verbrannt, um beispielsweise Fernwärme zu erzeugen. Somit trägt die thermische Abfallverwertung maßgeblich dazu bei, umweltfreundliche Energie aus nicht recycelbarem Hausmüll zu gewinnen. Neben Kunststoff wird die thermische Verwertung auch bei anderen brennbaren Stoffen angewendet, die Stoffliche etwa bei Glas oder Metall. Wenn keine der beiden Methoden funktioniert, wird der Abfall deponiert. Durch Recycling und richtige Mülltrennung sei das Deponievolumen im Land allerdings deutlich zurückgegangen.

Verbesserungspotenzial

Doch obwohl Vorarlberg Österreichs „Mülltrenn-Meister“ sei, wie der Experte abermals betont, gebe es auch hier noch Verbesserungspotenzial. Nach wie vor würde im Restmüllsack viel Biomüll landen – bis zu 25 Prozent. Auch viele Wertstoffe wie Lithium-Batterien werden fälschlicherweise im Restmüll entsorgt. Dies sei nicht ungefährlich, stellt der Wertstoffe-Bereichsleiter klar. Am Loacker-Recycling-Standort in Feldkirch kam es vor ein paar Jahren nämlich zu einem Brand, ausgelöst durch Selbstentzündung. Als Ursache dafür wird eine falsch entsorgte Lithium-Batterie vermutet. Um genau solche Ereignisse zu verhindern, ist die richtige Mülltrennung von großer Bedeutung. In jedem Bundesland gibt es dafür aber leicht unterschiedliche Regelungen.

Während die Entsorgung bei vielen Produkten klar scheint, ist sie es bei anderen wiederum nicht. Manches hat man möglicherweise ein Leben lang falsch entsorgt. Der Abfall-Experte klärt über gängige Fehler auf und informiert, was in Vorarlberg wohin gehört.


1.Wo werden Lithium-Batterien bzw. Akkus entsorgt?

Reinhard Pierer: Auf keinen Fall im Restmüllsack, denn durch Reibung an den Polen können Funken entstehen und die Batterie kann explodieren. Daher sollten die Pole vor der Entsorgung abgeklebt werden, beispielsweise mit Tixo oder Isolierband. Generell sind alle Batterien in dafür vorgesehenen Batteriesammelboxen im Handel und in Supermärkten oder bei Sammelstellen abzugeben. Bei der Entsorgung von Elektroaltgeräten, welche Batterien oder Akkus enthalten, sollte man diese, wenn möglich, vorher entnehmen.

Die <span class="copyright">Hartinger</span>Pole von Lithium Batterien muss man zuvor abkleben.
Die HartingerPole von Lithium Batterien muss man zuvor abkleben.


2. Was darf in den Altglascontainer und was nicht?
Pierer: Vorerst gilt es bei Altglas zwischen Weiß- und Buntglas zu unterscheiden. Letzteres darf keinesfalls in den Weißglas-Sammelbehälter. Bereits geringe Mengen Buntglas färben Weißglas bei der Weiterverarbeitung ein.
Generell darf kein Flachglas wie Fens­terscheiben, Trinkgläser oder Spiegel im Altglas-Container entsorgt werden. Dieses hat nämlich eine andere Schmelztemperatur und sollte daher beim Sammelzentrum bzw. Bauhof abgegeben werden. Porzellan hat im Glascontainer ebenso nichts zu suchen, hingegen Glasverpackungen wie Wein- und Spirituosenflaschen, Einweckgläser oder Kosmetikfläschchen schon.


3.Wo entsorge ich den Korken bzw. Verschluss der Glasflasche?
Pierer: Glasflaschen, welche meist einen Deckel aus Alu oder Plastik besitzen, können samt diesem im Altglas entsorgt werden. Auch die Papieretiketten müssen zuvor nicht zwingend von den Flaschen abgekratzt werden. Korken hingegen kommen, anders als viele vermuten, in den Gelben Sack.


Korken kommen in den Gelben Sack.   <span class="copyright">Shutterstock</span>
Korken kommen in den Gelben Sack. Shutterstock

4. Was wird noch oft falsch entsorgt?
Pierer: Neben Korken kommen auch Holzverpackungen wie kleine Kisten für Beeren in den Gelben Sack. Jene Info steht sogar auf dem Sack gedruckt, nur liest sie keiner.


5.Wohin mit alter und beschädigter Kleidung?
Pierer: Alte Kleidung kommt in den Altkleidercontainer. Leicht beschädigte ebenso, da in weiterer Folge eventuell Putzlappen oder Ähnliches hergestellt werden können. Klamotten, die stark beschädigt und verschmutzt sind, sollten aber in den Restmüllsack.


6. Kommen benutzte Servietten oder Taschentücher, Kassazettel und Pizzakartons ins Altpapier?
Pierer: Nein. Benutzte Servietten und Tempos sollten in den Restmüll. Ebenso müssen Kassazettel oder Fahrkarten, die auf Thermopapier (glattes Papier) gedruckt sind, im Restmüll entsorgt werden. Wenn keine Essensreste mehr im Pizzakarton kleben und dieser nicht allzu stark verschmutzt ist, darf er ins Altpapier. Ansonsten muss auch er in den Restmüllsack.

<span class="copyright">Shutterstock</span>Kassazettel, die auf Thermopapier gedruckt sind, kommen in den Restmüll.
ShutterstockKassazettel, die auf Thermopapier gedruckt sind, kommen in den Restmüll.

7. Wohin mit leeren Pringles-Dosen und Chipstüten?
Pierer: Der Boden einer Pringles-Dose besteht aus Metall, der Deckel aus Plastik mit einer folierten Pappröhre. Somit ist es ein Verbund. Der Gelbe Sack wäre kein Fehler. Ich würde es jedoch ins Altpapier geben. Chips­tüten müssen hingegen in den Gelben Sack.


8. Wo werden Zahnbürsten entsorgt?
Pierer: Anders als viele vermuten, kommt die Zahnbürste nicht in den gelben, sondern in den schwarzen Sack. Es handelt sich nämlich um einen Gebrauchsgegenstand.

<span class="copyright">shutterstock</span>Zahnbürsten müssen im Restmüllsack entsorgt werden.
shutterstockZahnbürsten müssen im Restmüllsack entsorgt werden.


9. Brottüte aus Papier mit Plastikstreifen?
Pierer: Die kommt ins Altpapier. Den Plastikstreifen muss man hierfür nicht extra vom Papier lösen, ebenso wenig das Sichtfenster vom Rest des Kuverts. Für das Recycling ist dies nämlich nicht problematisch. Generell sollte man sich aber sicher die Frage stellen, weshalb Brottüten überhaupt einen Kunststoffstreifen haben müssen. Die Verantwortung liegt da aber bei den Herstellern.

10. Kompostierbare Beutel müssen in den Biomüll?
Pierer: Nein, da der Zersetzungsprozess sehr lange dauert. So lange kann keine Anlage warten. In der Bioabfallvergärungsanlage von Loacker in Lustenau wird daher jeder dieser Säcke aussortiert und mit dem Sortierrest verbrannt.

Tipps um müll zu vermeiden

Das Land Vorarlberg gibt auf deren Homepage Tipps, um Müll zu vermeiden:

• Produkte mit wenig Verpackung kaufen

• Leitungswasser statt Wasser aus der Flasche

• Stoffsack oder Korb statt Plastiktüte

• Reparieren statt Wegschmeißen

• Essensreste vermeiden und vor dem Einkauf beispielsweise einen Einkaufszettel schreiben

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