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Feldkirch: Bauarbeiten spalten Gemüter

06.10.2022 • 20:17 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
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hartinger

Während die Kanal-Bauarbeiten manche Geschäfts- und Lokalbetreiber ärgert, freuen sich andere sogar darüber.

Nach einer Sommerpause sind die Bauarbeiten für die Erneuerung der Kanalisation in der Neustadt in Feldkirch nun seit Ende August wieder im vollen Gange. Im gleichen Zug wird die Neustadt, die seit 2019 Fußgängerzone ist, begradigt und mit Bäumen und Bänken bestückt. Aktuell erstrecken sich die Arbeiten vom Rathaus bis zu Müller Optik. Die NEUE war vor Ort und hat sich umgehört.


Die Zahl an Fußgängern, die an diesem Nachmittag unter der Woche in der Gegend unterwegs ist, hält sich in Grenzen. Die Geräuschkulisse ist laut und einige Bauarbeiter tummeln sich auf der Baustelle. Manche davon verladen gerade mittels Bagger die herausgeschremmten Pflastersteine in den Anhänger eines Lkw.

<span class="copyright">Hartinger (2)</span>Die Pflastersteine werden mit dem Bagger in den Anhänger des Lkws verladen.
Hartinger (2)Die Pflastersteine werden mit dem Bagger in den Anhänger des Lkws verladen.

Bauphasen und Dauer

Erneuerung Kanalisation

Die Erneuerung der Kanalisation wurde in drei Phasen eingeteilt. In einem ersten Bauabschnitt ist die Passage vom sogenannte „Goaszipfel“ bis zum Gasthaus Dogana erneuert worden. Bauphase zwei hätte den Abschnitt vom Rathaus bis zur James-Joy-Passage umfasst. Da die Bauarbeiten für Abschnitt zwei schneller vorangingen als anfangs gedacht, wurde nun auch Bauabschnitt drei hinzugezogen. Aktuell erstrecken sich die Arbeiten vom Rathaus bis zu Müller Optik und demnächst auch bis zur Marokkanergasse. Bis Weihnachten soll der Tiefbau der zweiten und dritten Bauphase abgeschlossen sein, informiert der Abteilungsleiter für Tiefbau der Stadt Feldkirch, Rainer Graf-Bösch. Bis dahin wird die Straße eine Baustelle bleiben und dann mit einem groben Asphalt asphaltiert. Im Zuge der Erneuerung der unterirdischen Infrastruktur wird auch die Straße begradigt und mit Pflanzen bestückt. Ebenso soll es für alle Abschnitte einen barrierefreien Pflasterbelag geben. Mit den Arbeiten dafür wird nächstes Jahr im Februar/März begonnen.

Umsatzeinbußen

Die Bauarbeiten haben unterschiedliche Auswirkungen auf die Betreiber der Geschäfte und Lokale in den Laubengängen. Während die einen keinen Umsatzverlust wahrnehmen oder sogar von der Baustelle profitieren, ist bei manch anderem das Gegenteil der Fall. Homayoom vom Lebensmittelladen „Afghanisch, orientalische Lebensmittel“ merkt etwa einen deutlichen Umsatzverlust. „Normalerweise machen wir in den ersten Tagen des Monates 800 Euro Umsatz am Tag. Die letzten Tage war es nur ein Viertel davon“, beklagt der Geschäftsinhaber. Dies dürfte aber vor allem auch mit der Lage seines kleinen Ladens zusammenhängen. Um zu diesem zu gelangen, müssen die Leute nun einen längeren Weg in Kauf nehmen und ein Mal ums Rathaus herumlaufen, da ein direkter Zugang aufgrund der Baustelle nicht mehr möglich ist. Die Maschinen würden zudem sehr viel Lärm verursachen.

<span class="copyright">hartinger</span>Homayoom spürt Umsatzeinbußen in seinem Laden.
hartingerHomayoom spürt Umsatzeinbußen in seinem Laden.

Dem schließt sich auch Bernhard Gut, Bereichsleiter der Augenoptik vom Geschäft Müller Optik an (Bild). Er betont aber auch, dass der Lärm zu ertragen sei. Umsatzverluste spüren aber auch sie. Mit der damaligen Entscheidung, aus der Straße eine Fußgängerzone zu machen, zeigt er sich noch nicht ganz glücklich, denn die Kundschaft des Optik- und Hörakustik-Betriebs sei älter, viele würden nicht mehr gut hören und seien schwer zu Fuß. „Alles in allem glaube ich aber schon, dass es gut wird und die neue Fußgängerzone eine schöne Atmosphäre schafft“, zeigt sich der Optiker dann doch optimistisch.

<span class="copyright">Hartinger</span>Bernhard Gut, Bereichsleiter der Augenoptik vom Geschäft Müller Optik.
HartingerBernhard Gut, Bereichsleiter der Augenoptik vom Geschäft Müller Optik.


Davon ist auch Tobias Oberhuber, Verkäufer beim Elektrobetrieb Zimmermann überzeugt. Er war schon damals ein großer Befürworter der Fußgängerzone. Dass diese im Zuge der Kanalisationserneuerung auch begradigt wird, sieht er positiv. Trotz Baustelle meint er: „Wir spüren keinen Kundenrückgang, da wir auch viele Stammkunden haben und Dinge des täglichen Bedarfs verkaufen“, erzählt der Verkäufer und führt fort: „Der Lärm, die Gerüche und der Schmutz sind kein wirklich großes Thema.“


Passantin Rebecca wohnt direkt an der Baustelle und kann dies nur bestätigen. Zur Arbeit muss sie nun wegen der Baustelle zwar einen Umweg laufen, „aber dass sind eindeutig Luxusprobleme“, betont sie. Sie freue sich natürlich trotzdem, dass die Arbeiten irgendwann abgeschlossen sind.

Gudrun Albert freut sich trotz Bauarbeiten sogar über ein Umsatzplus. <span class="copyright">hartinger</span>
Gudrun Albert freut sich trotz Bauarbeiten sogar über ein Umsatzplus. hartinger

Umsatzplus

Dies sieht die Geschäftsführerin der Drogerie Albert allerdings etwas anders. „Also von mir aus kann die Baustelle bleiben“, sagt Gudrun Albert und lacht. Durch die Bauarbeiten hat sie nämlich mehr Kunden als zuvor. „Die Leute müssen nun wieder unter den Lauben laufen, da die ganze Straße Baustelle ist“, erklärt Albert. Sie sei von Anfang an eine Gegnerin der Fußgängerzone gewesen, denn die Leute würden dadurch mitten auf der früheren Straße laufen und nicht mehr direkt am Schaufenster.

Manuel Gallaun (r.) und Dogana-Eisdielenchef Patrick.
Manuel Gallaun (r.) und Dogana-Eisdielenchef Patrick.


Das Gasthaus Dogana liegt genau am Scheitelpunkt zwischen dem ersten Bauabschnitt und dem jetzigen. Der Lärm im Gastgarten von Manuel Gallaun ist daher schon längere Zeit präsent. Er ist sehr froh, dass im Sommer eine Baupause eingelegt wurde. Wie viele andere merkt er, dass während der Bauzeiten deutlich weniger Menschen vorbeikommen. Patrick aus Göfis kann dies gut nachvollziehen. Er gibt selbst ehrlich zu, dass er die Gegend seit der Baustelle auch eher meidet.

Verständnis

Alles in allem sind sich die Befragten einig, dass die Kanalisation natürlich erneuert werden muss, auch wenn dies für das ein oder andere Geschäft beziehungsweise Lokal natürlich mit Umsatzeinbußen einhergeht. Architekt Stefan Marte (Bild), von Marte.Marte hat sein Büro neben dem Gasthaus Dogana. Er hält fest: „Man muss einfach Verständnis zeigen. Es ist eine undankbare Situation. Aber das macht man ja auch nur alle 100 bis 200 Jahre, da darf man sich nicht beschweren. Das ist ein Projekt für Generationen.“

Architekt Stefan Marte. <span class="copyright">Hartinger</span>
Architekt Stefan Marte. Hartinger

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